Michael Kesser aus Bonlanden lässt sich immer im Advent als Weihnachtsmann für Bescherungen buchen – rein ehrenamtlich. Foto: car
Was treibt ihn an? Seit bald zehn Jahren zieht Michael Kesser aus Bonlanden im Advent los, beschert ohne Gage in rot-weißer Robe und sammelt dabei Spenden für krebskranke Kinder.
Caroline Holowiecki
11.12.2025 - 16:00 Uhr
Ab auf die Heizung. Der weiße Rauschebart und die voluminöse Lockenperücke müssen trocknen. Ja, in voller Montur kommt Michael Kesser schnell ins Schwitzen. Mantel und Handschuhe, drunter ein rotes Langarmshirt, eine rote Jogginghose und nicht zu vergessen der dicke Bauch, den er sich wie ein Kissen vor den Körper schnallt. Dann noch die runde Brille auf die rosig geschminkte Nase, die gusseiserne Glocke und das große Buch in die Hände – und fertig ist der Weihnachtsmann.
Nicht nur wegen seines perfekten Festtagslooks ist Michael Kesser mittlerweile in Filderstadt bekannt wie ein rot-weißer Hund, sondern vor allem deswegen, weil er immer im Advent loszieht und Kinder beschert. Eltern heuern ihn über seine Social-Media-Kanäle als Geschenkeverteiler an, und er lässt sich bereitwillig buchen. Rein ehrenamtlich. Seit 2016 gibt der heute 51-Jährige aus dem Ortsteil Bonlanden im Dezember den Nikolaus. Einfach, weil es ihm eine riesengroße Freude bereitet, in leuchtende Kinderaugen zu schauen.
Weihnachtsmann aus Filderstadt spendet für den guten Zweck
„Für mich ist Weihnachten bei den Familien“, sagt er. Hinzu kommt: Das Angenehme verbindet Michael Kesser mit dem Wohltätigen. Geld nimmt er für seine Auftritte nicht, aber er sammelt Spenden für den Förderverein für krebskranke Kinder mit Sitz in Tübingen. Mit Erfolg. Nach der vergangenen Saison konnte er ganze 6500 Euro übergeben.
Mit den Jahren hat sich das Engagement verselbstständigt. Anfangs hatte Michael Kesser am Nikolaustag einfach ein paar Familien besucht, die sich auf seinen Aufruf in einer Facebook-Gruppe gemeldet hatten, mittlerweile ist er die halbe Adventszeit über unterwegs. Gut 25 Einsätze werden es nach dieser Saison gewesen sein – in einem Supermarkt, einer Grundschule, einer Kita, bei einer Tagesmutter, bei Vereinen, in einer Arztpraxis. Am Nikolaustag hat er sich bei einem Event vom 25 Meter hohen Uhlbergturm im Wald bei Plattenhardt abgeseilt, Hunderte Kinder mit Schokolade beschenkt und über eine selbst organisierte Tombola 3000 Euro eingenommen. Seine Verlobte unterstützt ihn bei allem, selbst wenn das heißt, dass das private Abendessen an Heiligabend bis in den späten Abend warten muss.
Der Weihnachtsmann muss an Weihnachten natürlich arbeiten
Denn selbst am 24. und am 25. Dezember wird Michael Kesser bei Familien in Filderstadt sein Glöcklein läuten, aus dem großen roten Buch eine – selbst geschriebene – weihnachtliche Geschichte vorlesen und dann Geschenke aus dem Jutesack zaubern. Ganz so, wie er es zuvor mit den Eltern verabredet hat. Etliche Päckchen lagert Michael Kesser bereits jetzt in seinem Keller neben Süßigkeiten, die er von Firmen oder Privatleuten gespendet bekommen hat.
Natürlich bringt Michael Kesser den Kindern auch Geschenke. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Für die Familien ist das in vielfacher Hinsicht ein Gewinn, denn einen Weihnachtsmann zu finden, allein das ist gar nicht so einfach. Die Arbeitsagenturen in Göppingen – sie ist auch für den Kreis Esslingen zuständig – und in Stuttgart jedenfalls winken ab. Einige Darsteller bieten ihre Dienste online an, günstig sind die aber nicht. „Einen Familieneinsatz in Esslingen am Neckar gibt es ab 89 Euro“, heißt es auf der Website eines bundesweit tätigen Vermittlungsbüros. Michael Kesser nimmt indes keine Gage. Er gibt nur. „Was ich spende, ist meine Zeit“, sagt er. Dafür feiert er mitunter sogar Überstunden ab. Nebenberuflich arbeitet er als Bade- und Saunameister im Fildorado, im Hauptjob ist er IT-Servicetechniker. „Die Firma weiß ja, was ich mache, und findet es gut.“
Nächster Auftritt im Winterdörfle an der Kelter
Am 20. Dezember hat Michael Kesser seinen nächsten großen Auftritt. Beim Winterdörfle des Bonländer Albvereins wird er an der idyllisch am Waldrand gelegenen Kelter ab 15 Uhr Süßes an die Kinder verteilen und erneut seine Tombola ausrichten. Auch hier hofft er wieder auf Geld für den Förderverein für krebskranke Kinder. Für Michael Kesser ist das Weihnachtsgeschenk genug.