Kreis Böblingen Die Pläne zur Stadtbahn-Erweiterung bleiben ein Thema

Von Jan-Philipp Schlecht 

Das Landratsamt lässt prüfen, ob die gelben Züge nach Leonberg oder Böblingen fahren könnten.

Momentan enden die Stadtbahn-Linien vor der Kreisgrenze. Foto: factum/Jürgen Bach
Momentan enden die Stadtbahn-Linien vor der Kreisgrenze. Foto: factum/Jürgen Bach

Kreis Böblingen - Kaum ist die Schönbuchbahn (teil-)elektrifiziert, geht der Kreis Böblingen gedanklich den nächsten Schritt und untersucht, ob und wie sich die Schienenverbindung nach Stuttgart ausbauen lässt. Dabei sind zunächst acht Varianten im Gespräch.

Der Kreistag stimmte der Beauftragung einer Potenzialstudie „Schienenverbindungen im Landkreis Böblingen“ zu. Darin soll es konkret um die Frage gehen, ob es genug Nachfrage für eine Verlängerung der Stuttgarter Stadtbahn in den Kreis Böblingen hinein gibt. Mit der Frage betraut ist das Verkehrswissenschaftliche Institut Stuttgart (VWI), die Kosten für die Studie liegen bei knapp 40 000 Euro.

U6 oder U13 bis nach Leonberg?

Momentan enden die Stadtbahn-Linien vor der Kreisgrenze. Im Osten sind dies die U1, U3 und U8 in Stuttgart-Vaihingen, im Norden die U3 in Gerlingen. Eine Verlängerung von diesen beiden Endhaltestellen soll jetzt tiefer untersucht werden. Sogar die noch nicht gebaute U13 nach Ditzingen, die bis jetzt in Feuerbach endet, könnte von Ditzingen aus weiter nach Leonberg fahren. Insgesamt sieben Untervarianten werden geprüft.

Drei davon befassen sich mit der Ausdehnung der Linien U8, U1 und U3 von Stuttgart-Vaihingen bis nach Sindelfingen und eventuell auch an den Böblinger Bahnhof. Außerdem soll untersucht werden, ob eine Verlängerung der Stadtbahn U6 von Gerlingen nach Leonberg genug Potenzial für eine Umsetzung hätte. Die dritte Möglichkeit wird über die Linie U13 gesehen, die künftig von Ditzingen nach Leonberg fahren könnte.

Schönbuchbahn nach Stuttgart verlängern?

Neben diesen sieben Varianten will der Landkreis noch eine weitere von den VWI-Experten untersuchen lassen. Als Nummer acht listet das Beschlusspapier nicht eine Verlängerung der Stadtbahn in den Kreis Böblingen hinein auf, sondern eine Ausweitung der Schönbuchbahn ins Stuttgarter Netz. „Dabei wird aber nur das Nachfragepotenzial betrachtet“, schreibt das Landratsamt. Es wird unterstellt, dass die Schönbuchbahn „über die bestehende Gäubahntrasse nach Vaihingen geführt wird“. Bei dieser Option müssten die Verkehrsplaner keine neue Linienführung ausarbeiten.

Über die Beauftragung gab es im Kreistag eine kurze Diskussion, bei der vor allem die Christdemokraten ein wenig auf die Bremse traten. CDU-Kreisrat Ulrich Vonderheid, der Erste Bürgermeister von Leonberg, bezeichnete den Vorstoß als „typische Vor-Corona-Idee“. Er rechne nicht damit, dass sich die Nutzungszahlen im Nahverkehr nach Überstehen der Pandemie wieder voll erholen. Seine Partei könne es also nicht begrüßen, wenn die jetzige Beauftragung der Studie „als Ermächtigung für die Prüfung weiterer Varianten“ verstanden würde. Erst solle man die Ergebnisse der jetzigen Untersuchung abwarten. Das betonte auch Dieter Maurmaier (FDP), ebenfalls aus Leonberg.

Herrenberg-Nagold vorerst außen vor

Landrat Roland Bernhard sah darin keinen Widerspruch, sondern betonte, man wolle sich durchaus „zunächst auf den Kern des Landkreises fokussieren“. Die Untersuchungen sollten nicht „in Modelle ausfransen lassen, die in weiter Zukunft liegen“. Damit gemeint sind wohl weitere überregionale Verbindungen insbesondere von Herrenberg nach Nagold, die in der Vorlage ebenfalls erwähnt sind. Dies wollte Bernhard zunächst zurückstellen. Die Studie wurde vom Ausschuss dann auch einstimmig befürwortet.

Bei den jetzt zu prüfenden Varianten geht es insbesondere um die Positionierung von Haltestellen und den Verlauf der Linien. Ist also sogar eine Stadtbahn denkbar, die die beiden Städte Böblingen und Sindelfingen miteinander verbindet?

In dem Papier heißt es dazu, Sindelfingen, Böblingen und Leonberg sollten in sogenannte Verkehrszellen unterteilt werden für eine verfeinerte Planung.

Im nächsten Schritt sollen alle Beteiligten einen Arbeitskreis bilden, der die Studie begleitet. Dazu zählen die bisherigen ÖPNV-Anbieter sowie die betroffenen Kommunen und Landkreise. In fünf Monaten sollen die Ergebnisse vorliegen, sofern die Corona-Pandemie das Vorhaben nicht verzögert.




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