Kreis Esslingen Drei Wahlkreise und ein Sonderfall – Was man zur Landtagswahl wissen sollte
Zur Landtagswahl am 8. März sind im Kreis Esslingen mehr als 360 000 Menschen aufgerufen, ihre Stimme abzugeben.
Zur Landtagswahl am 8. März sind im Kreis Esslingen mehr als 360 000 Menschen aufgerufen, ihre Stimme abzugeben.
Die heiße Phase der Landtagswahl am 8. März hat begonnen – erkennbar ist das nicht nur an den vielen Plakaten am Straßenrand, sondern auch an amtlicher Post im Briefkasten: Mehr als 360 000 Wahlberechtigte im Landkreis Esslingen erhalten in diesen Tagen ihre Wahlbenachrichtigung. Welche Kandidaten die Parteien in den drei Wahlkreisen ins Rennen schicken und was man sonst noch zur Landtagswahl wissen sollte – ein Überblick.
Wie in fast allen deutschen Bundesländern wird auch in Baden-Württemberg alle fünf Jahre ein neuer Landtag gewählt. 2026 ist es turnusgemäß wieder soweit. Zum Urnengang aufgerufen sind so viele Menschen wie noch nie seit der ersten Wahl 1952. Das Statistische Landesamt erwartet gut 7,7 Millionen Wahlberechtigte, darunter 650 000 Erstwähler. Erstmals dürfen auch 16- und 17-Jährige mitbestimmen, wer ins Parlament einzieht. Aktuell gehören dem baden-württembergischen Landtag 154 Abgeordnete an.
Und noch eine Änderung tritt in Kraft: Es gibt jetzt zwei Stimmen, ähnlich wie bei der Bundestagswahl. Die Erststimme entscheidet darüber, welche Person einen der insgesamt 70 Wahlkreise direkt gewinnt. Mit der Zweitstimme wird eine Partei gewählt. Diese stellt dafür eine Landesliste mit Kandidaten auf. Bislang konnten die Wähler nur eine Stimme vergeben, die sowohl für die Person als auch für die proportionale Sitzverteilung galt. Entscheidend für die Stärke der Parteien im Landtag ist nun die Zweitstimme. Stehen einer Partei nach dem Zweitstimmenergebnis mehr Sitze zu, als sie Direktmandate gewonnen hat, werden diese über die Landeslisten aufgefüllt.
Der Wahlkreis Esslingen umfasst die Kommunen Aichwald, Denkendorf, Esslingen, Neuhausen, Ostfildern und Wolfschlugen. Bei der letzten Landtagswahl 2021 waren mehr als 111 000 Bürgerinnen und Bürger wahlberechtigt, die Wahlbeteiligung lag bei 66,9 Prozent. Die meisten Stimmen mit einem Anteil von 35,7 Prozent erhielt die Grünen-Politikerin Andrea Lindlohr. Die 50-jährige Staatssekretärin im Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen, die seit 2011 im Landtag sitzt, will das Direktmandat verteidigen.
Der Wahlkreis Esslingen wird im Parlament darüber hinaus noch von Andreas Deuschle (CDU) und Nicolas Fink (SPD) vertreten. Beide Landtagsmitglieder stellen sich erneut zur Wahl. Die FDP setzt mit dem 20-jährigen Tobias Wirth auf einen personellen Neustart. Für die AfD kandidiert der Esslinger Kreis- und Stadtrat Stephan Köthe, während Die Linke erneut mit dem Gewerkschafter und Kommunalpolitiker Martin Auerbach ins Rennen geht. Für die Partei Volt tritt die Unternehmerin Anita Marinovic-Maticevic an.
Zum Wahlkreis gehören Altbach, Baltmannsweiler, Bissingen, Dettingen, Deizisau, Erkenbrechtsweiler, Hochdorf, Holzmaden, Kirchheim, Köngen, Lenningen, Lichtenwald, Neidlingen, Notzingen, Oberboihingen, Ohmden, Owen, Plochingen, Unterensingen, Weilheim, Wendlingen und Wernau. Von den knapp 120 000 Wahlberechtigten hatten vor fünf Jahren 67,3 Prozent ihre Stimme abgegeben. Auch hier holten die Grünen das Direktmandat: Andreas Schwarz erhielt 33,1 Prozent der Stimmen.
Der Kirchheimer ist seit 15 Jahren Landtagsabgeordneter und seit 2016 Vorsitzender der Grünen-Fraktion. Im Wahlkampf wird er erneut von Nathalie Pfau-Weller (CDU) herausgefordert, die 2021 in den Landtag einzog. Für Andreas Kenner (SPD) endet seine Zeit als Parlamentarier, er tritt nicht mehr an. Die Sozialdemokraten schicken dafür die Kreisvorsitzende Tonja Brinks ins Rennen. Für die AfD kandidiert der Kirchheimer Stadtrat und Kreitagsmitglied Markus Berthold. Für die FDP tritt die stellvertretende Vorsitzende des Kreisverbandes, Nicole Falkenstein, an. Die Linke wird von dem Politologen Anil Besli vertreten. Der Kandidat des BSW ist der IT-Manager Heinrich Brinkner, für Volt ist der 30-jährige Doktorand Marvin Clauß am Start.
Mit rund 125 000 Wahlberechtigten ist Nürtingen der größte Wahlkreis. Er umfasst die Kommunen Aichtal, Altdorf, Bempflingen, Beuren, Filderstadt, Frickenhausen, Großbettlingen, Kohlberg, Leinfelden-Echterdingen, Nekartailfingen, Neckartenzlingen, Neuffen, Nürtingen und Schlaitdorf. Bei der Wahl 2021 haben 67,7 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben. Klarer Wahlsieger mit 38,8 Prozent Stimmenanteil war einmal mehr Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne). Mit 77 Jahren verabschiedet er sich nun jedoch aus der Landespolitik.
Um seine Nachfolge als Direktkandidatin bewirbt sich die 24-jährige Studentin und Kreisrätin der Grünen, Clara Schweizer, aus Nürtingen. Die CDU schickt Maren Steege, die Vorsitzende des Stadtverbands Filderstadt, ins Rennen. Für die FDP kandidiert der Kreisvorsitzende, Dennis Birnstock, der seit 2021 dem Landtag angehört. Die SPD setzt auf den jungen Neuffener Stadtrat Tim Reeth. Für die AfD tritt der Heizungsbaumeister Felix Schneider an. Die Linke wird von der Theaterpädagogin Clara Meier vertreten, Volt von dem Studenten Raphael Fehlen und die Werte Union von ihrem Kreisvorsitzenden Matthias Rogge.
Sie gehört zwar zum Landkreis Esslingen, bei der Landtagswahl aber ist die Gemeinde Reichenbach an der Fils mit ihren rund 5700 Wahlberechtigten dem Wahlkreis 10 Göppingen zugeordnet. Dort treten sechs Bewerber an. Nach dem Parteiwechsel der damaligen Wahlkreisgewinnerin Ayla Cataltepe kandidiert für die Grünen nun die Kreisvorsitzende Mariska Ott. Die CDU schickt erneut die Landtagsabgeordnete Sarah Schweizer ins Rennen. Für die AfD tritt Sandro Scheer an, der im April 2025 in den Landtag nachrückte. Die SPD setzt auf ihre Kreisvorsitzende Sabrina Hartmann, die FDP auf Peter Körber und Die Linke auf Alexandra Bürger.