Kreis Esslingen Im Charme der 50er Jahre: Kirchheim hat jetzt endlich wieder ein Kino

Im ehemaligen Stadtkino werden ab dem 1. Februar wieder Filme über die zehn Meter breite Leinwand flimmern. Foto: Markus Brändli

Das alte Stadtkino in Kirchheim (Kreis Esslingen) wird neu belebt. Auf welche Filme können sich die Besucher freuen?

Günter Hörcher spürt „eine gespannte Aufregung“ bei allen Mitstreitern. Auch der Vorsitzende des Vereins Kommunales Kino Kirchheim, kurz Koki, freut sich: „Es geht endlich los.“ Ab dem 1. Februar gibt es in der Stadt wieder ein kleines Filmtheater mit knapp 100 Plätzen – betrieben von den Bürgern.

 

Lange hatten Kirchheims Kino-Enthusiasten dafür gekämpft, einen Vorführbetrieb im 2023 stillgelegten „Tyroler“ zu etablieren. Das Kino am Postplatz war als letztes von einstmals sechs Spielstätten in der rund 43 000 Einwohner zählenden Kreisstadt übriggeblieben. Ihr Traum scheiterte jedoch an den teuren Brandschutzauflagen, deren Kosten die Stadt als Eigentümer nicht stemmen konnte.

Katrin und Günter Hörcher freuen sich schon auf den Film „Im Schatten des Organgenbaums“, der am 8. Februar im Koki gezeigt wird. Foto: Markus Brändli

So rückte das ehemalige Stadtkino, das gleich um die Ecke in der Max-Eyth-Straße liegt, in den Fokus – obwohl dort schon lange keine Filme mehr über die Leinwand flimmerten. Mit der Insolvenz des Betreibers endete vor 20 Jahren der Lichtspielbetrieb, das Gebäude wurde später als Eventlocation genutzt und stand zuletzt zwei Jahre leer.

„Wir hoffen, dass das Kommunale Kino in der Bevölkerung genügend Zuspruch finden wird, um langfristig zu bestehen.“

Günter Hörcher, Vorsitzender des Vereins Koki

Auch dieses, dem Abriss geweihte Haus gehört der Stadt. Sie hat zwar ambitionierte Pläne für die Umgestaltung des gesamten Quartiers an der Lauter, bis dahin dürften jedoch noch einige Jahre ins Land gehen. Eine provisorische Nutzung durch das Koki kommt ihr durchaus gelegen – weshalb sie dem Verein einen Zuschuss in Höhe der Mietkosten gewährt. „Ohne diesen Ausgleich wäre der Kinobetrieb nicht möglich“, macht der Koki-Vorsitzende deutlich. Denn alles andere müssen die Ehrenamtlichen selbst finanzieren.

Stadtkino Kirchheim: Der Charme der 50er Jahre bleibt erhalten

Seit vergangenen November arbeiten sie mit Hochdruck daran, dass der große Saal mit dem Charme der 50er Jahre wieder das wird, was er einmal war: ein Kino. „Bis auf die Leinwand war nichts mehr vorhanden“, berichtet Hörcher von der Herausforderung, mit minimalem Aufwand das maximal Mögliche herauszuholen. Der Verein setzte auf gebrauchte Technik und eine „Muskelhypothek“: Es wurde entrümpelt, geputzt und gestrichen, Bodenbelag und Elektroleitungen sind erneuert worden, ein Podest entstand. „Das ist die Lounge“, zeigt Hörcher auf den erhöhten Bereich mit Sesseln, Sofas und Tischen. „Das wird sicher der Lieblingsplatz von so manchem Besucher.“

Im alten Kinosaal mit Retrocharme wurde auch ein gemütlicher Lounge-Bereich eingerichtet. Foto: Markus Brändli

Die 75 eingebauten Kinosessel sind übrigens nicht jene aus dem „Tyroler“, erzählt er weiter. „Sie waren dann doch zu ramponiert.“ Die samtroten Sitze stammen aus dem Tübinger Kino Arsenal, das 2024 schließen musste. Dessen Gründer und Betreiber Stefan Paul hatte vor kurzem in der Zeitung von den Bemühungen des Koki gelesen und dem Verein die dringend benötigten Polstermöbel angeboten.

