Kreis Böblingen Busunternehmen weist Kritik am SEV auf der Schönbuchbahn zurück
Jüngst war Kritik am Schienenersatzverkehr laut geworden. Er sei teils eine „Unverschämtheit“ Das will das zuständige Busunternehmen nicht auf sich sitzen lassen.
Jüngst war Kritik am Schienenersatzverkehr laut geworden. Er sei teils eine „Unverschämtheit“ Das will das zuständige Busunternehmen nicht auf sich sitzen lassen.
Der Schienenersatzverkehr (SEV) auf der Schönbuchbahn nähert sich aller Voraussicht nach einem Ende. Ab diesem Wochenende fahren wieder Züge, werktags werden sie aber vorerst noch mit Bussen ergänzt. Erst jüngst hatte ein Leser unserer Zeitung seiner Wut über den SEV Luft gemacht und ihn teils als „Unverschämtheit“ bezeichnet. Auch beim Landratsamt trudeln eigenen Angaben zufolge pro Woche ein bis zwei Beschwerden ein.
„Es wurde uns einiges abverlangt und wir haben alle unser Bestes gegeben.“
Ein Sprecher des Unternehmens, das mit dem Schienenersatzverkehr beauftragt ist
Doch was für die einen ein Ärgernis bedeutet, bedeutet für die anderen eine Herkulesaufgabe. Ein Sprecher des mit dem SEV beauftragen Busunternehmens aus Weil im Schönbuch meldete sich auf unseren Artikel, um seine Seite der Medaille zu schildern.
Er wolle gerne mehrere Lanzen für das eingesetzte Personal brechen, schreibt er. „Es wurde uns einiges abverlangt und wir haben alle unser Bestes gegeben.“ In den Bussen sei die Resonanz auf den SEV überwiegend positiv gewesen. Während des gesamten Ersatzverkehrs seit Oktober sei nur eine einzige Fahrt ausgefallen – wegen Glatteis.
Und: „Verspätungen gibt es ausschließlich im Berufsverkehr“, meint der Sprecher, der namentlich nicht genannt werden möchte. „Das als Unverschämtheit zu bezeichnen ist ungerecht“, sagt er später am Telefon.
Auf dem Weg von Weil im Schönbuch nach Böblingen passierten die Busse zwischen sieben und acht Uhr oft vier bis fünf Staus. Doch nicht nur verspätete, sondern auch überfüllte Busse standen in der Kritik. Noch mehr Busse einzusetzen hält der Sprecher allerdings für wenig zielführend. Zu Stoßzeiten fahren demnach schon zwei und ein dritter wäre nach Meinung des Sprechers immer leer.
Im Gespräch gibt er einen kleinen Einblick, was es bedeutet den Schienenersatzverkehr auf die Beine zu stellen. Aufgrund der häufigen Ausfälle der Schönbuchbahn, zuletzt von Mitte Oktober bis Anfang Januar und dann erneut ab Mitte Januar, war das Unternehmen in den vergangenen Monaten oft gefragt. Zwischen 7000 bis 8000 Fahrgäste, die täglich mit der Schönbuchbahn fahren, wollten weiterhin von A nach B kommen.
„Im Oktober hieß es an einem Sonntagmorgen: Wir können heute noch fahren, danach nicht mehr“, berichtet der Sprecher. Für das Weilemer Busunternehmen bedeutete das: Innerhalb weniger Stunden die eigenen Mitarbeiter einplanen und Subunternehmen organisieren. „Die meisten Subunternehmen kommen aus einem Umkreis von 30 Kilometern“, so der Sprecher.
Noch schneller musste es offenbar im Januar gehen, als nach einem Brand in einem Triebwagen nicht mehr genug Züge zur Verfügung standen. „Als der Schaltschrank gebrannt hat, war der Notverkehr innerhalb von weniger als einer Stunde organisiert“, sagt der Sprecher. Er selbst halte sich am Wochenende oft bereit, um schnell einspringen zu können.
Nachvollziehen, dass wohl die meisten das Ende des SEV herbeisehnen kann er trotzdem. Auf der Schiene gebe es schließlich keine Staus und rote Ampeln.