Kreis Böblingen Alkoholproblem nicht belegbar

Die Mehrzahl der Fälle von Volltrunkenheit dürfte Folge der Abifeiern sein. Foto: factum/Granville
Die Mehrzahl der Fälle von Volltrunkenheit dürfte Folge der Abifeiern sein. Foto: factum/Granville

Zahlen des Statististischen Landesamtes widerlegen die gefühlte Wahrheit, dass die Jugend im Kreis allzu trinkfreudig ist.

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Böblingen - Die Jugend im Landkreis gilt als ausgesprochen trinkfreudig. Mit Zahlen lässt sich das gefühlte Alkoholproblem allerdings nicht belegen. Gemäß einer Erhebung des Statistischen Landesamts ist zumindest das sogenannte Komasaufen im Kreis unterdurchschnittlich beliebt. Die Landesstatistiker haben erfasst, wie viele Jugendliche im Jahr 2015 wegen Volltrunkenheit in ein Krankenhaus gebracht werden mussten. Als jugendlich gilt demnach, wer zwischen 13 und 19 Jahre alt ist. Von 10 000 Menschen in dieser Altersgruppe haben im Landkreis binnen eines Jahres 29 so lange getrunken, bis sie zum Arzt gebracht werden mussten. Im landesweiten Schnitt waren es 34. Die Mehrzahl der Fälle im Kreis dürfte Folge der Abiturfeiern an den Böblinger Seen sein, die regelmäßig mit Debatten über eine alkoholselige Jugend enden.

Am trinkfreudigsten ist mit Abstand die Jugend im Main-Tauber-Kreis. Dort klettert die Kennzahl auf 60, dahinter folgt mit 51 der Landkreis Freudenstadt. Dass die Statistik den Augenschein widerlegt, zeigt der Blick auf die Städte Stuttgart und Mannheim. In der Landeshauptstadt ist die Zahl volltrunkener Jugendlicher nur ein Drittel so hoch wie die des Spitzenreiters Main-Tauber. Der Mannheimer Nachwuchs ist – mit 17 Fällen pro 10 000 Jugendliche – gar der nüchternste in ganz Baden-Württemberg. Am häufigsten werden 16-Jährige wegen Alkoholmissbrauchs in die Klinik gebracht. Bei den Mädchen ist schon die Altersgruppe der 13- und 14-Jährigen auffällig. Die Jungs überholen sie erst später. Grundsätzlich schrumpft der Geschlechterunterschied. Was daran liegt, dass relativ gerechnet die männliche Jugend in den vergangenen Jahren vernünftiger geworden scheint. Allerdings scheint sich auch unter jungen Frauen herumgesprochen zu haben, dass Komasaufen am Ende nicht mehr so amüsant ist, wie es anfangs scheint. Von 2001 bis 2009 hatte die Zahl der Volltrunkenen sich bei jungen Frauen und Männern mehr als verdoppelt. Seither sinkt sie allerdings stetig.




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