Kreis Esslingen Beim Verkehr lief es nicht überall rund in diesem Jahr

Die Erhöhung der Parkgebühren zählte 2022 zu den Aufregern in Esslingen. Foto: Ines Rudel (Archiv)

Das gewünschte Tempolimit auf der B 10 wurde ausgebremst, bei der Vorzugstrasse für den Radschnellweg drehte man weitere Runden, und die Verlängerung der S 2 bis nach Neuhausen lässt noch länger auf sich warten.

Beim Thema Verkehr lief es nicht überall rund in diesem Jahr: Das gewünschte Tempolimit auf der B 10 wurde ausgebremst, bei der Vorzugstrasse für den Radschnellweg drehte man weitere Runden, und die Verlängerung der S 2 bis nach Neuhausen lässt jetzt noch länger auf sich warten. Unterdessen ging es bei den Esslinger Brücken voran – und bei den Parkgebühren nach oben.

 

B 10 Der Wunsch ist schon seit Jahren groß, dennoch hat es auch in diesem Jahr nicht geklappt mit der Temporeduzierung auf der B 10 vom Plochinger Dreieck bis nach Ebersbach. Und das, obwohl sich die drei Rathauschefs von Plochingen, Reichenbach und Ebersbach Anfang des Jahres zu einer Aktionsgemeinschaft zusammengetan haben, um ein einheitliches Tempolimit von 80 Stundenkilometern zu fordern. Doch der von den Bürgermeistern beklagte Verkehrslärm durch die auf ihrer Gemarkung erlaubte Geschwindigkeit von bis zu 120 Stundenkilometern erreicht nicht die formalen Schwellenwerte, die überschritten werden müssen, damit eine Tempodrosselung in Angriff genommen werden kann. Unterdessen konnten dank ausgefeilter Technik ungewollte Wartezeiten auf der B 10 während der Sanierung der rund 220 Meter langen Filsbrücke zwischen Plochinger Dreieck und Reichenbacher Querspange verhindert werden. Und zwar, indem eine Wechselspur eingerichtet wurde, die je nach erwartetem Verkehrsaufkommen zwei Mal am Tag ihre Richtung wechselte.

Radschnellweg Weniger dynamisch ist es bei der Trassenfindung für den Radschnellweg zwischen Reichenbach und Stuttgart zugegangen. Vor allem in Plochingen und Esslingen lief es nicht gerade rund. Nachdem man sich in Esslingen Ende des vergangenen Jahres auf eine Strecke südlich des Neckars für den Bereich zwischen Deizisau und Alicensteg geeinigt hatte, stand in diesem Jahr die Weiterführung bis nach Stuttgart auf dem Plan. Diese hatten die Planer bislang eigentlich am Nordufer des Neckars verortet. Doch jüngst wurde von einer Arbeitsgruppe überraschend eine Streckenführung südlich des Neckars empfohlen. Die eigentlich für Ende November anvisierte Entscheidung darüber wurde allerdings auf Februar vertagt. Auch in Plochingen hakte es: Die von den Planern des Landes favorisierte Strecke durch die Streuobstwiesen des Landschaftsparks Bruckenwasen ist für den örtlichen Gemeinderat tabu. Deshalb hat die Stadt eine Alternativroute vorgeschlagen – inwiefern diese vom Regierungspräsidium berücksichtigt wird, ist aber noch unklar.

Brücken Wer oft zwischen den Esslinger Stadtteilen Mettingen und Weil oder Brühl unterwegs ist, dürfte angesichts der andauernden Bauarbeiten an der Hanns-Martin-Schleyer-Brücke ein weiteres Jahr der Umleitungen und Umwege hinter sich haben. Nachdem Ende 2021 der Rückbau der maroden Neckarquerung abgeschlossen worden war, ist Anfang diesen Jahres mit dem Neubau begonnen worden. Wenn das Mammutprojekt mit einem Kostenvolumen von rund 27 Millionen Euro weiter im Zeitplan bleibt, könnte die neue Brücke nach zweieinhalb Jahren Bauzeit im Sommer 2023 wieder freigegeben werden. Wie an der Schleyer-Brücke hatte auch an der Esslinger Pulverwiesenbrücke der Zahn der Zeit genagt: Wegen starker Risse im Spannbeton war die Zufahrt zum Landratsamt 2019 gesperrt und durch ein Provisorium ersetzt worden. Dieses ist nun im Frühjahr obsolet geworden, als die für rund 2,6 Millionen Euro neu gebaute Pulverwiesenbrücke offiziell geöffnet wurde. Doch auch damit ist das Thema Brückensanierungen noch längst nicht erledigt in Esslingen: Im Oktober stellte die Stadtverwaltung die verschiedenen Optionen zur Ertüchtigung der Adenauerbrücke vor, für die unter Umständen ein dreistelliger Millionenbetrag einkalkuliert werden muss.

Schienenverkehr Weiterhin gedulden muss man sich auch in Neuhausen: Die Verlängerung der S-Bahn-Linie S2 bis in die Filderkommune verzögert sich wohl weiter. Ursprünglich hätte die Bahn schon 2019 bis Neuhausen fahren sollen, zuletzt war man von einer Fertigstellung im Jahr 2027 ausgegangen – jetzt wird 2028 anvisiert. Dafür konnte jüngst ein anderes Mammutprojekt abgeschlossen werden: Mitte Dezember ist nach zehn Jahren Bauzeit die für das Bahnprojekt Stuttgart 21 sehr bedeutsame neue ICE-Strecke zwischen Wendlingen und Ulm offiziell in Betrieb genommen worden.

Parken Für viel Unmut hat in diesem Jahr die Erhöhung der Parkgebühren in Esslingen gesorgt. In einem ersten Schritt stiegen im Juli die Gebühren für Anwohnerparkausweise von 30 auf 150 Euro im Jahr. Im November folgte der nächste Schritt: Der Gemeinderat einigte sich auf eine Erhöhung des Tarifs um einen Euro pro Stunde für das Parken auf öffentlichen Stellplätzen ab März 2023. Während das Anwohnerparken auch in Wernau wohl erheblich verteuert werden soll, zeigte man sich in Aichtal zumindest in der Adventszeit versöhnlich: Parksünder wurden hier nur mit einer Verwarnung, nicht aber mit einem Bußgeld belegt.

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