Kreis Böblingen Abgabe von Erdaushub soll deutlich teurer werden
Das bekämen vor allem Häuslesbauer zu spüren – bis zu 10 000 Euro könnte das ausmachen. Außerdem: Die Suche nach neuen Deponie-Standorten wird wieder zum Thema.
Das bekämen vor allem Häuslesbauer zu spüren – bis zu 10 000 Euro könnte das ausmachen. Außerdem: Die Suche nach neuen Deponie-Standorten wird wieder zum Thema.
In den Sitzungsunterlagen des Umwelt- und Verkehrsausschusses (UVA) des Böblinger Kreistags steckt ein kleiner Hammer. Die Gebühren für die Versorgung von unbelastetem Erdaushub sollen deutlich steigen: von 14,50 Euro auf 23,70 Euro pro Tonne. Das würde vor allem Bauunternehmen und Bauherrschaften treffen. „Ich verstehe nicht, warum das Landratsamt die Gebühren derart erhöht“, ärgert sich Bela Stahl, der in Ehningen das Unternehmen BS Abbruch und Recycling hat. Ihm persönlich mache das im ersten Moment nichts aus. Im zweiten allerdings schon. „Ich verliere Aufträge“, befürchtet er.
Sein Unternehmen hebt unter anderem für neue Häuser die Gruben aus. Ist die Erde aus diesen Gruben nicht belastet, darf sie im Kreis Böblingen beim Steinbruch Baresel in Ehningen, bei NSN in Magstadt oder bei Mayer in Mötzingen als Füllmaterial abgeliefert werden. Gering belastete Erde nimmt nur der Steinbruch in Ehningen an, auch dafür ist eine Gebührenerhöhung geplant, von 18,10 Euro auf 29,60 Euro pro Tonne.
Etwa 1000 Tonnen Aushub kommen laut Stahl bei der Baugrube für ein Wohnhaus zusammen. Die höheren Gebühren könnten den Hausbau also um etwa 10 000 Euro verteuern. Mehrkosten, die sich Familien, die bauen möchten, möglicherweise nicht mehr leisten können – oder tragen wollen, lautet Stahls Sorge. Vor allem jetzt, da die Bauzinsen tendenziell wieder gestiegen seien.
Die alten Gebühren decken nicht mehr die Kosten, nennt das Landratsamt als Grund für die geplante Erhöhung. Die Abgabe von Erdaushub wird über den Landkreis geregelt und entspricht offenbar einem bestimmten Kontingent. Doch die angelieferten Mengen gehen laut Landratsamt seit Jahren zurück. Das Kontingent wird also nicht mehr erfüllt, weshalb die Fixkosten, die für den Kreis anfallen, höher sind als die Einnahmen durch die Gebühren. Der Sprung nach oben komme daher, dass die Gebühren lange nicht angepasst worden seien. Noch ist die Erhöhung nicht beschlossen. Das letzte Wort hat der Kreistag.
Wieder eine andere Sache ist der schwer belastete Aushub. Für den gibt es im Kreis bislang keine Entsorgungsmöglichkeit – trotz nach wie vor eifriger Bautätigkeit. Entsprechende Vorstöße des Landrats, eine Deponie einzurichten waren vor einigen Jahren gescheitert. Wohl vor allem aufgrund der Gegenwehr der Kommunen, auf deren Flächen sie infrage gekommen wäre.
In naher Zukunft könnte das Thema erneut auf den Tisch kommen. Bislang nehmen Deponien im Kreis Ludwigsburg die Erde aus dem Kreis Böblingen an. Diese Regelung wird voraussichtlich bis 2027 verlängert. Aber die beiden Deponien im Kreis Ludwigsburg kommen an ihre Kapazitätsgrenzen. Deshalb startet der Verband Region Stuttgart, der für die Entsorgung von verunreinigtem Bodenaushub und mineralischen Abfällen zuständig ist, eine Suche nach neuen Standorten in der Region Stuttgart, also auch im Kreis Böblingen. „Momentan ist der Verband dabei, die Kriterien für einen Standort festzulegen“, teilte der Erste Landesbeamte Martin Wuttke in der jüngsten UVA-Sitzung mit. Für Spekulationen, welche Flächen in engere Auswahl kommen, ist es noch zu früh. Dass eine Lösung her muss, steht aber fest.