Kreis Esslingen Sie ist die „Busfahrerin des Jahres“
Bianca-Corinna Scheibeck fährt für die Württembergische Bus-Gesellschaft (WBG) rund um Kirchheim. Sie sei die beste Werbung für den öffentlichen Nahverkehr, lobt der Esslinger Landrat.
Bianca-Corinna Scheibeck fährt für die Württembergische Bus-Gesellschaft (WBG) rund um Kirchheim. Sie sei die beste Werbung für den öffentlichen Nahverkehr, lobt der Esslinger Landrat.
Freundlich, zuverlässig und umsichtig: Die kleine Frau hinter dem Steuer leistet Großartiges. Dieser Meinung sind viele Fahrgäste, die sich gern von Bianca-Corinna Scheibeck durch Kirchheim/Teck oder das Vorland der Schwäbischen Alb chauffieren lassen. Sie haben die 43-Jährige deshalb als „Busfahrerin des Jahres“ im Kreis Esslingen nominiert. Und tatsächlich hat sie den Wettbewerb gewonnen. Sie sei „ein Aushängeschild und die beste Werbung für den öffentlichen Nahverkehr“, lobte Landrat Heinz Eininger die Fahrerin bei der Preisverleihung.
Mit einem offenen Lächeln begrüßt sie jeden, der einsteigt. Und wenn es dann erwidert wird, freue sie sich, erzählt Bianca-Corinna Scheibeck, die für die Württembergische Bus-Gesellschaft (WBG) vorrangig auf den Linien 173, 176 und 177 zwischen Kirchheim, Bissingen, Weilheim und Oberlenningen unterwegs ist. Und an den Wochenenden lenkt sie den Rad-Wander-Bus zur Schopflocher Alb. Der rollende Arbeitsplatz gefällt ihr: „Morgens aus dem Bus heraus den Sonnenuntergang zu sehen, ist immer wieder wunderschön.“ Aber natürlich müsse man auch konzentriert bei der Sache sein, betont sie. Immerhin legt sie gut 40 000 Kilometer im Jahr mit den tonnenschweren Bussen zurück – das ist in etwa einmal um die ganze Welt. In all den Jahren hat sie einen einzigen Unfall gehabt. Zwar mit geringem Blechschaden, aber der fuchst sie noch heute.
Busfahrerin werden, das war ein Kindheitstraum, den sie sich im Jahr 2001 erfüllte. „Der Beruf ist toll. Jeder Tag ist anders, denn jeden Tag habe ich mit anderen Menschen zu tun, von Kindergartenkindern bis Senioren.“ Da brauche es Feingefühl, Höflichkeit und viel Geduld. „Ich bin auch mal streng zu Schülern, aber sie wissen, wie es gemeint ist“, sagt die alleinerziehende Mutter eines elfjährigen Mädchens.
Ihre umgängliche Art kommt an. Dass sie beliebt ist, spürt sie täglich: Nicht selten würden ihr Fahrgäste unterwegs zuwinken, erzählt sie schmunzelnd. Und wenn sie mal länger im Urlaub war, wird sie offenkundig vermisst. „Manche Fahrgäste dachten schon, ich hätte aufgehört.“ Und dann fügt sie mit Wehmut hinzu: Künftig werde sie seltener hinter dem Steuer sitzen, weil sie nach den Sommerferien als Disponentin in Neuffen arbeiten werde. Doch ab und an wolle sie noch auf ihren alten Linien fahren: „Kirchheim lasse ich mir nicht ganz nehmen“, sagt die in Nabern lebende Frau.
Horst Windeisen, der Geschäftsführer der WBG, ist stolz darauf, in seinem Unternehmen eine „Busfahrerin des Jahres“ zu haben. „Die Auswahl war absolut die richtige“, kommentiert er die Entscheidung der aus Vertretern des VVS, der Verbundlandkreise und der Busunternehmen bestehenden Jury. Den Wettbewerb gibt es seit 20 Jahren. Scheibeck ist laut Windeisen bei der Busgesellschaft eine von nur fünf Frauen hinter dem Steuer – bei insgesamt 68 Mitarbeitern. „Wir würden uns mehr Fahrerinnen wünschen.“
Doch die Personalsuche ist schwierig. Das weiß auch der Geschäftsführer des Verkehrs- und Tarifverbundes Stuttgart (VVS), Thomas Hachenberger. Das Nahverkehrsangebot in der Region soll weiter ausgebaut werden, dafür benötige man dringend qualifizierte Busfahrerinnen und Busfahrer. Hilfreich wäre laut Hachenberger zum Beispiel, wenn die Arbeitsagentur die Ausbildung finanziell unterstützen würde. Der Busführerschein sei ziemlich teuer. Er koste in Deutschland rund 10 000 Euro, hinzu komme die Grundqualifikation zur Personenbeförderung für rund 3000 Euro.