Kreis Böblingen Metzgereien suchen händeringend nach Nachwuchs

Daniela Schmid hat ihre Ausbildung mit Bestnoten abgeschlossen. Foto: Stefanie Schlecht

Daniela Schmid ist Fleischereifachverkäuferin und hat es in ihrer Ausbildung bis zur Landessiegerin geschafft.

Böblingen: Melissa Schaich (mel)

Daniela Schmid ist Fleischereifachverkäuferin. Die 22-Jährige aus Herrenberg hat sich einen Job ausgesucht, den heutzutage nicht mehr allzu viele Menschen wählen und es am Ende ihrer Ausbildung sogar bis zur Landessiegerin geschafft.

 

Anfangs hat auch ihr der Beruf wenig gesagt. Doch über einen Nebenjob nach dem Abitur bekam sie bei der Metzgerei Kegreiß in Gärtringen die Chance, hinter die Kulissen zu schauen und hat so ein Verständnis für die Arbeit bekommen, sodass sie eine Ausbildung anschloss. Ihrer Erfahrung nach haften viele Vorurteile an dem Beruf, die nicht gerechtfertigt sind.

In der Metzgerei Kegreiß fängt Daniela Schmid einen Nebenjob an

Nach ihrem Abitur hatte die mittlerweile 22-Jährige zunächst eine Ausbildung in der Hotelbranche angefangen. Schnell merkte sie allerdings, dass ihr die Arbeit nur wenig Spaß machte. Den Nebenjob in der Metzgerei Kegreiß in Gärtringen startete sie zunächst ohne große Ambitionen. Doch als sie merkte, dass sie gut ins Team passte und ihr Chef sie auf eine Ausbildung ansprach, zog sie den Beruf als Fleischereifachverkäuferin in Betracht und entschloss sich wenig später für eine Ausbildung. Zum ersten Mal wurde ihr damals bewusst, was alles dazu gehört, eine Fleischereifachverkäuferin zu sein. „Um den Beruf zu erlernen, muss man auch ziemlich gut kochen können“, sagt Daniela. Zum Glück kein Problem für die Herrenbergerin, die leidenschaftlich gern Essen zubereitet. Aber nicht nur kochen, sondern auch, wie Platten und Geschenkkörbe zusammengestellt werden, sind Teil der Ausbildung. Viele hätten die Vorstellung, dass sie den ganzen Tag nur Fleisch schneidet oder gar die Arbeit einer Metzgerin macht. Doch im Verkauf ist es vor allem der Kundenkontakt, worauf es ankommt und was ihr am meisten Freude bereitet – und dies war der Grund, weshalb sie sich für letztlich die Ausbildung entschied.

Verantwortungsvoller Fleischkonsum ist ihr wichtig

Freunde und Bekannte reagieren manchmal mit Unverständnis, wenn sie auf ihre Ausbildung als Fleischereifachverkäuferin zu sprechen kommt. Wie kann man in Zeiten des Vegetarismus einen solchen Weg einschlagen? Doch die 22-Jährige sagt: „Durch meine Ausbildung konsumiere ich Fleisch bewusster und weniger als vorher.“ Dass die Aufzucht und Schlachtung von Tieren aufwendig ist, viel Expertise benötigt und deshalb auch kein billiges Schnäppchen sein sollte, davon ist sie überzeugt.

„In der Berufsschule wurde uns viel über Respekt vor Tieren und verantwortungsvoller Fleischkonsum beigebracht“, erzählt sie. Ein Stück Fleisch ist ihrer Ansicht nach etwas Besonderes und sollte auch als solches wahrgenommen werden. „Schließlich ist dafür ein Tier gestorben“, sagt sie. Nicht nur in der Ausbildung hat sie gerne gekocht, auch privat bereitet sie sich gerne Gerichte zu. Am häufigsten kocht sie vegetarisch: „Ich mache Pastagerichte oder Aufläufe“, erzählt sie.

Auch während ihrer Abschlussprüfung musste Daniela Schmid ein Gericht zubereiten – dann natürlich etwas mit Fleisch. Während der mehrstündigen Prüfung musste sie außerdem Verkaufsgespräche führen sowie einen Geschenkkorb und eine Schinkenplatte vorbereiten. All das will gelernt sein, denn es gehört einiges dazu, Essen nett drapiert auf einer Platte zu präsentieren: Alles muss akkurat geschichtet und gefaltet sein, verschiedene Legetechniken werden angewandt, auf Farbkontraste geachtet und Garnituren ausgewählt.

Leute laden Frust über Schließung des Schlachthofs auf Metzgereien ab

Ihr Job macht ihr Spaß, sie bereut es nicht, dass sie Teil einer Branche ist, die es nicht immer leicht hat: Als im September 2020 der Gärtringer Schlachthof wegen schweren Verstößen gegen das Tierwohl schließen musste, bekam sie den Frust der Kunden mit aller Wucht ab. „Das war für eine gewisse Zeit wirklich furchtbar“, erzählt Daniela Schmid. Für die Landwirte, von denen die Metzgerei ihre Schweine bezieht, hat die Schließung weitreichende Folgen: Die Tiere müssen seither jede Woche nach Göppingen gefahren werden, weiß die Fleischereifachverkäuferin.

Matthias Scherer, stellvertretender Obermeister der Böblinger Fleischer-Innung, erlebt am eigenen Leib, was der Fachkräftemangel in seiner Branche für Folgen nach sich ziehen kann: In seiner Metzgerei in Renningen musste er Öffnungszeiten einschränken, weil an allen Ecken und Enden Personal fehlt. „Ich könnte bestimmt das anderthalbfache an Umsatz machen, wenn ich genügend Leute hätte“, sagt er. Metzgereien hätten zwar gute Kundschaft, doch mit Lockangeboten wie in Supermärkten könnten die Betriebe nicht mithalten, was ihnen den ein oder anderen Kunden kostet. Ein Blick in die Zukunft sieht nicht gerade rosig aus: „Wenn die Älteren aufhören und niemand nachrückt, wird es in Zukunft immer weniger Fachgeschäfte geben“, sagt Matthias Scherer voraus.

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