Kreis Esslingen Einmal durch ganz Bempflingen gegraben

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Bis zu Jahr 2030 sollen 90 Prozent aller Haushalte im Kreis Esslingen über einen Glasfaseranschluss verfügen. In der Modellkommune Bempflingen sind die ersten Kilometer Datenautobahn schon verlegt.

Bempflingen ist die Modellgemeinde für die  Breitbandversorgung im Kreis Esslingen. Bis zum Jahr 2030 sollen 90 Prozent der Haushalte schnelles Internet haben. Foto: dpa/Guido Kirchner
Bempflingen ist die Modellgemeinde für die Breitbandversorgung im Kreis Esslingen. Bis zum Jahr 2030 sollen 90 Prozent der Haushalte schnelles Internet haben. Foto: dpa/Guido Kirchner

Bempflingen - Unter den Dorfstraßen von Bempflingen liegt die Autobahn. Seit Mai hat die Deutsche Telekom im Rahmen eines Modellvorhabens flächendeckend in der ganzen Gemeinde Glasfasern verlegt, über die das schnelle Internet an die Endgeräte in den Haushalten kommt.

Jetzt graben sich die Bautrupps, um im Bild zu bleiben, mit den Autobahn-Anschlussstellen an die einzelnen Häuserwände heran. Bis Weihnachten, so das Versprechen des Unternehmens, werden 500 Haushalte, das ist ein Drittel aller Haushalte in der rund 3500 Einwohner zählenden Gemeinde, auf das schnelle Internet zugreifen können.

44 Städte und Gemeinden im Zweckverband Breitbandversorgung

Bempflingen, am äußersten Zipfel des Landkreises Esslingen gelegen, kommt als eine von fünf Modellgemeinden der Gigabit-Region Stuttgart flächendeckend in den Genuss der neuen Technik. Alle Glasfaserfäden im Kreis Esslingen laufen beim Zweckverband Breitbandversorgung zusammen, dem nach Anlaufschwierigkeiten inzwischen alle 44 Städte und Gemeinden des Landkreises angehören. Bis zum Jahr 2030 will die Deutsche Telekom als Kooperationspartner des Zweckverbandes alle Gewerbegebiete und rund 90 Prozent aller Privathaushalte mit einem Glasfaseranschluss versorgt haben.

Der Aufwand, das zeigt das Modellbeispiel Bempflingen, ist enorm. „Ich denke, bei uns dürften rund 15 Kilometer Leitungen zusammenkommen“, sagt der Bempflinger Bürgermeister Bernd Welser. Das mit dem Bau beauftragte Tiefbauunternehmen Leonard Weiss habe sich einmal durch den Ort gegraben. Dafür liegt nun das Glasfaserbündel an jeder Grundstücksgrenze. „Haushalte, die in der ersten Modellphase nicht zum Zug gekommen sind, können jederzeit noch aufspringen“, sagt Welser. Allerdings verlange die Telekom dann pro Hausanschluss eine einmalige Gebühr von 800 Euro. Die Gemeinde, bei der auch Einrichtungen wie Rathaus und Grundschule an die Datenautobahn angeschlossen sind, hat das Projekt außer Baulärm und Nerven bisher nichts gekostet.

Inzwischen sind zwölf Kommunen schon am Start

Über Bempflingen als Modellgemeinde hinaus ist der gesamte Zweckverband in den Augen des Esslinger Landrats Heinz Eininger ein Erfolgsmodell. „Nach der Unterzeichnung des Kooperationsrahmens im Mai ist es uns gelungen, schnell in die Umsetzung einzusteigen. Aktuell finden bereits in zwölf Kommunen des Landkreises eigenwirtschaftliche Vorhaben der Telekom statt“, sagt der Kreischef in seiner Eigenschaft als Zweckverbandsvorsitzender. Eigenwirtschaftlich heißt: Wenn 40 Prozent der Haushalte einer Kommune im Rahmen einer Vorvermarktung ihr Interesse an einem Glasfaseranschluss bekunden, dann greift das Unternehmen sinnbildlich auf eigene Rechnung zum Spaten, in der Hoffnung, die Kosten über die Gebühren wieder einzuspielen.

Geht es nach dem Willen des Zweckverbandes, dann könnte das bald auch an 257 Schulstandorten und zehn Krankenhausstandorten im Landkreis der Fall sein. „Wir haben an allen Standorten eine Markterkundung vorgenommen, um abzufragen, ob ein privater Anbieter bereit und in der Lage ist, dort Glasfaser zu verlegen. Derzeit sichten wir den Rücklauf“, sagt Markus Grupp, der Wirtschaftsförderer des Landkreises Esslingen. Dort, wo sich das eigenwirtschaftliche Engagement für einen Anbieter nicht lohnt, will der Landkreis über den Zweckverband einen Förderantrag bei Bund und Land stellen. Das lohnt sich: Grupps Worten zufolge trägt der Bund 50 Prozent der Anschlusskosten und das Land 40 Prozent. Zehn Prozent muss die Standortkommune als Eigenanteil beisteuern. „Wir gehen davon aus, dass wir nach Sichtung, Antragstellung, Genehmigung und Ausschreibung bis Ende 2020 die ersten Anschlüsse hinbekommen“, sagt Grupp. Dann könnten nicht nur Schulen und Krankenhäuser, sondern auch die Gebiete rechts und links der Haupttrasse vom schnellen Internet profitieren.