Krebs „Statistisch kann es jeden treffen“

Susanne Weg-Remers leitet den Krebsinformationsdienst in Heidelberg Foto: Schwerdt
Susanne Weg-Remers leitet den Krebsinformationsdienst in Heidelberg Foto: Schwerdt

Susanne Weg-Remers leitet den Krebsinformationsdienst in Heidelberg. Sie stellt täglich fest, dass viele Irrtümer über Krebs kursieren. Ein Interview über die Vorsorge – und darüber, dass man sich nicht perfekt gegen Krebs schützen kann.

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Heidelberg - Susanne Weg-Remers leitet den Krebsinformationsdienst in Heidelberg. Sie stellt täglich fest, dass viele Irrtümer über Krebs kursieren.

Frau Weg-Remers, laut einer Studie der Barmer-Ersatzkasse glaubt jede dritte Frau in Deutschland, dass die Mammografie Brustkrebs verhindert. Ist der Irrglauben zum Thema Krebs so groß, wie es dem Report nach den Anschein hat?
Ja, das kann ich in der Tat bestätigen. Es gibt viele Missverständnisse, die aufgrund der Bezeichnung „Vorsorge“ weite Verbreitung finden. Als Faustregel kann man sich merken: nur bei der Darmspiegelung als Vorsorgeuntersuchung wird bereits aktiv gegen Krebs eingegriffen, wenn beispielsweise Polypen entfernt werden, die später zu Krebs werden könnten. Diese Früherkennung bietet die Möglichkeit, dass der Arzt während der Untersuchung die Krebsvorläufer gleich entfernen kann.
Man hat das Gefühl, dass die Menschen sehr gesundheitsorientiert sind. Ist das so?
Der Schein trügt. Insgesamt ist das Wissen über Gesundheitsthemen und Krebs sehr gering. Wir plädieren dafür, bereits in den Schulen aufzuklären. Es gibt große Verwirrungen mit dem Begriff Vorsorge, die Menschen denken tatsächlich, dass sie damit „vorsorgen“, um nicht an Krebs zu erkranken. Dabei wird bei den Untersuchungen meist nur festgestellt, ob eine Krebsauffälligkeit vorhanden ist. Durch das Internet ist es außerdem so leicht wie nie zuvor, an Infos zu kommen. Die Folge ist, dass viele Mythen, viel Irrglauben und viele Fehlinformationen grassieren. Das kann Angst machen oder in eine Pseudoberuhigung versetzen. Beides ist nicht gut.
Wer ruft bei Ihnen an? Und welche Anliegen haben diese Menschen?
Drei Viertel aller Anrufer sind Patienten oder Angehörige von Patienten, der Rest sind interessierte Bürger. Am häufigsten werden unsere individuellen Infoangebote nachgefragt, wenn der Anrufer beispielsweise schon eine konkrete Diagnose hat und er gezielte Informationen benötigt, beispielsweise zur Bewältigung des Alltags.
Wie können Sie helfen?
Wir können bei der Suche nach kompetenten ­Medizinern oder geeigneten Kliniken weiterhelfen, und wir können Hilfen geben, wenn zwei Be­handlungsoptionen im Raum stehen, zwischen denen sich der Patient entscheiden soll. Auch zu Neben­wirkungen von bestimmten Maßnahmen und wie man mit ihnen am besten fertig wird, geben wir Auskunft.
Was sind die drängendsten Anliegen von Betroffenen?
Sie haben eine Menge Fragen zu den Ursachen ­von Krebs. Betroffene fragen sich: Warum gerade ich? Was hab ich falsch gemacht? In vielen Fällen ist Krebs ein statistisch zufälliges Ereignis, das ­jeden treffen kann. Selbst wenn man alle Risikofaktoren wie Rauchen, Übergewicht oder UV-Strahlungen vermeidet, gibt es keine Garantie für Gesundheit.

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