Kreis Esslingen Warum sich die Feuerwehr Hochdorf kaum vor Nachwuchs retten kann

Tobias Lausterer, Jan Hennemann und Marc Behringer (v.l.) geht es bei ihrer Arbeit darum, eigene Erfahrungen an die Kinder weiterzugeben. Foto: Tim Kirstein

Die Freiwillige Feuerwehr Hochdorf will ihrer Kinder- und der Jugendgruppe spielerisch der Feuerwehralltag vermitteln. Dafür hat sie sich etwas einfallen lassen.

Im Gegensatz zu vielen anderen Vereinen und Organisationen muss man sich bei der Freiwilligen Feuerwehr Hochdorf keine Sorgen über Nachwuchsmangel machen. Insgesamt 47 Kinder und Jugendliche sind Teil der Jugendfeuerwehr, dazu kommen zwölf Jugendleiter. „Mittlerweile haben wir sogar eine Warteliste für unsere Kindergruppe“, erklärt Tobias Lausterer, einer der stellvertretenden Jugendwarte. Hinter der erfolgreichen Jugendarbeit stehen dabei viel Organisationsarbeit und engagierte Leiter.

 

Seit 1970 gibt es bei der Hochdorfer Feuerwehr Jugendarbeit. Jeden Mittwochabend treffen sich die Mitglieder der Jugendgruppe zu den sogenannten Dienstabenden. „Der Kern besteht schon darin, den Kindern die feuerwehrtechnischen Aspekte näherzubringen. Aber Spiel und Spaß dürfen natürlich nicht fehlen“, erklärt Jan Hennemann, ebenfalls stellvertretender Jugendwart bei der Feuerwehr. Die Kinder und Jugendlichen üben für den Ernstfall oder machen erste Erfahrungen mit den Einsatzwagen der Feuerwehr. Die Jugendgruppe richtet sich an Kinder ab zehn Jahren.

Kindergruppe der Feuerwehr Hochdorf: Vielfältiges Angebot zieht an

Seit 2014 gibt es in Hochdorf im Rahmen der Jugendfeuerwehr zusätzlich eine Kindergruppe für Kinder ab sechs Jahren. „Der Hintergrund war der, dass viele zu dem Zeitpunkt, an dem sie in die Jugendgruppe könnten, bereits andere Hobbies haben“, erklärt Lausterer. Die Einführung der Kindergruppe habe sich so auch positiv auf die Mitgliederzahlen der Jugendgruppe ausgewirkt. Das Angebot in der Kindergruppe ist eher breit aufgestellt. „Dort wird gebastelt, es gibt Ausflüge, Sport und einen Einblick in die Feuerwehrtechniken. Es soll für möglichst viele Kinder attraktiv sein“, erklärt Marc Behringer, Jugendwart und stellvertretender Kommandant der Feuerwehr Hochdorf.

So kommt es, dass in der Kindergruppe dann Löschangriffe mit Kübelspritzen und Gartenschläuchen gefahren werden. „Das ist natürlich alles eine Nummer kleiner, aber man merkt, dass die Kinder das Thema Feuerwehr miterleben wollen“, sagt Lausterer. Praxisfern seien diese Übungen keineswegs, denn die tragbaren Kübelspritzen beispielsweise würden auch bei den Erwachsenen zum Einsatz kommen.

Feuerwehr im Kreis Esslingen: Ein bisschen Idealismus gehört dazu

Bei der Kindergruppe immer mit dabei: der Handwagen mit dem Schriftzug „Feuer-Schnaken“ im Look eines der großen Feuerwehrwagen. „In der Kindergruppe sind wir mit einem klassischen Bollerwagen gestartet, in den wir das Equipment reingeworfen haben“, erklärt Lausterer. Aus diesem wurde dann der ansehnlich gestaltete Handwagen, der nun seit vier Jahren in Diensten der Kindergruppe ist. „Es ist ein Identifikationsmerkmal. Wenn vor den Hauptübungen die Kinder- und Jugendgruppe übt, ziehen die Kinder damit immer ganz stolz ein“, sagt Behringer.

Die Arbeit als Jugendleiter bedeutet für die drei einen gewissen Mehraufwand. „Wenn wir uns mittwochs von 18 bis 20 Uhr treffen, kann man eigentlich immer mit etwa einer Stunde Vor- und Nachbereitungszeit rechnen“, erklärt Behringer. Manchmal sei es sportlich, wenn man selbst ab 20 Uhr seine eigene Übung habe.

Den Antrieb für ihre Arbeit sehen Lausterer, Hennemann und Behringer zu einem großen Teil auch in ihren eigenen Erfahrungen in der Jugendfeuerwehr. „Es gibt eigentlich nichts Schöneres, als den Kindern das mitzugeben, was man selbst hier erfahren durfte“, sagt Behringer. Doch ein bisschen Idealismus gehöre sicherlich auch dazu.

Jugendfeuerwehr mit einem Zeltlager im Allgäu

Die Arbeit bei der Jugendfeuerwehr bietet zudem einige Highlights. „Alle zwei Jahre gehen wir mit der Jugendgruppe ins Allgäu ins Zeltlager. Das ist seit den Achtzigerjahren eine Tradition bei uns“, erklärt Behringer. Auch die Treffen mit anderen Jugendfeuerwehren beim Kreisjugendfeuerwehrtag und dem dazugehörigen Kreispokal seien mit Rot im Kalender der Kinder und Jugendlichen markiert. Ein weiteres Highlight sei der Berufsfeuerwehrtag, sagt Behringer. „Wir versuchen, mit spielerischen Einsätzen und einer Übernachtung im Feuerwehrhaus eine 24-Stunden-Schicht darzustellen“, erklärt er.

Ein wichtiger Aspekt der Jugendarbeit ist auch die Nachwuchsgewinnung für den eigentlichen Einsatzdienst. Daher sei eines der wichtigen Themen, die Kinder und Jugendlichen langfristig zu motivieren. „Sechs bis 18 Jahre sind eine lange Zeitspanne“, sagt Behringer. Deshalb gibt es ein Mal jährlich ein Treffen der Jugendleiter, bei dem besprochen wird, wie sich die Jugendarbeit bei der Hochdorfer Feuerwehr weiterentwickeln kann. Insgesamt fällt das Fazit positiv aus. „Wir können wirklich sehr zufrieden sein“, sagt Behringer.

Werte, Feier und Projekte

Verantwortung
Die Jugendfeuerwehr Baden-Württemberg hat mit dem Projekt „KaReVeTo“ einen Rahmen für die Jugendarbeit formuliert. Kameradschaft, Respekt, Verantwortung und Toleranz sind Werte, die bei den Jugendfeuerwehren vermittelt werden sollen.

Jubiläum
Neben dem großen 150-Jahre-Jubiläum der Feuerwehr Hochdorf feiert auch die Jugendfeuerwehr in diesem Jahr einen besonderen Jahrestag. „Da unser 50-jähriges Bestehen in die Corona-Pandemie fiel, wollen wir das dieses Jahr ein wenig nachfeiern“, erklärt Behringer.

Jugendausschuss
Um die Jugendlichen stärker miteinzubeziehen, wurde für die Jugendgruppe 2019 ein Jugendausschuss gegründet. In diesem treffen sich die Mitglieder mit einem der Jugendleiter und organisieren beispielsweise eigene Projekte oder den Kauf von Ausstattung wie Rucksäcken. Die gewählten Jugendsprecher nehmen auch an den Jugendforen auf Kreisebene teil.

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