Kreis Böblingen Illegale Autorennen – Hier sind die Schwerpunkte im Kreis Böblingen
Die Polizei-Statistik zeigt: Immer mehr illegale Autorennen werden im Kreis Böblingen gefahren. Wo die Schwerpunkte sind.
Die Polizei-Statistik zeigt: Immer mehr illegale Autorennen werden im Kreis Böblingen gefahren. Wo die Schwerpunkte sind.
Zu lebenslanger Haft wurde der 33-jährige Mann verurteilt, der vor einem Jahr zwei junge Frauen bei einem illegalen Autorennen in Ludwigsburg tötete. Doch nicht nur im Kreis Ludwigsburg wird gerast, auch im Kreis Böblingen ist die Poser- und Tuning-Szene groß, auch wenn sich das natürlich nicht mit illegalen Rennen gleichsetzen lässt.
Eine Auswertung des Polizeipräsidiums Ludwigsburg zeigt, dass die Fälle seit 2020 deutlich gestiegen sind. Während damals neun Rennen im Kreis Böblingen angezeigt wurden, hat die Polizei bis zum 1. April dieses Jahres bereits acht Rennen registriert. Im vergangenen Jahr waren es laut der Polizeistatistik insgesamt 31 Fälle, dabei fanden in den Monaten Juli und August etwas mehr Rennen statt als im Frühjahr oder den Winter über.
Die meisten dieser Autorennen wurden in Böblingen (12), Leonberg (8) und Sindelfingen (7) gefahren, wie auch unsere Karte zeigt:
Während in Sindelfingen die Fälle im ganzen Stadtgebiet verstreut sind, tauchen in Böblingen zwei Straßen mehrmals auf: So so gab es mehrere Rennen in der Otto-Lilienthal-Straße (6) auf der Hulb und auf der nur wenige Hundert Meter entfernten Calwer Straße (3) am Flugfeld. Die Otto-Lilienthal-Straße führt am Marktkauf-Parkplatz vorbei, der als Treffpunkt für die Auto-Poser-Szene gilt.
„Nicht alle Poser oder Tuner fahren automatisch illegale Rennen.“
Steffen Grabenstein, Sprecher Polizeidirektion Ludwigsburg
Dabei muss man sich im Klaren sein, dass es auch deswegen zu vermehrten Anzeigen zwischen Calwer Straße und Otto-Lilienthal-Straße kam, eben weil „die Polizei öfter vor Ort ist und genauer hinschaut“, sagt Steffen Grabenstein von der Ludwigsburger Polizeidirektion. Die Polizei verwendet in solchen Fällen den Begriff der „Hol-Kriminaltät“; Fälle also, die nicht von Bürgern angezeigt, sondern von der Polizei ermittelt werden.
Weitere Details sind auf unserer Karte aus Böblingen ersichtlich.
Der Polizeipressesprecher Steffen Grabenstein betont nochmals, dass „die sogenannten Poser und Tuner nicht automatisch illegale Rennen fahren“, aber er könne auch nicht ausschließen, dass das eine oder andere Rennen vom großen Parkplatz vor dem Marktkauf auf der Böblinger Hulb ausging oder dort endete. Aber genaue Zahlen hat die Polizeidirektion dort noch nicht ausgewertet.
Was im Kreis Ludwigsburg wie im Kreis Böblingen gleichermaßen gilt: die meisten Raser sind junge Männer, die häufig Mercedes oder BMW fahren. Das liege auch daran, sagt Grabenstein, dass eben diese beiden Autoschmieden schon sehr sportliche Serienfahrzeuge haben, die man nicht groß umbauen muss, wenn man Gas geben will. Was vielleicht auch noch eine Rolle spielt, ist, dass der größte Mercedes-Tuner AMG seinen Sitz in der Gegend hat, nämlich in Affalterbach, im Kreis Ludwigsburg.
Schwerpunkte der Szene in Böblingen sind der Hofmeister Parkplatz, der Marktkauf-Parkplatz und der Parkplatz am Flugfeld, wobei letzterer für die Polizei besonders problematisch ist, weil dort direkt Anwohner durch den Motorenlärm gestört werden, was in den Industrie- und Gewerbegebieten eben nicht der Fall ist. Besonders in der Corona-Zeit traf sich die Szene am Flugfeld, was einmal einen größeren Polizei-Einsatz mit Räumung der Örtlichkeit nach sich zog.
Auch in Leonberg und Renningen haben an einer Straße jeweils zwei Rennen stattgefunden: Entlang der Gebersheimer Straße in Leonberg zwischen dem Stadtteil Gebersheim und der Innenstadt sowie auf der B295 zwischen Renningen und Warmbronn, die bei Leonberg in die K1009 übergeht.
Etwa zwei Drittel der illegalen Autorennen sind allerdings Wettrennen mit der Polizei, sogenannte Verfolgungsfahrten. Dabei versucht der Fahrer, einer Polizeikontrolle zu entkommen, wofür es natürlich mehrere und recht naheliegende Gründe gibt: Oft haben die Flüchtigen Alkohol getrunken, sind ohne Führerschein unterwegs oder wollen andere Straftaten vertuschen.
Bis auf fünf Fälle konnte die Polizei die Fahrer zur Verantwortung ziehen. „Das kann daher rühren, dass das Rennen zwar von einem Zeugen zur Anzeige gebracht wurde, aber keine fahrende Person ermittelt werden konnte“, erklärt der Polizeisprecher Grabenstein. Auch möglich sei, dass die Polizei ein flüchtiges Fahrzeug aus den Augen verloren habe oder aus Sicherheitsgründen eine Verfolgung abbrechen musste.
Eine gute Idee ist das allerdings nie. Bei diesen Fahrten werden nicht nur Geschwindigkeiten überschritten, sondern auch Verkehrsteilnehmer gefährdet, Rote Ampeln überfahren und somit eine Vielzahl von Straftaten ausgelöst, die den Flüchtenden meist viel teurer zu stehen kommen, als wenn er die Kontrolle über sich hätte ergehen lassen.
Tuning
Unter „Tuning“ versteht die Polizei die optische oder technische Veränderung an Fahrzeugen, um diese individueller oder sportlicher erscheinen zu lassen. Illegal sind Tuningmaßnahmen dann, wenn dadurch die Betriebserlaubnis von Fahrzeugen erlischt, die Verkehrssicherheit beeinträchtigt wird, Lärmemissionen die Grenzwerte überschreiten oder überhohe Schadstoffwerte die Umwelt belasten.
Posing
Sich mit Gleichgesinnten zu treffen und das eigene Fahrzeug zu präsentieren, ist grundsätzlich nicht zu beanstanden, betont ein Sprecher der Polizei. Wenn allerdings durch übertriebenes Beschleunigen, durchdrehende Reifen oder lautes Aufheulenlassen des Motors die Aufmerksamkeit anderer erregt werden soll, wird das als „Posing“ bezeichnet.