Begeisterung der Kirchheimer für das Kommunale Kino ist groß

Dass in den Sitzreihen eine große Lücke klafft, ist übrigens gewollt. „Dieser Bereich ist für Rollstuhlfahrer“, sagt Hörcher. „Bei uns sollen sie mittendrin sitzen und nicht am Rand.“ Das sei schließlich das Besondere an einem Kinobesuch, findet er: „Es geht nicht nur darum, sich einen Film anzusehen, es geht auch um das gemeinschaftliche Erlebnis.“

Die Begeisterung der Kirchheimer für das Projekt ist groß, haben die Koki-Macher unter anderem bei den rege besuchten „Stunden der offenen Tür“ festgestellt. Viele würden schöne Erinnerungen mit dem ehemaligen Stadtkino verbinden und den Neustart als kommunales Kino gern unterstützen – mit Spenden oder freiwilligem Engagement. „Das ist ein echtes Bürgerkino“, findet Hörcher. Der Verein sei mittlerweile auf 140 Mitglieder angewachsen, die 50 Euro Jahresgebühr bezahlen. „Tendenz steigend.“

Koki will sich mit anspruchsvollen Filme von großen Kinos unterscheiden

Etwa 100 Aktive bringen sich laut dem Koki-Vorsitzenden in vielfältiger Weise in den Kinobetrieb ein – als Kartenverkäufer, Einlasser, Getränke-Verkäufer, Reinigungsdienst, Filmvorführer oder Programmgestalter. Am Freitag-, Samstag- und Sonntagabend finden jeweils zwei Vorstellungen statt. Angedacht ist, künftig auch eine Nachmittagsvorstellung für Kinder und Familien anzubieten.

Künstlerisch anspruchsvolle Filme wollen sie zeigen – und sich damit von den größeren Filmtheatern in der Region unterscheiden. „Das Programm bis März steht.“ Einmal im Monat ist zudem eine Sonntagvormittag-Matinee mit Filmemachern und anderen Akteuren geplant. „Programmkino ist zeitgemäßer denn je“, ist Hörcher überzeugt.

Freilich: Es geht auch darum, möglichst viele Besucher anzulocken. „Wir sind ja auf die Einnahmen angewiesen.“ Im Durchschnitt benötigen sie mindestens 15 Zuschauer pro Vorstellung, um halbwegs über die Runden zu kommen, räumt Hörcher ein. Das Kinoticket kostet neun Euro (ermäßigt sieben Euro) auf allen Plätzen, bei überlangen Filmen werden zwei Euro mehr erhoben. Allerdings bleibt vom Kartenpreis nach Abzug der Gebühren, etwa für den Filmverleihfirma und die Gema, nicht mehr viel beim Verein hängen. Und der hat Kosten. „Ein großer Posten wird das Heizen in dem ungedämmten Gebäude sein.“

Dennoch starten die Vereinsmitglieder jetzt voller Zuversicht. „Wir hoffen“, sagt Hörcher, „dass das Kommunale Kino in der Bevölkerung genügend Zuspruch finden wird, um langfristig zu bestehen.“

Programm zur Eröffnung

Danke-Abend
Am Samstag, 31. Januar, um 19 Uhr sind all jene, die zum Aufbau des Kommunalen Kinos beigetragen haben, sowie mögliche Kooperationspartner zur Eröffnung eingeladen. Nach einem kurzen Ideenaustausch wird der Dokumentarfilm „Was die Alb uns erzählt“ von Dietmar Nill gezeigt.

Vorstellungen
Am Sonntag, 1. Februar, beginnt der Kinobetrieb offiziell. Los geht es um 11 Uhr mit „KinoLeben“, einem Film über das Leben und Wirken von Stefan Paul, der 1974 in Tübingen das erste Programmkino in Baden-Württemberg gründete. Er ist bei der Vorstellung anwesend. Um 18 Uhr steht „Was die Alb uns erzählt“ auf dem Spielplan, um 20.30 Uhr folgt die Komödie „Der Pinguin meines Lebens“.

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