Markus Eberhardt, der zusammen mit seinem Bruder Christoph den Berghof in Deizisau bewirtschaftet, ist zufrieden mit dem Saisonstart. Auf seinen Feldern habe man kurz vor Ostern mit dem Spargelstechen begonnen und vor knapp einer Woche mit der Erdbeerernte – und bislang laufe es gut. Sowohl das Stangengemüse als auch die roten Früchte seien von sehr guter Qualität: „Der Spargel ist sehr zart und die Erdbeeren sind sehr aromatisch“, schwärmt Markus Eberhardt.
Lesen Sie aus unserem Plus-Angebot: So setzt der Klimawandel Landwirte unter Druck
Entscheidend dafür sei die Zeit nach der Ernte im vergangenen Jahr gewesen. So sei es beim Spargel wichtig, dass der sogenannte Sommeraufwuchs bis zum Herbst passe, denn dabei würden die Nährstoffe in den Pflanzen aufgebaut und eingelagert, die die Qualität im nächsten Jahr maßgeblich beeinflussten. Der Sommeraufwuchs beim Spargel sei sehr gut gewesen, so Eberhardt – ebenso wie die Entwicklung der Erdbeerpflanzen, die im Frühherbst die Blüten für das kommende Jahr vorbereiteten. Insofern sei er mit dem Saisonstart zufrieden. Zumal die Nachfrage über Ostern gut gewesen sei. Die Frage sei aber, ob das so bleibe angesichts der allgemeinen Preissteigerungen.
Noch halten sich die lokalen Spargelbauern laut Eberhardt damit zurück, die Preise für ihre Ware zu erhöhen. Zwar hätten sich die Produktionskosten deutlich erhöht – nicht nur wegen höherer Preise für Düngemittel, Folie oder Sprit, sondern auch wegen des höheren Mindestlohns. Doch man will die Kunden auch nicht vergraulen: „Wenn die Ware gar nicht verkauft wird, ist noch mehr kaputt“, so Eberhardt.
Zudem hätten die Kostensteigerungen beim Spargel in diesem Jahr noch nicht so sehr zu Buche geschlagen, weil vieles bereits im vergangenen Jahr erledigt wurde. Im kommenden Jahr hingegen sei wohl mit massiven Preissteigerungen zu rechnen.
Künftig müssen Betriebe wohl sparen oder Produkte verteuern
Das glaubt auch Guido Henzler, der den landwirtschaftlichen Bereich von Henzler’s Rammerthof in Nürtingen leitet. „Die Betriebe müssen sich jetzt schon Gedanken über 2023 machen“, sagt er. Angesichts der enormen Kostensteigerungen müsse man genau überlegen, wie viele Pflanzen man setzen und wie viel Personal man einplanen könne. Die Betriebe müssten wohl einsparen oder aber ihre Produkte verteuern – oder beides. Im nächsten Jahr werde sich zeigen, ob manch ein Hof verkleinert oder vielleicht ganz aufgegeben werden müsse – vergrößern werde sich angesichts der aktuellen Lage wohl kaum jemand.
Auch Henzler ist mit der Qualität des Spargels zufrieden. Er geht aber davon aus, dass es mengenmäßig kein überragendes Jahr wird. Allein schon, weil man erst später mit der Ernte starten konnte als erwartet. „Wir dachten, der Spargel kommt in der ersten Aprilwoche, aber dann hat es doch länger gedauert.“ Zwar sei der März recht warm gewesen, jedoch nur tagsüber. Die nächtliche Kälte habe den Spargelwuchs dann wieder gebremst. Deshalb habe man an Ostern auch noch keine großen Mengen des Edelgemüses anbieten können – und das, obwohl die Nachfrage zu den Feiertagen gut gewesen sei. Seither hat Henzler den Eindruck, dass eher weniger Spargel gekauft wird als sonst. Auch deshalb sei es schwierig, die Preise zu erhöhen. Die Erdbeeren hingegen müsse man schon dieses Jahr teurer verkaufen, weil sich hier die hohen Kosten für die Betriebsmittel schon jetzt niedergeschlagen hätten.
Lesen Sie aus unserem Plus-Angebot: Der milde Winter bereitet Wengertern Sorgen
Auch Bernhard Bayer vom Talhof in Neuhausen spricht von einem eher holprigen Start in die Saison. Wegen der kühlen Witterung sei die Ernte etwas später gestartet als üblich und der Verkauf sei ebenfalls noch nicht so gut angelaufen. Aber auch Bayer hatte rechtzeitig zu Ostern weißes und grünes Stangengemüse im Angebot, seit etwa einer Woche gibt es bei ihm zudem Erdbeeren.
Der Landwirt ist zuversichtlich: „Wir sind guter Dinge, dass es bald anläuft.“ Er hofft jetzt vor allem auf wärmeres Wetter. Nicht nur, weil das den Pflanzen gut tue, sondern auch, weil bei schönem Wetter mehr Kunden kämen. Ohnehin sind sich die Spargel- und Erdbeerbauern einig, dass noch alles offen ist: Wenn die Witterung stimme, könne es ein gutes Jahr werden. „Aber wenn wir Frost oder Starkregen bekommen, sieht es schon ganz anders aus“, gibt Markus Eberhardt zu bedenken.
Hochsaison in Frühjahr und Frühsommer
Saison
Die Spargelsaison in Deutschland beginnt in der Regel Anfang oder Mitte April. Wenn die Bauern ihre Felder mit Folie abdecken, kann es auch schon Ende März heimischen Spargel geben. Traditionell endet die Spargelzeit am Johannistag am 24. Juni. Hauptsaison für Erdbeeren ist im Juni und Juli. Durch die Kombination von früh und spät reifenden Sorten kann die Saison aber verlängert werden. Zudem werden teilweise Folientunnel eingesetzt, in denen die Erdbeeren früher reif werden.
Ernte
Bei den meisten Landwirten wird die Spargel- und Erdbeerernte großteils von Saison-Arbeitskräften erledigt. Einige Höfe im Kreis bieten aber auch Erdbeeren zum selbst pflücken an. So kann man etwa laut Landwirt Guido Henzler ab Mitte Mai in Nürtingen-Raidwangen Erdbeeren selbst pflücken und ab Mitte Juni Himbeeren. Ab nächstes Jahr soll es hier auch Süßkirschen und Brombeeren zum selbst pflücken geben.