Krawallnacht in Stuttgart Polizei will Fotos der Gesuchten veröffentlichen

Die Spurensuche beginnt am Morgen nach der Randale. Foto: 7aktuell/Simon Adomat (Archiv)
Die Spurensuche beginnt am Morgen nach der Randale. Foto: 7aktuell/Simon Adomat (Archiv)

Mehr als 1300 Spuren hat die Ermittlungsgruppe Eckensee nach der Krawallnacht verfolgt und so etliche Verdächtige ausfindig machen können. Nun geht die Kriminalpolizei neue Wege bei der Suche nach Beteiligten.

Lokales: Christine Bilger (ceb)
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Stuttgart - Eine Zeit lang brachte die Ermittlungsgruppe Eckensee der Stuttgarter Polizei wöchentlich Erfolgsmeldungen: Schlag auf Schlag fasste die Polizei einen Tatverdächtigen nach dem anderen, als die Ermittlungen nach der Krawallnacht im Juni 2020 auf Hochtouren liefen. 130 Randalierer wurden ermittelt. Nun ist es etwas ruhiger geworden – was nicht heißt, dass keine weiteren Erfolge der Ermittlungsgruppe mehr zu erwarten seien. Sie braucht jetzt aber die Hilfe der Öffentlichkeit. „Ein paar Beschlüsse fehlen noch, dann können wir eine Reihe von Fahndungsfotos veröffentlichen“, kündigt Rüdiger Winter, der Chef der Stuttgarter Kriminalpolizei, an. Man habe Aufnahmen von etwa 15 Beteiligten der Randale in der Nacht vom 20. auf den 21. Juni, die gut genug seien, um Hinweise aus der Bevölkerung erwarten zu können.

Polizei durchforstet gewaltige Datenmengen

Die bis zu 120 Polizistinnen und Polizisten zählende Ermittlungsgruppe – benannt nach dem Ausgangspunkt der Ausschreitungen in der Krawallnacht – hätten gewaltige Datenmengen durchforstet. 7000 Mediendateien mit rund sechs Terrabyte Speichervolumen untersuchten sie. Die Krawallnacht war hervorragend dokumentiert. Handyvideos en masse fanden sich auf Instagram, Facebook und Tik Tok im Netz. Hinzu kamen Tausende Hinweise über das Uploadportal der Polizei. „Wir haben dann systematisch unsere Super Recogniser drangesetzt, um die Verdächtigen zu identifizieren“, schildert Winter. Diese haben die besondere Gabe, Menschen, die sie schon einmal gesehen haben, wiederzuerkennen – entweder auf Fotos oder draußen in der Stadt. Mehr als 1300 Spuren wurden abgearbeitet.

Viele Haftstrafen verhängt

Unter den ermittelten 130 Tatverdächtigen sind 46 Jugendliche, 48 Heranwachsende und 35 Erwachsene sowie eine Person, die rechtlich noch als Kind zählt. Die Justiz ist dabei, die Fälle zu behandeln. „48 Verfahren wurden bereits an den Amtsgerichten abgeurteilt, eines auch am Landgericht“, sagt der Kripochef. Das Ergebnis: Zusammen kamen in den Verfahren 40 Jahre Freiheitsstrafe ohne und 20 Jahre mit Bewährung heraus. 49 verhängte Haftbefehle gegen Verdächtige sind aktuell außer Vollzug, 25 sitzen noch in Untersuchungshaft.

Randalierer plündern Geschäfte und attackieren die Polizei

In der Krawallnacht waren bis zu 500 Personen plündernd und randalierend durch die Stadt gezogen und griffen Polizeibeamte an. Angefangen hatte alles nach einer routinemäßigen Polizeikontrolle am Eckensee im Schlossgarten: Die Polizei war dort auf einen Drogendealer aufmerksam geworden. Er konnte nach einer kurzen Verfolgungsjagd gestellt werden. Das bekamen die dort feiernden Szenegänger mit. Einige ergriffen für den mutmaßlichen Dealer Partei und stellten sich gegen die Polizei. Dieses Verhalten steckte andere an, das Geschehen verlagerte sich auf den Schlossplatz, im Sommer ebenfalls ein beliebter Partyort. Die Polizei wurde der Lage kaum Herr, als die Menge begann, durch die Straßen zu ziehen. 330 Beamte seien in jener Nacht unterwegs gewesen. Zehn Prozent dieser Polizistinnen und Polizisten kamen verletzt aus dem Einsatz zurück. Die Randalierer schlugen Schaufensterscheiben ein, plünderten Geschäfte und demolierten Einsatzfahrzeuge der Polizei sowie einen Rettungswagen. Am Schlossplatz wurde ein junger Mann, der andere zur Vernunft rufen wollte, von Beteiligten bewusstlos geprügelt – was wiederum andere ausnutzen, um ihm seine Wertsachen zu stehlen.




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