Kreis Göppigen feilt am neuen Müllkonzept Bürger sollen weniger wegwerfen

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Bevor der Kreistag über eine Vertragsänderung zur Kapazitätsausweitung im Müllofen entscheidet, wird demonstriert – und das Müllkonzept kommt auf den Prüfstand.

Um die Mülltrennung zu fördern, könnten die Haushalte mit Tonnen für verschiedene Abfallsorten ausgestattet werden. Foto: dpa
Um die Mülltrennung zu fördern, könnten die Haushalte mit Tonnen für verschiedene Abfallsorten ausgestattet werden. Foto: dpa

Kreis Göppingen - Im Kreis Göppingen wird seit Jahren deutlich mehr Müll produziert als anderswo. Vor allem beim Restmüll werfen die Kreisbewohner viel mehr in die Tonne und gleichzeitig wesentlich weniger in den Biobeutel als die Haushalte im Landesdurchschnitt. Höchste Zeit also, mit einem neuen Müllkonzept Anreize für die Müllvermeidung zu schaffen. Gleichzeitig ist der Unmut über die thermische Entsorgung im Göppinger Müllheizkraftwerk in der Bevölkerung nicht zu überhören, der sich in Unterschriftenaktionen und Resolutionen äußert. Auslöser ist der Antrag des privaten Betreibers des Müllofens, der Energy from Waste (EEW) mit Sitz in Helmstedt, die Verbrennungskapazität um rund 22 000 Tonnen auf jährlich 180 000 Tonnen zu steigern.

Auf welche Weise können die Bürger an dem neuen Müllkonzept mitwirken?

Der Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises hat auf der Seite www.awb-gp.de einen Online-Fragebogen platziert, mit dem die Erfahrungen und Bedürfnisse der Kreis­bewohner abgefragt werden sollen. Gefragt wird beispielsweise nach der Akzeptanz von zusätzlichen Mülltonnen für den Bioabfall und für Papier.

Welche Entsorgungsmöglichkeiten stehen zur Debatte?

Es geht um die Frage, ob feste Behälter einem Sack- oder Beutelsystem vorzuziehen sind. So könnten jeweils eigene Tonnen für Restmüll, Bioabfall, Papier und Wertstoffe angeboten werden. Der Abfallwirtschaftsbetrieb macht darauf aufmerksam, dass für zusätzliche Abfallbehälter ausreichende Stellflächen nötig sind. Und was auf den ersten Blick vorteilhaft und komfortabel erscheine, könne mehr Aufwand für den Einzelnen bedeuten, beispielsweise bei der Sauberhaltung des neuen Gefäßes.

Mit welchen Kosten müssen die Bürger rechnen?

Die künftige Gebührenstruktur steht noch nicht fest. Am 23. Oktober wird sich der Kreistagsausschuss damit näher beschäftigen. Unstrittig ist inzwischen immerhin, dass finanzielle Anreize geschaffen werden sollen, um die Müllvermeidung und Mülltrennung durch die Kreisbewohner zu steigern. Dafür sollen gestaffelte Gebühren sorgen. Zusätzlich ist geplant, die Jahresgebühr zu senken und die Gebühr für die jeweiligen Leerungen zu erhöhen. Bereits seit der letzten Gebührenumstellung im Januar 2018 können Bürger Geld sparen, wenn sie ihre Tonne nur noch alle vier statt alle zwei Wochen leeren lassen. Derzeit zahlt eine vierköpfige Familie für eine 120-Liter-Tonne, die alle vier Wochen geleert wird, 139,80 Euro. Im Landesdurchschnitt sind es 152 Euro.

Wie wirkt sich das auf die erfassten Mengen aus?

Wenn der Müll im Kreis Göppingen künftig mengenabhängig abgerechnet werde, schaffe das einen wesentlich höheren Anreiz für die Bürgerinnen und Bürger, erklärt Klaus Gellenbeck, den die Kreisverwaltung als Experten hinzugezogen hat. Er rechnet mit 20 bis 30 Prozent weniger Restmüll. Gellenbeck ist geschäftsführender Gesellschafter des Instituts für Abfall, Abwasser und Infrastrukturmanagement sowie Lehrbeauftragter an der Hochschule Münster und berät seit Jahren Bundes- und Landesregierungen in abfallwirtschaftlichen Fragen. Angestrebt wird nun ein System mit 60-, 120- und 240-Liter-Tonnen.

Wann wird das neue Müllkonzept umgesetzt?

Im Februar soll der Kreistag über ein neues Gesamtkonzept abstimmen, dafür wird die Ausschreibung anschließend vorbereitet. Den bisherigen Sammelvertrag mit der ETG hatte der Kreistagsausschuss im Juni nochmals verlängert. Er gilt bis Ende 2021. Die Verlängerungszeit soll genutzt werden, um die Abfuhrkonzeption in Verbindung mit einem zukunftweisenden Gebührensystem zu einem Konzept aus einem Guss zusammenzufügen.




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