Kreis Esslingen Gewaltdelikte im öffentlichen Raum machen Frauen Angst

Vortrag Stephanie Feucht (Präventionsbeauftragte des Polizeipräsidiums Reutlingen) Foto: © 2026 es Ralph Scheer, All Rights Reserved

Viele Frauen fühlen sich im öffentlichen Raum unsicher. Die Angst vor Übergriffen, Belästigungen oder Raubüberfällen ist real. Was sagt die Kriminalitätsstatistik?

Baden-Württemberg gehört zu den sichersten Bundesländern. Nach Angaben des Landesinnenministeriums ist die Zahl der Straftaten 2025 erneut gesunken auf rund 522.000 Fälle landesweit, bei einer Aufklärungsquote von 60,5 Prozent. Die Kriminalitätsbelastung liegt bei 4.643 Straftaten je 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner (ohne ausländerrechtliche Verstöße). Der Landkreis Esslingen schneidet im Vergleich mit 3.716 Gesamtstraftaten deutlich besser ab.

 

Besonderes Augenmerk verdienen sogenannte Aggressionsdelikte im öffentlichen Raum. Darunter fallen unter anderem Mord, Totschlag, Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, Raub und Körperverletzung. Während diese Delikte landesweit leicht zurückgingen, stiegen sie im Landkreis Esslingen laut Polizeioberrat Lutz Jaksche vom Polizeipräsidium Reutlingen minimal an: von 1.029 Fällen in 2024 auf 1.034 in 2025. Auch Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung im öffentlichen Raum nahmen laut Jaksche leicht zu von 81 auf 84 Fälle.

Ein Blick auf die Opferzahlen überrascht: „Gewalt richtet sich ganz überwiegend gegen Männer“, erklärt Jaksche. Von den 1.226 Menschen, die 2025 im Landkreis Opfer eines Aggressionsdelikts im öffentlichen Raum wurden, waren rund drei Viertel männlich. Anders sieht es bei Sexualdelikten aus. Hier sind Frauen deutlich häufiger betroffen: Mehr als acht von zehn Opfern sind weiblich. Zu diesen Delikten zählen neben Vergewaltigung, sexuelle Nötigung und sexuelle Übergriffe auch sexuelle Belästigung, sexueller Missbrauch, exhibitionistische Handlungen und das Verbreiten pornografischer Inhalte. Dennoch betont Jaksche: „Die Wahrscheinlichkeit, Opfer einer Sexualstraftat im öffentlichen Raum zu werden, ist sehr gering.“ Im Landkreis mit über einer halben Million Einwohnern gab es 2025 insgesamt 95 Opfer. Die Zahl der Fälle und die Zahl der Opfer stimmen dabei nicht immer überein. Einem einzigen Fall können mehrere Opfer zugeordnet sein, umgekehrt können aber auch mehr Fälle als Opfer ausgewiesen werden.

Wo ist besondere Vorsicht geboten? „Bezogen auf die gesamte Kriminalität im öffentlichen Raum passieren erfahrungsgemäß an Orten, wo viele Menschen aufeinandertreffen oder sich aufhalten, auch häufiger Straftaten als an weniger belebten Örtlichkeiten“, so Jaksche. Meist beträfe das Innenstadtbereiche, Bahnhöfe oder belebte Plätze. Er betont: „In diesem Kontext ist jedoch auch relevant, wo sich für das jeweilige Delikt Tatgelegenheiten bieten. Mit Blick auf Raubstraftaten oder Sexualdelikte erscheinen aus Tätersicht abgelegenere Orte geeigneter zu sein, um dem Entdeckungsrisiko zu entgehen.“ Exhibitionisten wiederum suchen gezielt die Öffentlichkeit.

Doch wie können Frauen sich schützen und sich draußen sicherer fühlen? Stephanie Feucht, Präventionsbeauftragte des Polizeipräsidiums Reutlingen, gibt Tipps für das richtige Verhalten bei Gewalt und sexuellen Übergriffen. Sie räumt zunächst mit einem verbreiteten Irrtum auf, dass Wehren sinnlos sei. Gegenwehr lohnt sich. „Laut schreien, um sich schlagen, so laut wie möglich trampeln“, rät sie. Laut Statistik würden dadurch fast 90 Prozent der Täter von ihren Opfern ablassen. Wer öffentliche Verkehrsmittel nutzt und dabei ein ungutes Gefühl hat, sollte seinen Sitzplatz bewusst wählen. Am besten in der Nähe des Fahrers. Feucht empfiehlt außerdem, einen Sicherheitsabstand zu verdächtigen Personen zu wahren, andere Fahrgäste um Hilfe zu bitten und im Notfall die Polizei unter 110 zu rufen. Wichtig ist auch, die Notruftaste im Bus oder Zug zu kennen.

Für Jung und Alt gilt draußen gleichermaßen: „Laufen Sie in Gruppen, da ist man weniger gefährdet. Bleiben Sie ruhig und selbstbewusst, ignorieren Sie Provokationen, setzen Sie jedoch klare Grenzen.“ Gut zu merken ist die Abkürzung „LLL“, also Licht, laut, Leute: Hell erleuchtete Orte wählen, Krach machen und nicht alleine sein, ist ihr Rat. Als praktische Hilfsmittel empfiehlt Feucht eine Trillerpfeife oder einen „Schrillalarm“, ein handliches Gerät, das einen durchdringenden Ton erzeugt und das man griffbereit in der Tasche haben sollte.

Weitere hilfreiche Tipps gibt es unter www.polizei-beratung.de

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