Das Schreckgespenst der Gasmangellage scheint zumindest für diesen Winter verschwunden zu sein. Die Bundesnetzagentur gibt Entwarnung: Die Versorgungssicherheit sei gewährleistet, der Gesamtspeicherstand in Deutschland liege derzeit bei 91,1 Prozent, heißt es im aktuellen Lagebericht. Insgesamt bewertet die Bundesnetzagentur die Situation als weniger angespannt als noch vor Monaten. Und: „Eine Gasmangellage in diesem Winter wird zunehmend unwahrscheinlich.“ Das weckt Begehrlichkeiten: Einige Kommunen im Landkreis Esslingen lockern nun ihren Energiesparkurs.
Die Stadt Aichtal etwa hat die Wassertemperatur im Neuenhauser Gartenhallenbad jetzt auf 28 Grad erhöht, die Temperatur im 25-Meter-Schwimmbecken sei wieder so hoch wie vor Beginn der Energiekrise, sagt Bürgermeister Sebastian Kurz. „Damit wollen wir älteren Badegästen und Familien mit Kindern das gewohnte Badegefühl zurückgeben“, begründet er diesen Schritt. Gerade diese beiden Gruppen hätten sich zuletzt über die zwei Grad kältere Wassertemperatur beschwert. Aber auch für Schwimmkurse und Schulklassen sei die kühlere Temperatur ein Problem gewesen, räumt Kurz ein. „Gerade Kinder kühlen schneller aus als Erwachsene.“
Im September vergangenen Jahres, auf dem Höhepunkt der Energiekrise, wurde die Wassertemperatur im Gartenhallenbad Aichtal aufgrund des drohenden Gasengpasses um zwei Grad reduziert. Mit dieser Maßnahme wollte die Kleinstadt das Bad so lange wie möglich für die Bevölkerung geöffnet lassen und eine Schließung verhindern. Bürgermeister Sebastian Kurz betont jedoch: „Weitere Energiesparmaßnahmen der Stadt bleiben aufrechterhalten.“
In Kirchheim dürfen sich die Sportler jetzt wieder auf eine warme Dusche nach dem Training freuen. Den Beschluss, in den zwölf städtischen Sporthallen und im Stadion kein warmes Wasser zur Verfügung zu stellen, hatte die Stadtverwaltung einer Empfehlung des Deutschen Städtetags folgend im August vergangenen Jahres gefasst. Der Gemeinderat hat ihn aber kurz vor Jahresende kassiert. Ausschlaggebend dafür war ein gemeinsamer Antrag der SPD-Fraktion mit der Christlichen Initiative Kirchheim (CIK). Das Gremium hatte entschieden, die Warmwasseraufbereitung für die Duschen ab diesem Januar, pünktlich zur Aufnahme des Trainings- und Spielbetriebs nach der Winterpause, wieder zu aktivieren. Aus den Wasserhähnen in den Sporthallen Kirchheims floss seit den Sommerferien nur noch kaltes Wasser – was eine Welle der Entrüstung auslöste. Die betroffenen Vereine hatten gar eine Online-Petition gestartet, die fast 900 Unterstützer fand.
Ihre Forderung nach Warmwasser fand Gehör: Was in der Theorie logisch klinge, habe sich in der Praxis als „große Zumutung für die Betroffenen herausgestellt, die nach jetzigem Füllstand der Gasspeicher noch nicht angemessen ist“, argumentiert Marc Eisenmann, der Vorsitzende der SPD-Gemeinderatsfraktion. Er ist Vorstandsmitglied des VfL Kirchheim und hat beobachtet, dass viele Sportlerinnen und Sportler in der kalten Jahreszeit dem Training fernblieben. „Hier wollten wir nicht noch größeren Schaden angerichtet sehen, dass immer mehr Mitglieder dem Vereinssport den Rücken kehren.“
Die Stadtverwaltung appelliert in einer Mitteilung jedoch eindringlich an die Sporttreibenden, sparsam mit warmen Wasser umzugehen, um den Energieverbrauch möglichst niedrig zu halten. Zugleich wird mahnend darauf hingewiesen: „Die Warmwasserbereitung kann wieder eingestellt werden, falls eine Energie- und Gasmangellage eine erneute Abschaltung erforderlich macht.“
In Reichenbach standen die Sportler in der Brühlhalle und der Schulsporthalle seit Ende September vergangenen Jahres nach dem Spiel- und Trainingsbetrieb sogar vollkommen im Trockenen. Die Duschen waren aus Energiespargründen komplett abgestellt worden. Jetzt hat Bürgermeister Bernhard Richter mit Verweis auf den Lagebericht der Bundesnetzagentur jedoch angeordnet, dass die sanitären Anlagen wieder freigegeben werden. Von dieser Entscheidung würden Schulen und Vereine profitieren, betont der Bürgermeister. Richter verweist jedoch darauf: „Laut der Bundesnetzagentur kann eine Verschlechterung der Situation generell nicht ausgeschlossen werden.“ Sein Aufruf an die Bürgerinnen und Bürger lautet daher: „Ein sparsamer Gasverbrauch ist weiter oberste Prämisse.“ Das gelte ebenso für die Verwaltung: Das Rathaus bleibe aus Energiespargründen weiterhin freitags geschlossen und die Raumtemperatur gedrosselt.
Weitere Städte werden wohl folgen
Auch in Nürtingen zeichnet sich eine Trendwende ab. Zuletzt hatte der Verband der beiden höchsten deutschen Spielklassen im Frauenhandball Beschwerde bei der Stadtverwaltung eingelegt. Die kalten Duschen in den Sporthallen seien eine Zumutung, heißt es in dem Schreiben. Oberbürgermeister Johannes Fridrich stellte daraufhin in Aussicht, das Wasser in allen städtischen Sporthallen sukzessive ab Januar wieder anzustellen. „Vorausgesetzt, dass es keine Gasmangellage gibt. Sollte sich die Lage im Januar nicht gravierend verschlechtern, wird der Krisenstab das Go für das warme Wasser geben“, hatte der Rathauschef kurz vor Weihnachten angekündigt.