Kreis Böblingen Weiterhin kein Frauenhaus in Sicht

Wenn ein Mann zuschlägt, hat das oft schlimme Folgen für die Opfer:  Frauen  und Kinder erleiden nicht nur körperliche, sondern auch seelische Verletzungen. Foto: Gottfried Stoppel
Wenn ein Mann zuschlägt, hat das oft schlimme Folgen für die Opfer: Frauen und Kinder erleiden nicht nur körperliche, sondern auch seelische Verletzungen. Foto: Gottfried Stoppel

Der Trägerverein sucht schon seit Jahren nach einem geeigneten Gebäude. Das Beratungsangebot für Opfer häuslicher Gewalt soll ausgebaut werden – wenn der Kreis dies finanziert.

Böblingen: Gerlinde Wicke-Naber (wi)
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Böblingen - Als vor viereinhalb Jahren das Frauenhaus im Landkreis Böblingen – eines der ältesten im Land – geschlossen wurde, war der Aufschrei groß. Und es hieß: „Das ist nur vorübergehend. Wir arbeiten an einem Konzept für eine neue, kleinere Einrichtung.“ So hatten es damals der Trägerverein Frauen helfen Frauen und die Kreisverwaltung gemeinsam beschlossen. Fast fünf Jahre sind seither vergangenen, doch ein neues Frauenhaus ist immer noch nicht in Sicht.

„Wir sind nach wie vor auf der Suche nach einem geeigneten Gebäude“, sagt Karin Kellermann-Körber, die Vorsitzende des Vereins. Die Anforderungen an eine solche Immobilie sind hoch: Es sollte mehrere Schlafzimmer und Bäder haben, eine große Küche sowie einen Raum, der sich als Kinderspielzimmer eignet. Und vor allem muss es finanzierbar sein. Die drohende Pleite des Trägervereins, der befürchtete, bei zurückgehenden Belegungszahlen die Personalkosten nicht mehr bezahlen zu können, war im September 2011 der Grund für die Schließung des alten, zu groß gewordenen Frauenhauses gewesen.

Die Vereinsfrauen haben in den vergangenen Jahren schon einiges versucht: Wohnungsannoncen aufgegeben, die Wohnungsbaugesellschaften im Landkreis abgeklappert – allerdings ergebnislos. „Im Moment haben wir die Haussuche etwas hinten angestellt. Denn alle verfügbaren Immobilien werden momentan für Flüchtlinge gebraucht“, sagt Kellermann-Körber. Ähnlich äußert sich Alfred Schmid, der Sozialdezernent des Kreises, der dem Frauenverein Hilfe bei der Suche nach einer geeigneten Immobilie zugesagt hatte. „Die Gebäudewirtschaft des Kreises ist voll ausgelastet mit der Unterbringung von Flüchtlingen“, lässt Schmid durch den Pressesprecher Dusan Minic ausrichten.

Ausweiten will der Verein Frauen helfen Frauen deshalb sein Beratungsangebot für Opfer häuslicher Gewalt. Im Oktober 2013 hatte er eine 25-Prozent-Stelle geschaffen. Die Diplom-Pädagogin Karin Zimmermann, die diese Stelle inne hat, ist gut ausgelastet. Im vergangenen Jahr betreute sie 146 Frauen. Im Jahr zuvor waren es nur 105 Klientinnen gewesen. Erstaunlich groß sei die Zahl der neuen Fälle, heißt es in dem Bericht von Karin Zimmermann. 104 Frauen klopften im vergangenen Jahr zum ersten Mal bei ihr an.

25-Prozent-Stelle wird auf 75 Prozent aufgestockt

Da dafür die Kapazität der Sozialpädagogin nicht mehr ausreicht, will der Verein eine weitere 50-Prozent-Stelle für Opfer häuslicher Gewalt schaffen. Dabei hofft er auf die finanzielle Unterstützung des Kreises. „Wir haben aber noch nicht das Okay des Kreistags“, sagt Kellermann-Körber. Im Moment fördert die Kreisverwaltung die Beratungsstelle mit 15 000 Euro pro Jahr.

Angegliedert ist die Stelle von Karin Zimmermann bei der Beratungsstelle Thamar gegen sexuelle Gewalt, die der Verein Frauen helfen Frauen ebenfalls trägt und für die die Diplom-Pädagogin Zimmermann auch arbeitet. So ist sie an fünf Tagen in der Woche erreichbar und kann flexibel Termine vergeben. Der gemeinsame Notruf (0 70 31/22 20 66) mit Thamar ist auch nachts und am Wochenende erreichbar.

Zurückgegangen ist die Zahl der Frauen, die der Verein an Frauenhäuser in der Umgebung vermittelt. Nur 15 Frauen waren es im vergangenen Jahr. „Da wir aber keine eigene Schutzeinrichtung mehr haben, landen auch nicht mehr alle Fälle bei uns. Die Polizei vermittelt auch direkt an Häuser in der Region“, sagt Karin Kellermann-Körber.

Vielleicht liegt es aber auch daran, dass mittlerweile bei häuslicher Gewalt nicht mehr die Frauen das Haus verlassen müssen, sondern häufig die Männer einen Platzverweis von der Polizei erhalten. Trotzdem brauche man ein Frauenhaus, ist Kellermann-Körber überzeugt.




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