Kreativgeschäft mit Kunsthandwerk Zwei Hemminger verkaufen schöne Dinge

Im Meins! in Hemmingen verkaufen Katrin und Diego Meier eigene sowie Produkte von Kunsthandwerkern. Foto: Simon Granville

Sie haben es gewagt und einen Laden geöffnet: Katrin und Diego Meier setzen im „Meins!“ in der ehemaligen Postfiliale auf ein spezielles Konzept.

Leonberg: Stefanie Köhler (koe)

Manchmal fügen sich die Dinge einfach so. Katrin und Diego Meier hatten ihre Arbeitsräume lange in der Brennereistraße in Hemmingen. Dann zeichnete sich ab, dass ihre Zeit dort abläuft: Mittlerweile hat der Landkreis Ludwigsburg das Gebäude für die vorläufige Unterbringung von bis zu 70 Geflüchteten gekauft. Und die Meiers? Die haben die Gunst der Stunde genutzt, nachdem sie erfahren hatten, dass die Postfiliale in der Heimerdinger Straße in die Seestraße zieht – um ihr Geschäft, das bisher online lief, auch vor Ort zu betreiben.

 

Im Laden mit dem Namen Meins! verkauft das Paar seit Dezember aber nicht nur die selbst designte und produzierte Ware, wie Tassen, Bügelbilder, Holzschilder und Filzartikel. Sondern auch Produkte von Kunsthandwerkern aus Hemmingen und der Umgebung, wie Karten, Kinderkleidung, Taschen, Schmuck, Geschenk- und Dekoartikel, außerdem Seifen und Liköre. „Alles mit Liebe und Leidenschaft gemacht“, meint Diego Meier. Die Liköre seien als Präsent ungebrochen der Renner, die bunten Figuren aus dem 3D-Drucker, wenn Eltern mit Kindern kämen. Das Paar nennt seinen Laden „Marktplatz für Schönes“.

„Hatten immer mehr Möglichkeiten“

Die Kunsthandwerker mieten bei Diego Meier und seiner Frau Katrin die Regalflächen. Die Mindestmietdauer beträgt drei Monate. Der Bedarf ist da, berichtet Katrin Meier, „in der Region gibt es nichts Vergleichbares“. 21 Künstlerinnen und Künstler bieten zurzeit im Meins! ihre Produkte an. Es gibt eine Warteliste. Zum Beispiel für eine Schmuckdesignerin, die gern eine Fläche auf Augenhöhe hätte. Wichtig ist den Meiers, dass ihr Sortiment abwechslungsreich ist. Es sei erstaunlich, wie viele Kunstschaffende allein Hemmingen hat, stellt Katrin Meier fest, die mit ihrem Mann und den Kindern nur einen Steinwurf entfernt vom Laden lebt. In der Brennereistraße im Gewerbegebiet hätten sie wegen der Lage wohl kein Geschäft geöffnet.

Sie, die BWL studiert hat, nähte vor vielen Jahren schon Kinderkleidung. Alles andere als einfach war es dabei, an die Etiketten für die Pflegehinweise heranzukommen – zu groß war die Stückzahl, die allerorten zum Kauf zur Verfügung stand. Also beschloss ihr Mann Diego Meier, sie selbst herzustellen. Das Geschäft florierte, denn auch andere Kleinunternehmer hatten Interesse. Unter anderem folgte später auch die Nachfrage nach Kunstlederlabels. „Wir hatten immer mehr Maschinen und damit immer mehr Möglichkeiten“, sagt Katrin Meier. Schließlich nutzten sie die Gerätschaften auch dazu, Anhänger, Holzschilder oder Filzuntersetzer zu produzieren. „Das hat sich alles so entwickelt“, erinnert sich Diego Meier. Der 38-Jährige arbeitet hauptberuflich als Netzwerk-Ingenieur.

Wichtiges Anliegen: die Kunden beraten

Und ist froh um diesen Job. Das Ladengeschäft wirft noch zu wenig Geld ab, um einzig davon leben zu können. Nichtsdestotrotz, die Meiers zeigen sich optimistisch. Weil im Umkreis keine Konkurrenz sei – „viele Kunden sagen, unser Angebot habe in Hemmingen noch gefehlt“ –, weil man die Produkte im Internet weder anfassen noch probieren könne. Im Januar habe nach einem „Hammer-Dezember“ zwar etwas Flaute geherrscht. „Jetzt zieht es aber langsam wieder an. Wir werden allmählich bekannt. Doch es muss mehr werden“, erzählt Diego Meier, der zwei Minijobber beschäftigt. Um mehr Laufkundschaft in den Laden zu locken, sind die Meiers Partner der Paketdienstleister UPS und GLS.

Die Meiers sehen es als Vorteil, dass sie sich, wie sie betonen, für die Produkte in ihrem Geschäft interessieren. Vor vielen Jahren habe Katrin Meier selbst in einem Laden mit Mietkonzept für Kunstschaffende ihre Ware angeboten – und schlechte Erfahrungen gemacht. Deshalb hat sich die 36-Jährige vorgenommen, einmal alles anders zu machen, sollten sie jemals einen eigenen Laden haben. „Wir legen Wert darauf, dass wir die Kunden beraten können oder sie über einen Artikel informieren“, sagt Diego Meier.

Ebenfalls punkten wollen er und seine Frau damit, dass sie viele Produkte auch in anderen Farben oder mit einem anderen Motiv besorgen beziehungsweise produzieren können. Die Kunstschaffenden seien dahingehend sehr offen.

Workshops im Nebenraum

Seit diesem Monat bieten einige Kunsthandwerker in einem Nebenraum in der Heimerdinger Straße Workshops an. Elf Angebote sind momentan bis Mitte Juni geplant. Diego Meier lässt seinen Blick über das Sortiment schweifen. Dann lacht er. Seine Frau wisse noch nichts davon, sagt er, aber er spiele mit dem Gedanken, oben auf den Regalen Bilder aufzustellen. Eine passende Künstlerin oder einen passenden Künstler findet das Paar garantiert.

Kontakt zu den Meiers

Öffnungszeiten
Meins! in der Heimerdinger Straße 14 macht montags von 8 bis 12 und von 14 bis 18 Uhr auf, dienstags von 8 bis 16 Uhr sowie mittwochs bis samstags von 8 bis 12 Uhr.

Online
Mehr Infos zum Meins! gibt’s im Netz auf: www.meins-hemmingen.de

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