Kreis Böblingen Mit einem Trick angelockt: Wildkatze hinterlässt erneut Spur im Schönbuch

, aktualisiert am 27.04.2026 - 11:00 Uhr
Wildkatzen sind scheu und selten in Deutschlands Wäldern. Foto: dpa

Die scheuen Tiere sind schwer nachzuweisen. Vergangenes Jahr gelang es und auch dieses Frühjahr taucht auf Wildtierkameras wieder eine Katze auf.

Böblingen: Anke Kumbier (ank)

Vor einem Jahr gelang der genetische Nachweis einer Wildkatze im Schönbuch. Eine kleine Sensation. Der Wildtierbeauftragte im Kreis Böblingen, Andreas Hank, sprach damals von einem „seltenen Treffer“. Denn die streng geschützten Tiere sind nur schwer zu dokumentieren und sehr scheu.

 

So überrascht es wohl nicht, dass von der Wildkatze in den vergangenen Monaten jede Spur fehlte – bis zum Februar dieses Jahres. Stefanie Knorpp ist Försterin im Herrenberger Stadtwald, in dem die Wildkatze im vergangenen Jahr aufgetaucht ist. Knorpp kümmert sich um das sogenannte Monitoring der Wildkatze, also deren systematische Beobachtung.

Den Lockstöcken konnte die Wildkatze auch dieses Jahr nicht widerstehen. Ob es sich um dasselbe Tier wie im vorigen Jahr handelt, wird sich zeigen. Foto: Manuel Scheible

Baldrian soll Wildkatze im Schönbuch anlocken

Dafür muss sie herausfinden, ob das Tier überhaupt noch da ist. Der Bereich, in dem die Katze entdeckt worden ist, liegt an einem sogenannten Wildtierkorridor von internationaler Bedeutung. Einem Weg, den Wildtiere über weite Strecken hinweg entlang wandern. Es könnte also sein, dass die Wildkatze vergangenes Jahr nur einen Zwischenstopp eingelegt hat.

„Die Katzen sind unglaublich versteckt lebende Tiere und nur schwer zu sehen“, sagt Knorpp. Die größte Chance, sie zu Gesicht zu bekommen, sei während der Paarungszeit, fachsprachlich Ranzzeit genannt, von Januar bis April. „Dann werden sie aktiver und kommen aus ihren Verstecken raus.“

Wildkatze hinterlässt DNA-Spuren an Lobstöcken

Im Januar hat Knorpp insgesamt acht sogenannte Lockstöcke im Herrenberger Stadtwald verteilt. Das sind mit Baldrian eingeriebene Pfosten, die die Katze anlocken sollen. Im Idealfall reibt sie sich daran und hinterlässt DNA-Material. Und so, wie diese Methode im vergangenen Jahr funktioniert hat, klappte es auch jetzt wieder. Zunächst tauchte sie nur auf Aufnahmen von Wildtierkameras auf, später inspizierte sie die Lockstöcke näher, sodass Haare von ihr hängen blieben.

Diese Haare schickt Knorpp an die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg in Freiburg, die alle Proben von Wildkatzen in ganz Baden-Württemberg sammelt und analysieren lässt. Erst wenn das Ergebnis vorliegt, wird sich herausstellen, ob es sich überhaupt um die gleiche Katze wie im vergangenen Jahr handelt. Sie wurde damals auf den Namen „Manu“ getauft, nach Manuel Scheible. Der Jäger war der erste, der sie auf einer Wildtierkamera entdeckt hatte.

Hier nähert sich die Wildkatze im Frühjahr 2025 dem Lockstock. Foto: Manuel Scheible

Handelt es sich im Schönbuch um dieselbe Wildkatze?

Bis der erneute genetische Nachweis vorliegt, bleibt unklar, wer dieses Jahr auf den Aufnahmen zu sehen ist. Manu, eine andere Wildkatze, sogar verschiedene Wildkatzen oder ein Hybrid, also eine Mischung aus Wild- und Hauskatze, der nur wie eine Wildkatze aussieht? Knorpp zeigt sich hoffnungsvoll. „Es könnte schon dieselbe sein“, vermutet sie. Aber sie sei auf jeden Fall extrem gespannt, was bei den Analysen herauskomme.

Mit Manu gelang im vergangenen Jahr der erste gesicherte Nachweis einer Wildkatze im Schönbuch in der jüngeren Vergangenheit. Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass es noch weitere gibt. Zwar sei ein groß angelegtes Monitoring in Schönbuch und Rammert vor mehr als zehn Jahren ohne Ergebnis geblieben, sagt Knorpp. Doch vor zwei Jahren gelang im Staatswald bei Bebenhausen ein Fotonachweis mit einer Wildtierkamera. Dort fehlten aber Proben und der endgültige Beweis stehe deshalb noch aus.

Wildkatze im Schönbuch: Monitoring geht weiter

Um die Entwicklung einer möglichen Wildkatzenpopulation im Schönbuch im Blick zu behalten, will Knorpp das Monitoring im Herrenberger Stadtwald im nächsten Frühjahr fortsetzen. Hildrizhausen, als benachbarter Waldeigentümer, habe für das kommende Jahr ebenfalls Interesse angemeldet. Und im Staatswald, der an den Herrenberger Stadtwald angrenzt, stünden bereits dieses Frühjahr Lockstöcke.

Grundsätzlich biete der Schönbuch alles, was Wildkatzen brauchen – abgeschiedene Bereiche und einen „strukturreichen“ Wald, mit Klingen, Mulden, Freiflächen und Gewässern – damit sie Nahrung wie Mäuse und Amphibien finden. „Wir haben alles da und müssen nichts künstlich anlegen“, betont Knorpp.

Als wichtigstes Instrument für den Schutz der Tiere nennt die Försterin Katzenschutzverordnungen. „Damit sich Wildkatzen nicht mit Hauskatzen paaren.“ Solche Verordnungen enthalten in der Regel Vorschriften zur Kastration und Registration von Freigänger-Katzen. Mehrere Kommunen im Kreis Böblingen haben im vergangenen Jahr Katzenschutzverordnungen erlassen, darunter Böblingen, Herrenberg und Hildrizhausen. Knorpp hofft, dass noch weitere Kommunen im Schönbuch folgen.

Wildkatzen in Baden-Württemberg

Zurückgekehrt
Die Wildkatze galt in Baden-Württemberg lange als ausgestorben. Gesichert wiederentdeckt wurde sie laut Homepage der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) in Baden-Württemberg durch zwei Totfunde 2006 und 2007. Seither wird versucht, über Monitoring den Bestand und die Verbreitung der streng geschützten Tierart im Ländle nachzuvollziehen.

Vorkommen
Das Monitoring spricht laut FVA für eine Ausbreitung der Wildkatze. Gesicherte Vorkommen gibt es demnach in der Rheinebene, im Schwarzwald, auf der Ostalb, am Stromberg und eben möglicherweise jetzt auch im Schönbuch.

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