Kreis Böblingen Hesse-Bahn: Kreis will nicht dauerhaft zahlen

Von Florian Mader 

Trotz der Offerte aus Calw reagiert der Landrat zögernd auf möglichen Beitritt zum Zweckverband.

Ende 2018 soll die Hesse-Bahn von Calw nach Renningen rollen. Foto: privat
Ende 2018 soll die Hesse-Bahn von Calw nach Renningen rollen. Foto: privat

Kreis Böblingen - Um die Hermann-Hesse-Bahn zu bauen und später diese Schienenverbindung von Calw nach Renningen zu betreiben, soll ein Zweckverband zuständig sein. Sowohl der Calwer Kreistag als auch die Kommunen Calw, Althengstett und Ostelsheim haben der Gründung des „Zweckverbands Hermann-Hesse-Bahn“ mittlerweile zugestimmt. Dieser wird also zum 1. Januar 2017 seine Tätigkeit offiziell aufnehmen.

Mittlerweile liegt auch dem Landrat in Böblingen, Roland Bernhard, eine Anfrage aus Calw vor, ob nicht auch der Nachbarlandkreis dem Zweckverband beitreten wolle. „Bevor wir das entscheiden können, müssen wir zügig die offenen Fragen abarbeiten“, sagt Roland Bernhard. Dazu gehören vor allem der Stress-Test und der S-Bahn-Vorrang. „Wenn das beantwortet ist, können wir uns dann im nächsten Frühjahr Gedanken machen, ob wir dem Zweckverband beitreten“, erklärt der Landrat.

Kreis Calw übernimmt die Hälfte

In dem Zweckverband teilen sich dessen Mitglieder die anfallenden Baukosten: Der Kreis Calw übernimmt die Hälfte, die drei Kommunen die andere Hälfte – gestaffelt nach Einwohnerzahl. Wenn dann die Bahn Ende 2018 von Calw nach Renningen rollt, soll der Zweckverband weiter tätig sein, er bestellt nämlich den Verkehr bei einem privaten Bahnunternehmen.

„Eine dauerhafte betriebliche Förderung der Hesse-Bahn können wir uns aber nicht vorstellen“, sagt Roland Bernhard. „Allenfalls einen gedeckelten Einmalbetrag beim Bau der Infrastruktur.“ Insofern müsse man erörtern, inwieweit es überhaupt Sinn mache, dem Zweckverband beizutreten. Das müsse er aber erst mit dem zuständigen Gremium, dem Kreistag, besprechen, betont der Landrat.

Sein Calwer Kollege Helmut Riegger hatte immer wieder betont, wer bei dem Projekt Hesse-Bahn „mitreden will, der muss auch mitbezahlen“. Roland Bernhard sieht darin allerdings keine Aufforderung, dass eine finanzielle Beteiligung viel früher hätte erfolgen müssen, um wesentliche Weichen mitbestimmen zu können. „Die Offerte aus Calw kam ja erst jetzt“, sagt er.

Stresstest ist vor Weihnachten fertig

Unterdessen sind alle Beteiligten nach wie vor optimistisch, dass die offenen Fragen bald beantwortet sind. „Wir haben das Signal, dass der Stresstest noch in diesem Jahr vorliegen wird“, sagt Michael Stierle, der Hesse-Bahn-Planer beim Calwer Landratsamt. Mit dem Stresstest will die Behörde im Nordschwarzwald beweisen, dass ein Parallelbetrieb von Hesse-Bahn und S-Bahn zwischen Weil der Stadt und Renningen problemlos möglich ist.

Auch die „Dispositionsverträge“, in denen festgeschrieben wird, dass die S-Bahnen bei Verspätungen in jedem Fall Vorrang haben werden, wollen der Calwer Landrat und der Verband Region Stuttgart noch vor Weihnachten unterschreiben.