Kreis Göppingen Proteste von Eltern reißen nicht ab

Seitdem der neue Fahrplan zum 1. Dezember in Kraft getreten ist, mehren sich Beschwerden von Eltern über überfüllte Busse. Foto:  

Der Unmut über Kürzungen im Schülerverkehr findet kein Ende. Der Landkreis sieht aktuell keinen Grund nachzujustieren, die Stadt Göppingen sieht das allerdings anders

„Ein Schulbus, bei dem eine Zehnjährige eine jeweils hälftige Chance hat, entweder mit Luft anhalten an die Tür gepresst gerade so noch befördert oder mit Tränen an der Haltestelle zurückgelassen zu werden, hat jede Verlässlichkeit für Kinder und Eltern verloren.“ Johannes Bader findet deutliche Worte. Seit dem Fahrplanwechsel zum 1. Dezember funktioniere der Schulbus 934A ab Rechberghausen überhaupt nicht mehr, sagt der Vater dreier Kinder, der mit seiner Familie im Göppinger Reusch wohnt. Trotz eigener Termine habe er seine Tochter kürzlich ins Mörike-Gymnasium fahren müssen, weil sie an der Haltestelle stehengelassen wurde. Die Schwester hatte sich als Letzte noch irgendwie in den Bus gequetscht. Deren Freundin, die zwei Haltestellen später einsteigt, habe auch schon wegen Überfüllung dem Bus hinterherschauen müssen. Das Ende vom Lied: „Jetzt fährt sie ihre Mutter wieder jeden Tag mit dem Auto in die Schule.“​

 

Der Unmut von Eltern über die Kürzungen im Schülerverkehr reißt nicht ab. Aus Kostengründen wird versucht, die Fahrzeuge „möglichst effizient“ einzusetzen. „Ohne diese Anpassungen müsste der Landkreis Göppingen den Nahverkehr in der gesamten Fläche zurückfahren. Das will der Landkreis vermeiden“, teilte der VVS-Sprecher Niklas Hetfleisch kürzlich mit. „Schulbusse sind so ziemlich das letzte, an dem gespart werden sollte“, meint jedoch Johannes Bader.

Unbeaufsichtigt bei Wind und Wetter

Mit dieser Ansicht steht er nicht alleine da. Eltern und deren Kinder aus Maitis und Lenglingen kämpfen genauso mit dem Fahrplanwechsel. „Der Schulbus zur zweiten Stunde ist weggefallen, die Kinder fahren jetzt mit dem Linienbus“, erzählt eine Mutter. Sie kritisiert, dass die Linie nur noch die Haltestelle „Stauferweg“ in Maitis anfahre, „die denkbar schlechteste und gefährlichste“ wegen des Durchgangsverkehrs in der Hauptstraße. Da der Linienbus früher fährt, seien die Kinder 25 bis 30 Minuten vor Schulbeginn an der Schule, dürften aber so früh das Gelände noch gar nicht betreten. „Die Sechs- bis Zehnjährigen stehen dort unbeaufsichtigt bei Wind und Wetter“, sagt die Mutter. „Die Schulleitung meinte, wir sollten wegen der 20 Minuten die Betreuung zur ersten Stunde anmelden, das sind 40 Euro im Monat mehr, nur weil der Bus gestrichen wurde und eigentlich ja sonst keine Betreuung notwendig wäre“, ergänzt eine andere Mutter, die genauso sauer ist. Die Argumente zahlreicher Eltern, die sich im Stich gelassen fühlen, ähneln sich. Die Betroffenen haben zumindest über die Wintermonate Fahrgemeinschaften gebildet und bringen ihren Nachwuchs selbst nach Wäschenbeuren.

