Krankenversicherung Hallesche und mhplus kooperieren

Von Sabine Marquard 

Eine private Krankenversicherung, die bei ihren Kunden für die Gesetzliche wirbt, und eine gesetzliche Krankenkasse, die private Zusatzversicherungen anbietet: Die enge Kooperation zwischen Hallesche und mhplus soll Schule machen.

Vor dem Start: Eine Kooperation zwischen Hallescher und mhplus auf Augenhöhe. Im Bild der Firmensitz der Halleschen Krankenversicherung in Stuttgart Foto: Hallesche
Vor dem Start: Eine Kooperation zwischen Hallescher und mhplus auf Augenhöhe. Im Bild der Firmensitz der Halleschen Krankenversicherung in Stuttgart Foto: Hallesche

Stuttgart - Berührungsängste waren gestern. Die private Hallesche Krankenversicherung und die gesetzliche mhplus Betriebskrankenkasse bündeln ihre Kräfte. Start der Kooperation wird nach Informationen unserer Zeitung der 15. November sein. Die Hallesche will künftig bei ihren Kunden, deren Kinder ins Berufsleben eintreten und somit in die gesetzliche Krankenversicherung wechseln, für die Betriebskrankenkasse mhplus werben. Die mhplus wiederum wird ihren Kunden die Zusatzversicherungen der Halleschen empfehlen. Beide Versicherer wollen auch gemeinsam Produkte entwickeln, „die eine Form von Exklusivität darstellen“, sagt Walter Botermann, Vorstandsvorsitzender der Halleschen. Man wolle zunächst bei Produkten und im Vertrieb kooperieren und sehen, was sich in Zukunft noch gemeinsam an Synergien heben lasse. Beispielsweise im Leistungsmanagement, wo sich Abrechnungssysteme verbessern oder Doppelmedikation vermeiden ließen. „Die Stärken, die wir gemeinsam haben, wollen wir für unsere Kunden gemeinsam zur Geltung bringen“, fasst Botermann die strategische Ausrichtung zusammen.

Mehr als ein Jahr haben die Partner die Zusammenarbeit vorbereitet. Die räumliche Nähe und die vergleichbare Größe haben das Verständnis füreinander erleichtert, betonen die Versicherer. mhplus wurde einst als Betriebskrankenkasse des Ludwigsburger Autozulieferers Mann + Hummel gegründet, öffnete sich 1999 auch für Versicherte außerhalb des Betriebs und ist nach vielen Zusammenschlüssen in der Folge noch immer stark im Süden vertreten. Die Hallesche hat ihren Sitz in Stuttgart.

„Die Unternehmenskultur beider Häuser, die Ziele und das Verhalten gegenüber den Kunden passen gut zusammen“, sagt Winfried Baumgärtner, Vorstandsvorsitzender der mhplus Krankenkasse. Beide Partner seien an einer langfristigen Zusammenarbeit interessiert. „Wir wollen eine störungsfreie, langfristige Beziehung aufbauen“, betont Botermann. Mit Blick auf die im Wahlkampf zu erwartende Diskussion um eine Bürgerversicherung sprechen sich beide Kooperationspartner dafür aus, das Zwei-Säulen-System mit gesetzlicher und privater Krankenversicherung zu erhalten.

Beide Häuser wollen voneinander lernen

Die Hallesche hat rund 1100 Beschäftigte und zählt rund 234 740 Vollversicherte und 388 860 Zusatzversicherte zu ihren Kunden; mhplus betreut mit 900 Mitarbeitern rund 550 000 Versicherte. Im Wettbewerb der bundesweit 117 gesetzlichen Krankenkassen und der 42 privaten Krankenversicherer hoffen die Partner, mit der Kooperation ihre Kundenbindung zu stärken. Die Kunden würden es sehr schätzen, so Baum, „wenn wir uns mitverantwortlich fühlen und einen Anbieter für eine Zusatzversicherung empfehlen, der ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis hat und serviceorientiert ist“.

Sowohl auf privater als auch auf gesetzlicher Seite sehen sich die Unternehmen mit den gleichen Schwierigkeiten konfrontiert: Die Menschen werden immer älter, der medizinisch-technische Fortschritt schlägt teuer zu Buche, und die Leistungsausgaben im Gesundheitswesen steigen. Die Kooperation soll dazu beitragen, hier geeignete Antworten zu finden. Botermann sieht viele Berührungspunkte. So gebe es in beiden Systemen „Überaktivitäten“. Wenn zutreffe, was eine neue Studie melde, dass beispielsweise ein großer Teil an Katheteruntersuchungen am Herzen überflüssig sei, müssten Versicherer handeln. „Es wäre ein Riesenerfolg, von den gemeinsamen Erfahrungen im Leistungsmanagement zu profitieren“, sagt der Chef der Halleschen. Man wolle voneinander lernen. Aufgabe des Leistungsmanagements ist es, abgerechnete Leistungen zu überprüfen und die Behandlungsprozesse kostengünstig zu steuern.

Beide Versicherer bringen Erfahrungen mit

Für beide Häuser ist es nicht die erste Kooperation. Die zweite Partnerschaft, sagte Walter Botermann mit einem Augenzwinkern, sei meistens die stabilere. Man bringe Erfahrungen mit. In einer Ehe wisse man, wo es knirschen könnte. „Wir gehen sehr sensibel an die Zusammenarbeit“, betont Botermann. Quantitative Ziele im Vertrieb werde es nicht geben, versicherte Baumgärtner.

In der privaten Krankenversicherung werden viele Anbieter 2017 ihre Beiträge ­erhöhen. Die Beitragssteigerungen sollen Meldungen zufolge im Schnitt bei elf bis zwölf Prozent liegen. Die Hallesche wird im nächsten Jahr die Prämien in einigen Tarifen im Schnitt um vier bis 4,5 Prozent anheben. Bei der gesetzlichen Krankenkasse mhplus entscheidet der Verwaltungsrat im Dezember über den Zusatzbeitrag, den die Versicherten bezahlen müssen. Der Vorstand empfehle, den Zusatzbeitrag von 1,1 Prozent 2017 nicht zu verändern, sagt Baumgärtner. Damit liegt mhplus im Schnitt aller gesetz­lichen Kassen. Der Beitragssatz der gesetz­lichen Krankenversicherungen liegt derzeit bei 14,6 Prozent.