Kreis Göppingen Die Wespen sind los
Mit Wespen stehen viele Menschen auf Kriegsfuß. Das trockene Frühjahr war günstig für ihre Entwicklung. Ein Experte gibt Tipps zum Umgang mit den Insekten.
Mit Wespen stehen viele Menschen auf Kriegsfuß. Das trockene Frühjahr war günstig für ihre Entwicklung. Ein Experte gibt Tipps zum Umgang mit den Insekten.
Auch im Landkreis sind die Wespen sehr aktiv, sobald sie keine Larven mehr versorgen, sind sie auf der Suche nach zuckerhaltiger Nahrung, was sich durchaus am Kaffeetisch im Garten bemerkbar macht. Meldepflichten für Wespen oder ein Wespen-Monitoring bestehen nicht, deshalb kann das Umweltschutzamt keine verlässlichen Daten zum Aufkommen liefern. SchädlingsHero, eine bundesweite Plattform zur Vermittlung von Schädlingsbekämpfern, hat dennoch Daten ausgewertet.
Auf der Basis von 16.000 bundesweiten Kundenanfragen zur Wespennest-Entfernung wurde das Aufkommen ermittelt. Während der milde Winter eine hohe Überlebensrate bei den Wespenköniginnen gesichert und das trockene Frühjahr zusätzlich gute Entwicklungsbedingungen geboten hat, war die Aktivität der Insekten im Juli durch das nasskalte Wetter eher gering. Wespenpopulationen reagieren sehr sensibel auf wechselnde Wetterlagen. „Gefühlt gibt es deutlich mehr Wespen als im Vorjahr“, sagt der Gingener Schädlingsbekämpfer Tim Stanzel. Er habe mindestens doppelt so viele Wespennester entfernt wie im Vorjahr. Die Monate April und Mai waren trocken, das sei für die Wespen eine sehr günstige Witterung gewesen. Durch den vielen Regen wurden die Nester feucht, was das Faulen begünstigen könne. „Wenn es im späteren Jahresverlauf sehr nass wird, ist das kein großes Problem mehr“, sagt Stanzel.
Rollladenkästen und Dachböden seien bevorzugte Standorte für Wespennester, die derzeit die Größe von 1,5 Fußbällen hätten. Je nach Lage und Jahreszeit hat er zwei Möglichkeiten, um die Wespennester zu entfernen. „Entweder umsiedeln oder abtöten“, erklärt der Fachmann. Jetzt sei eine Umsiedlung allerdings, wegen der beachtlichen Nestgröße, fast nicht mehr möglich. Die Jungköniginnen flögen ungefähr Mitte Oktober aus, bis zum ersten Frost seien Wespen meist noch aktiv, dann sterbe das Volk ab. „Ein vorhandenes Nest wird kein zweites Mal bewohnt“, erklärt Stanzel. Der Wespenreport zeigt, dass die Unterschiede beim Wespenaufkommen regional verschieden sind. Den Spitzenplatz bei den Wespennestern und damit der höchsten Populationsdichte belegt Hessen (37 Prozent), gefolgt von Niedersachsen (36 Prozent), Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen (34 Prozent) sowie Bayern (31 Prozent). Das Schlusslicht ist Berlin mit 23 Prozent der Anfragen.
Die warmen, trockenen Junitage führten zu einem deutlichen Anstieg der Wespenanfragen. Wie sich die Zahlen weiter entwickeln, hängt jetzt vom Wetter ab. Von den rund 700 Wespenarten Deutschlands suchen nur die Gemeine und die Deutsche Wespe den Kontakt zum Menschen. Auch im Landkreis gibt es jedes Jahr viele Anfragen zum Umgang mit Wespen oder Hornissen. „Um Nester zu entfernen oder Völker abzutöten, muss ein triftiger Grund vorliegen“, erklärt Schädlingsbekämpfer Tim Stanzel. Wer einige Regeln befolgt, kann in friedlicher Koexistenz mit den nützlichen Insekten leben. Wespen ernähren sich neben Nektar, Pollen und Pflanzensäften auch von proteinreicher Kost. Sie jagen Fliegen, Blattläuse, Raupen und andere Insekten sowie deren Larven und sind damit sozusagen die Gesundheitspolizei der Natur und erfüllen wichtige Funktionen im Naturkreislauf.
Schutzstatus
Wespen dürfen nicht getötet oder gefangen werden, sie stehen nach dem Bundesnaturschutzgesetz unter Artenschutz. Grundsätzlich dürfen Wespennester nur bei einer konkreten Gefahrenlage von Fachleuten entfernt werden.
Verhalten
Wespen stechen, wenn sie sich bedroht fühlen. Heftige Bewegungen sollten vermieden werden, sie anzupusten ist ebenfalls nicht ratsam, das im Atem enthaltene Kohlendioxid löst Abwehrverhalten aus. Hilfreich ist es, Nahrungsmittel und Getränke im Freien abzudecken.
Hilfe nach Wespenstich
Es hilft, eine halbierte Zwiebel auf den Stich zu drücken, die ätherischen Öle und die Verdunstungskälte lindern den Schmerz und die Schwellung an der Stichstelle. Anschließend sollte die gestochene Stelle gekühlt werden, das wirkt ebenfalls schmerzlindernd.