Auch beim Göppinger Landratsamt kamen Beschwerden an. „Wir haben deshalb nach dem Fahrplanwechsel Gespräche mit dem Busunternehmen geführt sowie eigene Überprüfungen vor Ort vorgenommen“, teilt die Pressestelle mit. „Sowohl bei unseren eigenen Beobachtungen wie auch seitens des Busunternehmens wurde die Situation nicht als kritisch bzw. unzumutbar angesehen.“ Auch die Lage an den Haltestellen stuft das Landratsamt als nicht bedenklich oder gar gefährlich ein. Zudem schilderten Busfahrer die Busse zwar als voll, aber nicht überfüllt. Es seien keine Schüler an der Haltestelle zurückgelassen worden. Das Landratsamt habe großes Interesse daran, dass Schülerinnen und Schüler den ÖPNV nutzen, betont die Behörde, schränkt aber ein: „Dennoch darf auch die Wirtschaftlichkeit und Finanzierbarkeit nicht außer Acht gelassen werden.“ Das Landratsamt will die Situation „weiterhin vor Ort kritisch prüfen“, sieht aktuell jedoch keinen Grund nachzusteuern.

Das sieht man im Göppinger Rathaus, wo ebenfalls „zahlreiche Beschwerden“ betroffener Eltern ankamen, anders: „Die Stadtverwaltung teilt die Bedenken im Hinblick auf die Verkehrssicherheit an der Bushaltestelle an der Gmünder Straße in Maitis und sieht hier Handlungsbedarf“, teilt Pressesprecherin Claudia Leihenseder mit. Die Änderungen im Schulbusverkehr in Lenglingen und Maitis zum 1. Dezember seien für die Stadtverwaltung „überraschend“ gekommen. „Eine vorherige Abstimmung mit uns hat nicht stattgefunden. Eine frühzeitigere Information hätte es sowohl den Eltern als auch der Stadtverwaltung ermöglicht, auf die Fahrplanänderungen zu reagieren und sich an die geänderten Rahmenbedingungen anzupassen.“

Verkehrssicherheit im Vordergrund

ÖPNV und Schulbusbeförderung befinden sich in der Zuständigkeit des Landkreises. Die Stadt Göppingen will dennoch versuchen, „die durch die Fahrplanänderungen des Landkreises verursachten Verschlechterungen bei den Schulbusverbindungen und die damit verbundenen Auswirkungen für die Eltern insbesondere in Maitis abzumildern“, sagt Leihenseder. Es werden verschiedene Möglichkeiten geprüft, um die Situation zu verbessern. Im Vordergrund stehe hier die Verkehrssicherheit. Als Sofortmaßnahme werde nun vermehrt die Geschwindigkeit auf Höhe der betroffenen Bushaltestelle in Maitis kontrolliert, hier gilt Tempo 30. Johannes Bader sieht noch ein weiteres Problem: „Das Bild, das die Kinder so bereits im frühen Alter vom ÖPNV bekommen, dürfte jedenfalls (negativ) prägend sein. Zudem ist schon dieser Zustand ein Förderprogramm für Elterntaxis, die doch eigentlich keiner will.“​​​​

Europaweite Ausschreibung

Neuerungen
 Erstmals hatte der Kreis Göppingen Busverkehre europaweit neu ausgeschrieben, mehrere neue Linien nahmen daraufhin zum 1. Dezember ihren Betrieb auf. Zum gleichen Zeitpunkt baute der Verband Region Stuttgart die Relex-Expressbuslinie X93 Göppingen-Lorch von einem Stunden- zu einem Halbstundentakt aus.

Verbindungen
 Neue Verbindungen im Öffentlichen Personennahverkehr gibt es im Schurwald im Bereich Göppingen, Rechberghausen, Birenbach, Börtlingen, Wäschenbeuren, Adelberg, Schorndorf und Schwäbisch Gmünd sowie im Bereich Göppingen, Eislingen, Salach und Ottenbach. Im Zuge der Neuerungen – und wegen des Kostendrucks – gibt es auch entsprechend Änderungen im täglichen Schülerverkehr.​ 

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