Sechste Jobfinder-Messe in Berkheim. Foto: Caroline Holowiecki
Bei den Jobfinder-Messen werden niederschwellig Arbeitssuchende mit Firmen zusammengeführt, die Personal benötigen. Darum hat sich das Prinzip mittlerweile bewährt.
Caroline Holowiecki
17.04.2026 - 13:20 Uhr
Durch die Tür und ab zur Jobwall. Die meisten Gäste der Jobfinder-Messe in Berkheim gehen am Donnerstagmorgen diesen Weg. Wenige Minuten nach der Eröffnung der Veranstaltung bildet sich vor der Wand, an der die Angebote von 121 offenen Stellen hängen, eine schier undurchdringbare Menschentraube. Etwa 4000 Frauen und Männer sind gezielt eingeladen worden, und die mehr als 1500, die gekommen sind, scheinen hochmotiviert zu sein. Die Erfahrung zeigt: Es lohnt sich.
Es ist die bislang sechste Jobfinder-Messe in der Region seit dem Herbst 2024. Ausgerichtet werden die Veranstaltungen stets von der Agentur für Arbeit in Göppingen, die für die Kreise Esslingen und Göppingen zuständig ist, vom Jobcenter Landkreis Esslingen, von der jeweiligen Kommune und dem Kreis-Bündnis Fachkräftesicherung.
Erfolgreiche Jobfinder-Messe: Über 50 Verträge in Bernhausen
Das Prinzip ist eigentlich denkbar simpel: Menschen, die eine neue berufliche Herausforderung suchen, und Arbeitgeber, die Personal brauchen, werden gezielt und niederschwellig zusammengeführt. Mit Erfolg. Laut dem Landrat Marcel Musolf hat die Messe in Bernhausen Ende 2025 „über 50 Arbeitsverträge mit klarem Messebezug“ hervorgebracht. „Das zeigt, dass dieses Format wirkt“. Die nächste Messe wird am 17. Juni in Kirchheim stattfinden. Weitere Termine sind in diesem Jahr in Göppingen und Leinfelden-Echterdingen geplant.
Karin Käppel, Leiterin Agentur für Arbeit Göppingen, Marcel Musolf, Landrat Landkreis Esslingen, und Matthias Klopfer, Oberbürgermeister Esslingen, an der Jobwall, wo aktuelle Stellenausschreibungen hängen Foto: Caroline Holowiecki
Im März ist die Arbeitslosigkeit leicht gesunken, von einer Frühjahrsbewegung ist man aber weit entfernt. Im Landkreis Esslingen waren im März 14.694 Menschen arbeitslos gemeldet. Das sind zwar 29 Personen oder 0,2 Prozent weniger als im Februar, aber 927 (6,7 Prozent) mehr als im Vorjahresmonat. Die Arbeitslosenquote betrug 4,7 Prozent (Esslingen: 4,9 Prozent, Kirchheim: 4,9 Prozent, Leinfelden-Echterdingen: 4,3 Prozent, Nürtingen: 4,5 Prozent). Im März 2025 hatte sie bei 4,4 Prozent gelegen. Gleichzeitig gab es aber viele freie Stellen. Im Bezirk der Agentur für Arbeit Göppingen waren im März 5160 Stellen beim gemeinsamen Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit und der Jobcenter zur Besetzung gemeldet – 41 (0,8 Prozent) mehr als im Februar.
Erfolgreiche Jobfinder-Messe: Über 50 Verträge in Bernhausen
Die Zeiten sind wirtschaftlich anspruchsvoll und geopolitisch instabil. Zuletzt haben sich laut Karin Käppel, Leiterin der Agentur für Arbeit Göppingen, auch viele Menschen arbeitslos gemeldet, „die sich das nie hätten vorstellen können“, etwa Akademiker. „Und die Iran-Krise zeichnet sich noch gar nicht ab.“ Erste Auswirkungen sind dennoch bereits auch in Berkheim zu sehen: Drei Firmen haben kurzfristig ihre Teilnahme abgesagt. „Ich schaue mit großer Sorge auf den Arbeitsmarkt“, sagt der Esslinger OB Matthias Klopfer. Sein Appell an die Firmen: Sie mögen trotz schwieriger Zeiten bei der Ausbildung nicht nachlassen, „das sind wir den jungen Menschen schuldig“.
Es gibt aber noch Firmen, die dringend Personal suchen. In Berkheim zeigen sich 40 Arbeitgeber aus der Region, von der Stadtverwaltung bis zur Bank, vom Pflegeheim bis zum Handwerksbetrieb. „Wir sind jederzeit auf der Suche nach Busfahrern“, sagt Stefanie Bürkle, die Personalleiterin der Omnibusfirma Schlienz. Mindestens fünf Stellen habe sie aktuell zu besetzen. „Wir suchen in allen Bereichen, wir nehmen auch Quereinsteiger“, erklärt Nicole Goretzki, die als Recruiting Expert bei der Hotelkette Motel One Personal sucht. Andere Arbeitgeber jedoch werden regelrecht überrannt. Michael Ehret ist für die AOK Neckar-Fils zur Jobfinder-Messe gekommen – kann aber kaum etwas anbieten. „Bis vor drei Wochen hatten wir fünf offene Stellen“, sagt er, in der Zwischenzeit seien aber 300 Bewerbungen eingegangen. Gut die Hälfte sei von Leuten, die zwar einen Job hätten, sich aber angesichts der derzeitigen Lage vor einer Kündigung fürchteten und im öffentlichen Dienst mehr Stabilität erhofften. „Das ist schon krass, das habe ich in 30 Jahren AOK so noch nicht erlebt.“