Landrat Roland Bernhard sieht bei der Hesse-Bahn offene Fragen, aber auch positive Aspekte.

 
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Kreis Böblingen - Vor allem drei Punkte sind es, die für den Böblinger Landrat Roland Bernhard offen sind in Sachen Hermann-Hesse-Bahn: Stresstest, Lärmschutz und der Vorrang der S-Bahn. „Wir erwarten, dass es schnellstmöglich Klarheit gibt“, sagt er. Dann könne man überlegen, ob der Kreis Böblingen Mitglied des Zweckverbands Hesse-Bahn werden soll.

Genau diese Forderung hatte das Landratsamt in Calw erhoben. Wie berichtet, hatte der dortige Kreistag in der vergangenen Woche einstimmig beschlossen, einen solchen Zweckverband zu gründen. Dieser soll von 2017 an den Bau der Bahnstrecke von Calw nach Renningen organisieren und sich später auch um den Betrieb der Hesse-Bahn kümmern.

Die Kosten teilen sich die Mitglieder des Zweckverbandes

Bis jetzt wollen Stadt und Kreis Calw sowie die Gemeinden Althengstett und Ostelsheim Mitglieder des Zweckverbands werden. Alle Kosten, die durch Bau und Betrieb der Bahn entstehen, werden sich die Mitglieder nach einem festgelegten Schlüssel aufteilen müssen. „Wer bei der Hesse-Bahn mitreden will, muss auch mitbezahlen“, sagt Michael Stierle vom Landratsamt Calw.

Das heißt: Mitglied des Zweckverbands werden. Doch danach sieht es im Moment nicht aus. „Derzeit gibt es keinen Beschluss des Kreistages, der die Verwaltung ermächtigen würde, einen Beitritt zum Zweckverband vorzubereiten“, sagt der Landrat in Böblingen, Roland Bernhard, dazu. Damit es überhaupt so weit kommen könne, müsse zunächst der versprochene Stresstest her, fordert Bernhard. Denn die Hesse-Bahn soll auch auf dem eingleisigen Abschnitt zwischen Weil der Stadt und Malmsheim verkehren. Allerdings sind dort heute schon im Berufsverkehr acht S-Bahnen pro Stunde unterwegs.

„Weitere offene Punkte gibt es beim Lärmschutz und der Zusicherung des Vorrangs der S 6 gegenüber der Hermann-Hesse-Bahn“, erklärt Bernhard. Denn wenn es im Zugverkehr zu Verspätungen komme, müsse die S-Bahn nach Stuttgart immer Vorfahrt gegenüber der Hesse-Bahn haben. „Diese Zusage muss zwischen dem Regionalverband, dem Landkreis Calw und der Deutschen Bahn eindeutig schriftlich geregelt werden“, fordert der Landrat.

Calw reagiert auf die Vorwürfe

Alle drei Punkte – also Stresstest, Lärmschutz und der Vorrang der S-Bahn – treiben auch Michael Stierle im Landratsamt Calw um, wo er die Abteilung Nahverkehr leitet. „Dass die S-Bahn Vorrang haben wird, haben wir schon vor einem Jahr in dem Stufenkonzept vereinbart, das auch der Kreis Böblingen unterschrieben hat“, sagt er auf Nachfrage. Dennoch gebe es derzeit nochmals Verhandlungen zwischen dem Kreis Calw und dem Verband Region Stuttgart, bei denen genaue Verspätungsszenarien diskutiert werden.

Mit Ergebnissen rechnet Michael Stierle in Kürze, ebenso wie mit den Resultaten des Stresstests. „Die Bahn simuliert im Moment das gesamte S-Bahn-Netz“, sagt er. „Diese Ergebnisse erwarten wir im Oktober.“ Erst dann mache es Sinn, die Hesse-Bahn mit einzuberechnen.

Beim Lärmschutz muss Stierle allerdings enttäuschen. „Die Strecke zwischen Renningen und Weil der Stadt ist eine bestehende Infrastruktur“, sagt er, „Lärmschutz müssen wir nur dort prüfen, wo neu gebaut wird.“ Das ist etwa im Renninger Bahnhof der Fall, wo für die Hesse-Bahn ein neuer Bahnsteig entsteht. „Hier prüft das Regierungspräsidium derzeit, ob Lärmschutz notwendig ist“, erklärt der Bahnexperte vom Calwer Landratsamt.

Die Hesse-Bahn von Calw nach Renningen soll im Dezember 2018 fertig sein. Dass sie auch Vorteile für die eigene Region bringen könne, darauf weist selbst Landrat Bernhard hin. „Da erwarten wir Kaufkraftgewinne für Böblingen und Sindelfingen und eine Entlastung vom Autoverkehr“, sagt er. „Diese Schienenanbindung muss aber den Bedürfnissen der Bürgerinnen und Bürger im Kreis Böblingen gebührend Rechnung tragen.“