Kreis Esslingen Diese Städte haben bei der Wärmewende die Nase vorn

Die größte Biomasse-Anlage der Stadtwerke Esslingen ist das Holzheizkraftwerk im Scharnhauser Park. Foto: /Ines Rudel

Zwei Große Kreisstädte im Kreis Esslingen haben ihre kommunalen Wärmepläne bereits fertig. Auch sieben kleinere Kommunen erstellen derzeit gemeinsam ein solches Konzept. Welche das sind – und was es für die Einwohner bedeutet.

Reporterin: Elisabeth Maier (eli)

Kirchheim und Ostfildern haben ihre kommunale Wärmeplanung abgeschlossen. In Baden-Württemberg sind die Großen Kreisstädte verpflichtet, bis zum 31. Dezember 2023 bei den Regierungspräsidien derartige Konzepte vorzulegen. Die Stadt Esslingen hat ihren Plan ebenfalls auf den Weg gebracht. Und auch kleinere Kommunen im Landkreis leisten ihren Beitrag zur Wärmewende. Wendlingen, Wernau, Deizisau, Köngen, Plochingen, Oberboihingen und Unterensingen tun sich zusammen. Sie erstellen einen interkommunalen Wärmeplan.

 

Nach dem aktuellem Entwurfsstand des Bundesgesetzes für die kommunale Wärmeplanung besteht auch für Kommunen ab 10 000 Einwohnern eine Verpflichtung, bis Ende 2028 eine kommunale Wärmeplanung zu erstellen. Damit werden Kommunen angehalten, große Datenmengen zu erheben. Das Gesetz soll voraussichtlich im Herbst vom Bundestag verabschiedet werden.

Interkommunale Zusammenarbeit

Unabhängig davon packen die sieben Kommunen unter Federführung von Wendlingen bereits jetzt die interkommunale Wärmeplanung an. „Ich wünschte, die Daten lägen mir jetzt schon vor, um die Wärmewende auf kommunaler Ebene zügig voranzubringen“, sagt Wendlingens Klimaschutzmanager Sem Schade. Obwohl das Land Baden-Württemberg derzeit nur Städte ab 20 000 Einwohnern verpflichtet, entsprechende Konzepte vorzulegen, ist Schade überzeugt, „dass davon alle Seiten profitieren“. Er freut sich, dass die Nachbargemeinden beim Klimaschutz an einem Strang ziehen, „denn das schafft Synergien“. Da die Erstellung der Wärmepläne für alle Städte und Gemeinden vom Land gefördert werde, lohne sich das auf jeden Fall. Der gemeinsame Plan soll im Lauf des Jahres 2024 aufgestellt werden und spätestens bis Ende 2025 vorliegen.

Auf einem guten Weg zur interkommunalen Wärmeplanung sind die Fildergemeinden Denkendorf und Neuhausen. Die Kommunen haben einen Kooperationsvertrag unterschrieben, um gemeinsam eine Stelle für das Klimaschutzmanagement zu schaffen. Die Stadt Filderstadt arbeitet ebenfalls am kommunalen Wärmeplan und gab im Gemeinderat kürzlich einen Zwischenbericht.

Kirchheim plant einen Stromnetzcheck

Bereits fertig mit der kommunalen Wärmeplanung ist die Stadt Kirchheim. „Für Heizung und Warmwasser wird ungefähr die Hälfte der Energie in Kirchheim eingesetzt und es entstehen dabei mehr als ein Drittel der CO2-Emissionen“, sagt die Klimaschutzmanagerin Beate Arman. Mit der kommunalen Wärmeplanung wird nach ihren Worten „das Ziel verfolgt, die Wärmeversorgung bis zum Jahr 2040 klimaneutral zu gestalten“. Der Gemeinderat hat den ersten Plan am 17. Mai verabschiedet. Nun werden die konkreten Schritte umgesetzt. Dazu gehören ein Stromnetzcheck sowie Machbarkeitsstudien für Wärmenetze in den Wohngebieten Innenstadt, Hegel- und Steingaustraße, Nabern und Schafhof. Wichtig ist es Arman und ihrem Team, die Menschen umfassend über Einsparpotenziale, energetische Sanierung und den Ausbau von Photovoltaik zu informieren.

Auch in Ostfildern ist die Planungsphase bereits abgeschlossen. Im Ausschuss für Technik und Umwelt stellte Tobias Nusser vom Büro EGS Plan jüngst die Ergebnisse vor. Der Gemeinderat wird am 26. Juli über die Strategie für die Wärmewende entscheiden. „Zur Umsetzung der nächsten Schritte werden wir eine zusätzliche Stelle brauchen“, sagte die Baubürgermeisterin Monika Bader in der Sitzung des Ausschusses. Für die Schaffung einer solchen Projektstelle habe man die Möglichkeit, Fördergelder zu beantragen. „Das Ziel ist die klimaneutrale Wärmeversorgung“, brachte Nusser die Bedeutung des Planwerks auf den Punkt.

Erneuerbare Energien optimal einsetzen

In der Großen Kreisstadt Ostfildern mit 40 000 Einwohnern sind rund 13 000 Gebäude analysiert worden. „Wohnnutzung ist in der Kommune dominierend“, berichtete Nusser. Auf der Basis dieser Daten gehe es nun darum, herauszufinden, wie erneuerbare Energien möglichst gut genutzt werden können. „80 Prozent der Wärme werden zurzeit in Ostfildern aus fossilen Energieträgern gewonnen. Davon müssen wir dringend weg.“ Neben der Wärmepumpentechnologie, die aus Nusser Sicht zu mehr als 50 Prozent möglich ist, könnten Biomasse oder sogenannte „grüne Gase“ zum Einsatz kommen, „speziell da, wo es keine Alternativen gibt“. Welche Wärmenetze in den Stadtteilen möglich sind, wolle man der Bürgerschaft klar kommunizieren.

Unverzichtbar findet es der Umweltingenieur außerdem, die Beratungsangebote noch intensiver an die Bürgerinnen und Bürger heranzutragen. Denn aus seiner Sicht setzt sich die Wärmewende aus vielen Bausteinen zusammen. „Energieversorger sind wichtige Akteure, was die Vermittlung angeht“, sagte der Experte im Gemeinderat.

Kommunale Wärmeplanung

Routenplaner
 Ein kommunaler Wärmeplan bildet die Grundlage, um eine klimaneutrale Wärmeversorgung zu erreichen. Mit Hilfe dieses Fahrplans sollen die Kommunen Entscheidungen treffen. Genauso soll er alle anderen lokalen Akteure und Privatnutzer bei individuellen Investitionsentscheidungen unterstützen. Erneuerbare Energie
 Auch künftig wird sehr viel Energie für Raumwärme, Warmwasser und Prozesswärme eingesetzt. Diese soll nach und nach möglichst vollständig aus unterschiedlichen Quellen erneuerbarer Energien und Abwärme abgedeckt werden, um den Gebäudebestand klimaneutral zu machen.

Verpflichtend
 Mit dem Klimaschutz- und Klimawandelanpassungsgesetz gibt das Land Baden-Württemberg allen Gemeinden die Chance, einen kommunalen Wärmeplan zu erstellen und fortzuschreiben. Die Großen Kreisstädte müssen den Regierungspräsidien bis zum 31. Dezember 2023 Wärmepläne vorlegen.

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