Kreis Böblingen Für günstigen Wohnraum: Genossenschaft BürgerWohnen steht in den Startlöchern
Ziel ist es, mehr Sozialwohnungen im Kreis zu bauen. Mitglieder können alle Kommunen im Kreis Böblingen werden – unter einer zentralen Bedingung.
Ziel ist es, mehr Sozialwohnungen im Kreis zu bauen. Mitglieder können alle Kommunen im Kreis Böblingen werden – unter einer zentralen Bedingung.
Wohnraum im Kreis Böblingen ist rar, bezahlbarer Wohnraum erst recht. So geht beispielsweise das private Pestel-Institut, das deutschlandweit zum Thema Wohnen forscht, davon aus, dass im Kreis Böblingen bis zu 8500 Wohnungen fehlen.
Ein weiterer Indikator, dass der Wohnungsmarkt im Kreis angespannt ist: Seit diesem Jahr gilt nicht nur in Leonberg und Sindelfingen die Mietpreisbremse, sondern auch in Böblingen, Holzgerlingen und Steinenbronn. Und Mitarbeiter in der Wohnungs- und Obdachlosenhilfe beobachten, dass es immer länger dauert, bis ihre Klienten wieder eine Wohnung finden, die sie sich leisten können.
Um die Lage am Wohnungsmarkt zu entspannen und mehr Sozialwohnungen anzubieten wurde die Baugenossenschaft „BürgerWohnen Kreis Böblingen eG“ ins Leben gerufen. Sie steht kurz vor der offiziellen Gründung. Erklärtes Ziel der BürgerWohnen ist es, „die Bevölkerung des Landkreises Böblingen mit ausreichendem, hochwertigem und sozial gefördertem Wohnraum zu versorgen“. Ein Schwerpunkt soll beispielsweise auf seriellem und modularem Bauen liegen – und so einen günstigen Quadratmeterpreis ermöglichen.
Die Idee zu einer Baugenossenschaft geht auf Anträge der Kreistagsfraktionen der Freien Wähler, der Grünen, sowie von SPD und Linke zurück. Nach mehreren Arbeitsrunden, Beratungen in verschiedenen Gremien und Besichtigungsfahrten nach Mannheim und Nürnberg, um sich Bauvorbilder in anderen Städten anzuschauen, stimmte der Kreistag schließlich Mitte Dezember der Gründung der neuen Baugenossenschaft zu.
Mitglied in der Genossenschaft können nur der Landkreis und Kommunen aus dem Kreis Böblingen werden. Bislang besteht sie aus dem Landkreis sowie Herrenberg, Holzgerlingen und Rutesheim. Zentral für die Mitgliedschaft einer Gemeinde ist, dass sie ein Grundstück zur Verfügung stellt, auf dem günstige Wohnungen entstehen können. So hat Herrenberg beispielsweise ein Grundstück in der Kernstadt eingebracht und Holzgerlingen ein Grundstück in der Bahnhofstraße.
Die Flächen bleiben im Eigentum der Kommunen, werden aber über einen sogenannten Erbbaurechtsvertrag für 99 Jahre an die Genossenschaft verpachtet. Die Pläne der BürgerWohnen klingen ambitioniert: Bereits im dritten Quartal dieses Jahres sollen die ersten Bauprojekte starten. In Herrenberg ist laut Landratsamt aktuell ein Gebäude, in Holzgerlingen und Rutesheim sind demnach jeweils zwei Gebäude geplant.
In Summe handelt es sich demnach um 55 Ein- bis Vierzimmerwohnungen, die auf die drei Kommunen verteilt neu entstehen sollen. Die BürgerWohnen baut laut Landratsamt lediglich geförderten Wohnraum, die Wohnungen können also nur mit einem Wohnungsberechtigungsschein bezogen werden und bleiben aufgrund von Förderungsbedingungen für mindestens 40 Jahre Sozialwohnungen.
Nach einer Markterkundung im vergangenen Jahr geht der Landkreis davon aus, dass die Baukosten bei rund 3200 Euro pro Quadratmeter liegen. Ein Preis, der wohl deutlich unter dem üblichen Schnitt liegt. So geben zumindest Immobilienportale Durchschnittspreise von rund 4000 Euro pro Quadratmeter an. Offenbar setzen die Baufirmen, die sich zurückgemeldet haben, auf einen Domino-Effekt, also Folgeaufträge, über den Kreis hinaus.
Der Wirtschaftsplan der BürgerWohnen sieht vor, die Wohnungen anfangs für 9,50 Euro pro Quadratmeter zu vermieten, alle fünf Jahre soll die Miete um fünf Prozent steigen. Zum groben Vergleich: Das Immobilienportal Immoscout gibt für den Kreis Böblingen für das dritte Quartal 2025 einen durchschnittlichen Quadratmeterpreis von 12,66 Euro an.
Die Finanzierung der Bauprojekte der BürgerWohnen stützt sich hauptsächlich auf drei Säulen: Förderung durch die L-Bank, KfW-Kredite und eine Anschubfinanzierung durch den Kreis. Die Förderung und die Kredite müssen noch beantragt werden. Der Kreis steuert 2,4 Millionen Euro über die Haushaltsjahre 2026 und 2027 bei. Die Kommunen beteiligen sich mit jeweils 20 000 Euro.
Die hohe Investitionssumme des Kreises ist – angesichts der klammen Kassen – wohl einer der Gründe, weshalb das positive Abstimmungsergebnis über die BürgerWohnen im Endeffekt ziemlich knapp ausfiel. Den 33 Ja-Stimmen standen im Kreistag 27 Nein-Stimmen und acht Enthaltungen gegenüber. Außerdem scheint es Zweifel daran zu geben, ob die Quadratmeterpreise tatsächlich so niedrig bleiben, wie vorgestellt.
Zeigen wird sich das vermutlich spätestens nach der ersten Ausschreibung – sie soll am offiziellen Gründungstermin beschlossen werden. Ein fixes Datum gibt es für die Gründung noch nicht. Sie soll laut Landratsamt aber noch in diesem Frühjahr erfolgen.
Verwechslungsgefahr
Die neue Baugenossenschaft BürgerWohnen hat nichts mit der Kreisbaugenossenschaft Böblingen zu tun, die bereits seit 1919 existiert.
Mietpreisbremse
Seit Anfang 2026 gilt die Mietpreisbremse in fünf Kommunen im Kreis Böblingen. Eine Mietpreisbremse greift auf Verordnung des Landes dort, wo der Wohnungsmarkt angespannt ist. Der Mietpreis darf dann zu Beginn eines Mietverhältnisses die ortsübliche Vergleichsmiete höchstens um zehn Prozent übersteigen.