Kreis Böblingen Jugendliche nehmen aktiv an der Kommunalpolitik teil

Von Arnold Einholz 

Im Landkreis räumen die Städte und Gemeinden der jungen Generation viel Mitspracherecht ein.

Politik wird nicht nur in Berlin gemacht. Foto: pixabay
Politik wird nicht nur in Berlin gemacht. Foto: pixabay

Kreis Böblingen - Die Jugend in das gesellschaftliche Leben einzubinden und sie an Entscheidungen teilnehmen zu lassen, ihre Ideen und Anregungen zu berücksichtigen ist eine wichtige kommunale Aufgabe. Die Landeszentrale für politische Bildung hat nun ihre neue Studie zur kommunalen Kinder- und Jugendbeteiligung veröffentlicht und die bescheinigt dem Landkreis Böblingen die höchste Jugendbeteiligungsquote im Land.

In der landesweiten Studie werden vor allem drei Formen der Jugendbeteiligung beschrieben. Hierzu gehören die offenen Jugendbeteiligungsformen, die in der Regel Einzelveranstaltungen sind. Im Weiteren sind dies projektbezogene Beteiligungsformen mit einem klar umrissenen Thema und mit einer zeitlichen Begrenzung. Schließlich gibt es mit den Jugendgemeinderäten repräsentativ-parlamentarische Beteiligungsformen.

Jugendforum in Leonberg

In den Kommunen des Altkreises gibt es die unterschiedlichsten Beteiligungsformen. In Leonberg wird sie sowohl von der Stadt als auch von den freien Trägern der Jugendhilfe auf unterschiedlichen Ebenen und mit den verschiedensten Alters- und Zielgruppen gestaltet. So ist in den Kitas das Thema Partizipation als Qualitätselement in den Einrichtungshandbüchern konzeptionell festgelegt. Im Alltag werden beispielsweise in Treffpunktgruppen oder Kinder-Konferenzen die Themen und Anliegen der Kinder als Grundlage für die Projektarbeit im Kindergarten aufgegriffen. Bei der Spielplatzplanung werden vom Stadtjugendreferat ebenfalls Kinder und Jugendliche eingebunden. In der offenen Kinder- und Jugendarbeit der Jugendhäuser und Jugendcafés der freien Träger orientieren sich die Angebote grundsätzlich an den Wünschen und Bedürfnissen der Besucher.

Die in der Gemeindeordnung Baden-Württemberg verankerte Jugendbeteiligung ist in Leonberg 2015 unter dem Titel „mach mit hoch 3 – mitdenken, mitreden, mitgestalten“ in ein Konzept gefasst worden. Ein wichtiger Teil davon ist das jährlich im Frühjahr stattfindende Jugendforum, bei dem schwerpunktmäßig Jugendliche der 8. Klassen aller weiterführenden Schulen eingeladen werden und auch Ältere bis 21 Jahre teilnehmen können.

Jugendbeirat in Weil der Stadt

Aus dem Jugendforum gehen Projektgruppen hervor, die ihrerseits Sprecher in den seit 2018 konstituierten Jugendausschuss entsenden. Gewählte Vertreter des Jugendausschusses wiederum haben ein Antrags- und Anhörungsrecht im Sozial- und Kultusausschuss der Stadt Leonberg.

Auch in anderen Städten des Altkreises ist die Jugend über die unterschiedlichsten Formen der Partizipation am kommunalen Leben beteiligt. Durch die Bildung eines Jugendbeirats möchte etwa die Stadt Weil der Stadt junge Menschen stärker am kommunalpolitischen Geschehen beteiligen sowie ihr gesellschaftspolitisches Engagement und ihr Verantwortungsbewusstsein fördern. Der Jugendbeirat setzt sich aus je einem Vertreter der Gemeinderatsfraktionen, einer Fachkraft des Kinder- und Jugendbüros, der Leitung des städtischen Amts für Jugend und Soziales, einem Vertreter des Jugendhauses Kloster, einem Vertreter des Stadtjugendrings Weil der Stadt und acht gewählten Jugendvertretern zusammen.

Jugendrat in Renningen

In der Stadt Renningen gibt es bereits seit 2002 einen Jugendgemeinderat, der die Interessen der Jugend vertritt und ihre Anregungen im städtischen Gemeinderat vorbringt. In Rutesheim kommen Anregungen aus den Jugendforen, die beim Jugendreferat der Stadt angedockt sind.

In Weissach hat offene und projektbezogene Jugendbeteiligung Tradition. So hat seinerzeit hier eine Anhörung der Jugend stattgefunden, bei der in mehreren Workshops die Anregungen und Vorschläge der Jugendlichen abgefragt und diskutiert wurden. Ein Ergebnis daraus ist beispielsweise das neue Jugendhaus. Von den damals gegründeten Gruppen sind auch heute noch einige aktiv und treten für die Belange der örtlichen Jugend ein.

„Die Beteiligung der Kommunen im Landkreis Böblingen an der Studie war hervorragend“, freut sich Landrat Roland Bernhard. Von 26 Kommunen haben sich 25 beteiligt. In 22 Kommunen werden Jugendliche in unterschiedlichen Formen beteiligt. In 14 Kommunen ist die Beteiligung offen, in 16 Kommunen ist sie projektbezogen und in neun Kommunen hat sie eine repräsentativ-parlamentarische Form. In elf Kommunen werden neben Jugendlichen auch Kinder beteiligt. Es ist die dritte Studie dieser Art nach 2012 und 2015. Im Zeitraum von März bis April 2018 hatten die Kommunen Gelegenheit über einen Online-Fragebogen an der Studie der Landeszentrale teilzunehmen. Auf diesem Weg sind insgesamt 400 Fragebögen ausgefüllt und zurückgeschickt worden. Im Jahr 2018 wurden erstmals auch Daten zur Situation der Kinderbeteiligung in den Kommunen sowie zur digitalen Beteiligung erfasst.

Bürde oder Chance?

Die Jugendreferentin des Landkreises Böblingen, Beate Renninger, hat die Herausgeber der Studie im Januar ins Landratsamt eingeladen. Auf einem halbtägigen Fachtag wurden die Ergebnisse der Studie den Jugendreferenten der Kommunen vorgestellt. Da es viele Formate der Jugendbeteiligung gibt, bekamen diese die Möglichkeit, ihre Form der Jugendbeteiligung aus ihrer Kommune vorzustellen.

Die Frage, ob die Kommunen Jugendbeteiligung als Bürde oder Chance sehen, wurde in der Studie der Landeszentrale mit Hilfe einer Skala von 1 bis 5 abgefragt. Die teilnehmenden Kommunen aus dem Kreis sehen Jugendbeteiligung mit einem Durchschnittswert von 4,2 sehr deutlich als Chance für ihre Gemeinwesen.




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