Der Abschnitt zwischen Böblinger Bahnhof und Abzweig zum Pfaffensteigtunnel muss so ertüchtigt werden, dass Züge in diesem Bereich schneller fahren können. Foto: IMAGO/Eibner/Dimitri Drofit
Der Pfaffensteigtunnel endet bei Böblingen. Außerdem muss die Strecke zwischen dem Böblinger Bahnhof und dem Abzweig in den Tunnel ertüchtigt werden. Was aktuell Stand der Dinge ist.
Der rund elf Kilometer lange Tunnel soll die Gäubahnstrecke bei Böblingen künftig mit dem Flughafen und Stuttgart 21 verbinden. Der Flughafen wäre dann von Böblingen aus innerhalb von sieben Minuten erreichbar. Anfang des Jahres hat der Pfaffensteigtunnel die Baugenehmigung erhalten.
Pfaffensteigtunnel: In sieben Minuten von Böblingen zum Flughafen. Foto: imago/Arnulf Hettrich
Die Deutsche Bahn hat angekündigt, im Februar mit den ersten Arbeiten für den Tunnel beginnen zu wollen. Was bedeutet das für den Kreis Böblingen? Zunächst dürften die Auswirkungen eher gering sein. Der Bau des Tunnels beginnt auf der Seite des Flughafens und arbeitet sich langsam nach Westen Richtung Böblingen vor. Als Datum der Fertigstellung nennt die Bahn Ende 2032.
Pfaffensteigtunnel: Wie die Städte betroffen sind
Trotzdem ist aktuellen Sitzungsunterlagen des Verbands Region Stuttgart zu entnehmen, dass wegen der „Vorbereitungen zum Bau des Pfaffensteigtunnels“ im ersten Halbjahr 2026 die S-Bahn- und Gäubahnstrecke zwischen Stuttgart-Rohr und Böblingen nachts „häufig“ halbseitig gesperrt werde. An einigen Wochenenden sind demnach zusätzlich Vollsperrungen geplant.
Ein Bahnsprecher widerspricht dieser Darstellung, zumindest, was die Ursache betrifft. Die Sperrungen sind demnach zwar vorgesehen, aber Grund für die Sperrungen sei nicht der Bau des Pfaffensteigtunnels, sondern die Arbeiten am Projekt Digitaler Knoten Stuttgart. Diese fänden ohnehin statt, man nutze sie jetzt für erste Erkudnungen für das Tunnelprojekt. Für Böblinger Pendler bedeutet das aber an sich dasselbe – sprich Ausfälle oder wahrscheinlich Schienenersatzverkehr.
Bau des Pfaffensteigtunnels: Auswirkungen für Böblingen und Sindelfingen
Größere Auswirkungen auf Böblingen, Sindelfingen und den Kreis kommen aber noch. Sie hängen vor allem mit der Ertüchtigung der Gleise zwischen dem Böblinger Bahnhof und dem neuen Abzweig in den Tunnel zusammen. Dieser Abzweig mit dem Namen „Mönchsbrunnen“ soll nahe des Sindelfinger Schützenhauses von den bestehenden Gleisen auf die neue Strecke und in den Tunnel führen.
Allerdings steht für diese Ertüchtigung des Streckenabschnitts noch kein Datum fest. Sie hängt zwar direkt mit dem Pfaffensteigtunnel zusammen. Trotzdem handelt es sich um einen eigenen Planungsabschnitt, für den das Genehmigungsverfahren noch läuft.
Mehrmonatige Sperrung der Bahnstrecke von Böblingen nach Stuttgart
Die Strecke zwischen dem Böblinger Bahnhof und dem neuem Abzweig soll so ausgebaut werden, dass Züge dort mit 200 Kilometern pro Stunde fahren können. Geplant ist unter anderem, zwei Eisenbahnbrücken auszutauschen und zwei Kurven zu entschärfen. In dieser Bauphase dürften die Auswirkungen auf den Kreis Böblingen enorm sein.
Die Rede ist von mehrmonatigen Sperrungen der Zug- und S-Bahn-Strecke nach Stuttgart, Baustellenverkehr, Straßensperrungen und Eingriffen in den Wald. Außerdem benötigen Baufahrzeuge und Baumaterial Lagerflächen in Böblingen und Sindelfingen und konkurrieren dabei mit dem Platzbedarf für eigene Bauvorhaben.
Pfaffensteigtunnel: Belastung für Bevölkerung minimieren
Böblingens Oberbürgermeister Stefan Belz (Grüne) forderte bereits in einer Gemeinderatssitzung im Herbst eine bessere Einbindung der betroffenen Städte in die Planung und betonte, dass die geplanten 450 Tage Vollsperrung für Böblingen nicht akzeptabel seien. Die Bauabläufe müssten angepasst und die Belastung für die Bürgerinnen und Bürger minimiert werden.
Die Bahn selbst äußert sich mit Verweis auf das laufende Planfeststellungsverfahren nicht zu den möglichen Sperrungen. Die Böblinger Stadtverwaltung und die Stadträtinnen und -räte sparten im Herbst zwar nicht mit deutlichen Worten, was die Auswirkungen der Baustelle betrifft. Das Vorhaben an sich und die schnellere Anbindung an den Flughafen scheint die Mehrheit jedoch zu begrüßen. Fundamentaler Tadel kommt hingegen vom Bundestagsabgeordneten und S21-Kritiker Matthias Gastel (Grüne).
Viergleisiger Ausbau der Bahnstrecke gefordert
Gastel befürchtet einen Engpass zwischen Böblingen und dem neuen Abzweig. Schließlich führten künftig Schienen aus dem Tunnel und aus Richtung Stuttgart-Rohr nach Böblingen. Außerdem seien mehr Züge geplant. Der Grünen-Abgeordnete fordert daher einen viergleisigen Ausbau zwischen Böblingen und dem neuen Abzweig. Die Deutsche Bahn sieht dafür allerdings keine Notwendigkeit, wie aus einer Antwort auf eine Kleine Anfrage von Grünen-Bundestagsabgeordneten rund um Gastel vom Oktober hervorgeht.
„Sehr ärgerlich“ ist laut Gastel außerdem, dass der zweigleisige Ausbau auf dem südlichen Teil der Gäubahnstrecke kaum vorankomme. Das Planungstempo falle weit hinter das des Pfaffensteigtunnels zurück, obwohl die Zweigleisigkeit die Voraussetzung für ein besseres und zuverlässigeres Angebot auf der Gäubahnstrecke darstelle.
Kappung Noch bevor der Tunnel in Betrieb geht, wird die Gäubahnverbindung an den Stuttgarter Hauptbahnhof gekappt. Reisende müssen dann bis zur Fertigstellung des Pfaffensteigtunnels in Stuttgart-Vaihingen auf S- und Stadtbahnen umsteigen. Zuletzt war die Kappung der Gäubahn für das Jahr 2027 vorgesehen.
Gäubahn Die Gäubahnstrecke führt vom Stuttgarter Hauptbahnhof bis nach Schaffhausen in die Schweiz. Im südlichen Abschnitt ab Horb ist sie noch weitgehend eingleisig.