Kreis Konstanz Traumkonditionen für die Deutsche Kliniken Holding

Von Wolfgang Messner 

„Steil und kurvenreich“ sei seine Laufbahn verlaufen, urteilt die „Welt am Sonntag“ über die Karriere des Peter Paul Gardosch. Auf alle Fälle ist der 54-Jährige sehr umtriebig. Mal dies, mal das. Auf so einen wird offenbar irgendwann auch das Fernsehen aufmerksam. In der Dokusoap „Reality Affairs“ auf Pro Sieben mimte er den Problemlöser. Bei „Schluss mit Hotel Mama“ auf Kabel 1 brachte er als „Persönlichkeitstrainer“ notorische Stubenhocker auf Trab. „Dr. Peter Gardosch besitzt die Ausstrahlung, Kompetenz und Glaubwürdigkeit, die eine Fernsehpersönlichkeit braucht“, begründet der TV-Sender seine Wahl.

An jenem Februarmorgen 2011 im Singener Rathaus erfährt die Öffentlichkeit, dass Gardosch von Krosigk nun die Hochrhein-Eggberg-Klinik und die Klinik Sankt Marien erworben hat. Käufer ist die Deutsche Kliniken-Holding, die Gardosch erst ein gutes Jahr zuvor zusammen mit Fred Vock, einem auf Klinikführung spezialisierten Betriebswirt, gegründet hat.

Wobei „Käufer“ in diesem Fall ein relativer Begriff ist. Zumindest, wenn man damit verbindet, dass ein Käufer das bezahlt, was eine Sache wert ist – oder überhaupt etwas bezahlt. Die Rehaklinik Sankt Marien mit 154 Betten und knapp 80 Mitarbeitern und die Hochrhein-Eggberg-Klinik mit fast 200 Betten und mehr als hundert Mitarbeitern sind die ersten Akquisitionen, die der Deutschen Kliniken Holding glücken. Und es blieben bislang die einzigen, auch wenn in Präsentationen von „64 Transaktionen“ parliert wird, die „im Fokus“ stünden.

Nur bei der Klinik St. Marien zahlen die Manager

„Wir haben das bestmögliche Ergebnis erzielt“, lobt der HBH-Geschäftsführer Fischer den Deal. Über Einzelheiten wird Stillschweigen vereinbart. StZ-Recherchen zeigen, dass die Holding von Vock und Gardosch überaus vorteilhafte Bedingungen mit Kienbaum, Ehret & Co. aushandeln konnten. Insider sprechen von „Traumkonditionen“ für die weithin unbekannten Klinikbetreiber. Beide Häuser werden dem Branchenneuling für einen Euro überlassen. Zur Garnierung gibt es reichlich Finanzmittel obendrauf. Für die Hochrhein-Eggberg-Klinik unter anderem eine Garantie über fünf Millionen Euro Eigenkapital und Liquidität von zwei Millionen Euro.

Dazu kommen 1,3 Millionen Euro Investitionszuschüsse. Den Verlust im Geschäftsjahr 2011, dessen Höhe noch immer nicht benannt ist, kann die Holding ebenfalls zu Lasten des HBH-Verbundes verbuchen lassen. Für Kündigungen von Mitarbeitern bei einer Servicegesellschaft stehen noch mal mindestens 450 000 Euro bereit. Damit nicht genug, steht der HBH-Verbund auch noch für Darlehen und Schuldscheine in Höhe von 13,7 Millionen Euro gerade. Von der StZ mit den Zahlen konfrontiert, bezeichnet sie Gardosch von Krosigk als „Unsinn (...), der jeder Grundlage entbehrt“.

Bei der Rehaklinik Sankt Marien müssen die beiden Manager selbst in die Tasche greifen und 2,5 Millionen Euro berappen, um die GmbH von Hypotheken zu entlasten. 3,6 Millionen Euro Verbindlichkeiten übernimmt hier wiederum die HBH. Noch einmal 300 000 Euro muss der Verbund aufbringen und 80 000 Euro das Veronikawerk, der kirchliche Trägerverein. Dafür zeigen sich die Banken kulant und verzichten auf 30 Prozent der Forderungen.