Die Krebsdiagnose meistert Nayif Ekinci tapfer. Doch Komplikationen und Nebenwirkungen lassen ihn verzweifeln – eine genetische Störung führt dazu, dass immer neue Tumore wachsen.

Rems-Murr: Simone Käser (sk)

Es sollte ein schöner Nachmittag mit den Kindern auf dem Spielplatz werden, noch ein bisschen Toben an der frischen Luft. Doch plötzlich bekommt Nayif Ekinci Bauchschmerzen – aus dem Nichts und ziemlich heftig. Der Familienvater aus Kernen im Remstal denkt sich erst mal nichts dabei, schließlich hat er sonst keine Symptome. Auch als noch Durchfall und Erbrechen dazukommen, bleibt der gelernte Altenpfleger ruhig. „Ich dachte an einen unangenehmen, aber harmlosen Magen-Darm-Virus und habe das Wochenende durchgestanden, in der Hoffnung, dass es am Montag wieder gut sein würde.“

 

Doch gar nichts wird gut. Sein Zustand verschlechtert sich so sehr, dass der Arzt, zu dem Nayif Ekinci dann zum Wochenstart geht, ihm Infusionen mit Schmerzmitteln gibt und ihm rät, ins Krankenhaus zu gehen. „Das war so komisch und echt nicht ohne, plötzlich war der Spieß umgedreht, und ich wurde vom Pfleger zum Patienten“, sagt der 35-Jährige, der sich an diesen Tag, es war der 3. April 2017, erinnert, als wäre es erst gestern gewesen. Und das aus gutem Grund: Denn nach einer Darmspiegelung erhält er die schockierende Diagnose Dickdarmkrebs – und seine Welt bricht zusammen. „Der Boden ist unter mir weggebrochen, und ich wusste überhaupt nicht, was ich jetzt tun soll.“

Diagnose Dickdarmkrebs – heute weiß Nayif, es geht viel schlimmer

Nayif Ekinci telefoniert mit Angehörigen, erhält beruhigende Worte, atmet durch, sammelt sich und lässt sich erst mal gegen den ärztlichen Rat entlassen. „Die wollten mich sofort operieren, aber ich wollte mir erst mal einen Überblick verschaffen und eine zweite Meinung einholen.“ Er wechselt ins Robert-Bosch-Krankenhaus und hat bei einer Ärztin sofort ein gutes Gefühl. „Ich habe sie gesehen und gespürt, dass sie mir helfen wird.“ Die Medizinerin nimmt sich dann auch wirklich seines Falls an, und Nayif Ekinci ist beruhigt und lässt sich operieren. Anschließend folgt ein Jahr Chemo mit allen erdenklichen Nebenwirkungen. „Nur die Haare sind mir nicht ausgefallen.“

Obwohl er gebeutelt ist von der Therapie, wird dem Mann aus Kernen in dem Jahr, in dem er so völlig ausgebremst ist, langweilig. So langweilig, dass er eine Fachweiterbildung zur Pflegedienstleitung beginnt. „Dann hatte ich einen Arbeitsvertrag, war voller Energie und wollte loslegen.“ Doch daraus wird nichts, denn seine Onkologin schickt ihn zum Humangenetiker, und ihr Verdacht, der 35-Jährige könne das Cowden-Syndrom haben – eine genetische Störung, die sich durch vermehrte Tumorbildungen in den unterschiedlichsten Organen zeigt –, bewahrheitet sich.

Plötzlich erscheint Nayif Ekinci seine Erstdiagnose fast schon harmlos, denn von jetzt auf gleich ist er nun damit konfrontiert, dass sich überall in seinem Körper bösartige Tumore bilden können – und zwar immer wieder. „Es war ein einziger Albtraum. Ich wusste plötzlich, dass der Dickdarmkrebs nur der Anfang war und es viel schlimmer geht.“ Doch aufgeben ist keine Option für Nayif Ekinci. Er geht humorvoll und positiv durchs Leben, beweist Kampfgeist und lässt sich auch angesichts der neuen Hiobsbotschaft nicht unterkriegen.

Trotz vieler Nebenwirkungen, Rückschläge, schwerer OPs und Schwierigkeiten mit der Verträglichkeit von Narkosen kämpft er sich stets wieder zurück und kümmert sich um seine Frau und die Kinder, die ihm Kraft geben, weiterzumachen. Im Jahr 2019 wurde wieder etwas gefunden. „Ich hatte einen Tumor in der Schilddrüse und ließ mir zur Sicherheit auf beiden Seiten den Schilddrüsenlappen entfernen.“ Es höre einfach nicht auf, sagt Nayif Ekinci und erzählt, wie sehr sich seine Familie um ihn kümmere. „Die bauen mich immer wieder auf, und mein Bruder hat sogar einen Song für mich rausgebracht. Vielleicht drehen wir irgendwann noch einen Videoclip dazu.“

Für seine Kinder kämpft Nayif Ekinci und bleibt positiv – trotz vieler Rückschläge. Foto: privat

Der 35-Jährige hat trotz seiner Erkrankung Zukunftspläne. Dass ständig andere Tumore sein Leben bedrohen und ihn zurückwerfen, will er nicht einfach akzeptieren. Deshalb konnte er es auch kaum glauben und nur schwer ertragen, als er im Jahr 2023 nach einem vermeintlichen Routineeingriff Wochen später auf der Intensivstation aus dem Wachkoma erwachte. Es folgten monatelange Pflege, neue Folgeerkrankungen und ein geschwächtes Immunsystem – und das Kämpfen wurde erst mal noch härter. Doch Nayif Ekinci nimmt die Herausforderung einmal mehr an und schafft es tatsächlich, die Klinik entgegen den ärztlichen Prognosen auf eigenen Beinen wieder zu verlassen.

Dass er nach dem Wachkoma aus der Klinik läuft – für die Ärzte ein Wunder

„Für die Mediziner grenzte es an ein Wunder, dass ich solche Kräfte mobilisieren kann, aber ich will für meine Kinder dasein und sie aufwachsen sehen, dafür halte ich das alles durch“, sagt der Mann aus Kernen, der aktuell schon mit dem nächsten Tiefschlag klarkommen muss – in seiner Hirnanhangsdrüse, die sich in der vorderen Schädelbasis befindet, wurde ein Tumor gefunden, der unkontrolliert Wachstumshormone ausschüttet. „Dadurch vermehren sich auch die Krebszellen schneller, und alles an und in meinem Körper wird dicker.“

Seine letzte Hoffnung: eine Gen- sowie Immuntherapie. Weil er beides selbst finanzieren muss, hat er seinen Fall mit seiner Familie nun für die Spendenplattform GoFundMe zusammengeschrieben. „Ich brauche jetzt einfach Hilfe. Ich schäme mich zwar dafür, aber es geht nicht mehr anders.“ Als Alleinverdiener könne er die Summe für die Therapie – rund 70.000 bis 80.000 Euro – nicht ohne Unterstützung aufbringen. „Aber ich weiß, ich kann es schaffen. Ich war schon immer ein Optimist und einer, der anderen helfen will. Deshalb glaube ich fest daran, dass da jetzt was zurückkommt und sich mein Zustand mit der Therapie verbessern wird.“

Nayif Ekinci und sein Kampf gegen den wiederkehrenden Krebs

Info
Wer Nayif helfen möchte, die Therapien zu finanzieren, kann das auf der Spendenplattform GoFundMe unter https://www.gofundme.com/f/gemeinsam-fur-nayif-hilfe-fur-seine-lebensrettende-therapi tun.