Kreis Böblingen Manager kontrolliert Müllofenpersonal

Von  

Der Zweckverband Restmüllheizkraftwerk geht in die Offensive. Er will Kosten sparen und den Müllofen wirtschaftlicher betreiben, und hat einen Controller eingestellt. Indes klagt der ehemalige Abfallwirtschafts-Leiter gegen seinde Kündigung.

Für den Müllmeiler Foto: factum/Weise
Für den Müllmeiler Foto: factum/Weise

Kreis Böblingen - Der Zweckverband Restmüllheizkraftwerk geht in die Offensive. Er will Kosten sparen und den Müllofen wirtschaftlicher betreiben. Auch muss die im Jahr 1999 in Betrieb genommene Anlage in den nächsten Jahren modernisiert werden. Der Verband hat deshalb einen neuen Werkleiter für Finanzen und Verwaltung eingestellt. Zu den Aufgaben von Dirk Hausmann gehört auch das interne Controlling der Verwaltungsabläufe. Nach den Korruptionsfällen im Abfallwirtschaftsbetrieb wird auch im Restmüllheizkraftwerk ein dringender Handlungsbedarf dafür gesehen. Zurzeit ermittelt die Stuttgarter Staatsanwaltschaft nämlich noch gegen vier ehemalige Mitarbeiter des Abfallwirtschaftsbetriebs des Kreises wegen Betrugs und Untreue.

Der mutmaßlich in den Korruptionsfall verwickelte Leiter des Betriebshofes im Abfallwirtschaftsbetrieb habe vor rund vier Wochen vor dem Arbeitsgericht in Stuttgart gegen seine fristlose Entlassung geklagt, erklärt Wolf Eisenmann, der Geschäftsführer des Zweckverbands und Vize-Landrat. Das Gericht habe die Klage aber abgewiesen. Nun werde wohl das Landesarbeitsgericht eingeschaltet, so Eisenmann weiter. Dem ehemaligen Mitarbeiter und drei weiteren, ebenfalls im vergangenen Jahr gekündigten Beschäftigten wird vorgeworfen, fingierte Rechnungen für nicht bezogene Waren an Firmen ausgestellt und Gebühren von Abfallkunden in die eigene Tasche gesteckt zu haben. Der Schaden liegt bei rund 200 000 Euro. Laut der Staatsanwaltschaft Stuttgart werden die Ermittlungen frühestens im November abgeschlossen.

Entlassener Leiter klagt gegen Kündigung

Nach den Angaben Eisenmanns seien der Abfallwirtschaftsbetrieb und der Betriebshof des Müllmeilers aber verwaltungstechnisch zwei getrennte Bereiche. Im Abfallwirtschaftsbetrieb seien Kontrollmechanismen wie das Vier-Augen-Prinzip eingeführt worden, um künftig solchen Betrügereien vorzubeugen.

Ähnliche Maßnahmen des Controllings sollen nun auch im Zweckverband Restmüllheizkraftwerk greifen. Ein vom Verband in Auftrag gegebenes Gutachten hat Mängel in der Kommunikation aufgedeckt. So gebe es ein nur lückenhaftes Berichtswesen, eine verzögerte Rechnungsbearbeitung und auch die Kostenentwicklung werde nur unzulänglich dargestellt.

Um die Missstände zu beheben, hat der Zweckverband nun die neue Stelle geschaffen, die von einem kaufmännischen Werkleiter im Restmüllheizkraftwerk seit dem 15. Juli wahrgenommen wird. Der 47 Jahre alte Dirk Hausmann soll sich aber nicht nur um bessere interne Abläufe kümmern, sondern auch für mehr Wirtschaftlichkeit des Müllmeilers sorgen. Sein Arbeitsfeld sind auch Ausschreibungen und Auftragsvergaben.

Vier-Augen-Prinzip soll helfen

Dabei steht das Böblinger Heizkraftwerk laut Horst Fehrenbach vom Institut für Entsorgung und Umwelttechnik in Heidelberg „heute schon gut da und liegt bei der Effizienz im besseren Mittelfeld der deutschen Müllmeiler“. Doch gebe es noch Luft nach oben. Etwa durch eine modernere Turbinentechnik. Für Eisenmann kommt eine solche Investition momentan nicht in Frage: „Das muss sich rechnen.“ Dem Stuttgarter Kraftwerk im Übrigen gebührt laut Fehrenbach eine sehr gute Note: „Da geht nicht mehr.“ Während der Meiler in Göppingen doch eher im hinteren Mittelfeld rangiere.

Um den Böblinger Müllmeiler effektiver zu machen, soll ein Konzept für Instandhaltungen entwickelt werden. Zwar ist der Müllmeiler immer wieder modernisiert worden, doch ist die Anlage zu häufig wegen technischer Probleme oder Wartungsarbeiten ausgefallen. Die Müllmanager hatten bereits in den Vorjahren die Ausfallzeiten zu verringern versucht, sodass das Restmüllheizkraftwerk im Jahr 2010 mit 854 Fehlstunden immerhin 72 Stunden länger in Betrieb gewesen ist als im Vorjahr.