Der Stand vom 3B-Tourismus punktet mit ansprechender Optik – und einer kostenlosen Weinverkostung. Foto: Simon Granville
Die Touristiker aus dem Kreis Ludwigsburg kämpfen auf der weltweit größten Freizeitmesse um Aufmerksamkeit. Die Voraussetzungen könnten unterschiedlicher kaum sein. Ein Besuch vor Ort.
Wer durch die Gänge der weltweit größten Publikumsmesse für Tourismus und Freizeit CMT in Stuttgart schlendert, wird förmlich erschlagen von der Flut an Angeboten. Sich bei der Konkurrenz aus nah und fern durchzusetzen, ist keine einfache Aufgabe. Doch die Touristiker aus dem Kreis Ludwigsburg haben selbst einiges zu bieten – wenn auch nur die Kreisstadt selbst ein überregionales Publikum erreicht.
Während am Stand des Landkreises eher weniger los ist, kann sich die Stadt Ludwigsburg nicht über zu wenige Interessenten beklagen. Das liegt sicherlich auch daran, dass das Team von Visit Ludwigsburg wieder ein umfangreiches und vor allem hochkarätiges Jahresprogramm präsentieren kann.
Kürbisausstellung ist überregional bekannt
Das Highlight 2026 ist sicherlich die Venezianische Messe auf dem Marktplatz, die nur alle zwei Jahre stattfindet. Dieses Jahr ist das Kostüm-Festival für das Wochenende vom 4. bis 6. September geplant – wie immer kostenlos. Der Circus Roncalli ist im Rahmen seiner 50-Jahre-Jubiläums-Tournee von 12. August bis 6. September im Blühenden Barock zu Gast. Dazu gibt es weitere Veranstaltungen in Residenzschloss und Blüba, wie die Schlossfestspiele oder die Kürbisausstellung.
Die meisten Besucher am Stand der städtischen Tourismus-Organisation Visit Ludwigsburg kommen aus Baden-Württemberg, von der Schwäbischen Alb bis Karlsruhe und von Heilbronn bis zum Bodensee. Auch eine Besucherin aus Rostock sei gekommen, erzählt Manuela Priber, die für Stadtführungen zuständig ist. „Sie kannte die Kürbisausstellung und wollte sich informieren, was man in Ludwigsburg sonst noch machen kann.“ Die Kürbisausstellung sei auch das, was die meisten Leute kennen, ergänzt ihre Kollegin Miriam Börner – kein Wunder, schließlich ist es die weltweit größte ihrer Art.
Der Stand von Visit Ludwigsburg punktet mit Sehenswürdigkeiten wie dem Residenzschloss oder dem Blühenden Barock. Foto: Simon Granville
Es gebe auch viele Gruppenanfragen aus anderen Bundesländern, die wissen wollten, was man an einem Tag in Ludwigsburg machen kann. Börner antwortet da meist scherzhaft: „Ein Tag ist eigentlich zu kurz. Wir haben zum Glück das Pfund, dass wir so viel haben.“ Neben den zahlreichen Veranstaltungen und Führungen erfreuen sich gerade auch die Genusstouren großer Beliebtheit – selbst in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. „Das Interesse ist ungebrochen“, sagt Priber.
Ein paar Meter weiter läuft der Kampf um Aufmerksamkeit schon um einiges beschwerlicher. „Man muss die Leute ansprechen“, sagt Rainer Abbenseth, Vorsitzender des Tobias-Mayer-Vereins, der ehrenamtlich den Stand von Marbach und Bottwartal vertritt. Von selbst kämen nur wenige an seinen Stand. „Und fast alle, die man anspricht, kennen Marbach zwar als Schillerstadt. Aber dass Marbach die höchste Museumsdichte Deutschlands hat, weiß kaum jemand.“
Marbach am Neckar ist vor allem als Schillerstadt bekannt – dabei gibt es noch deutlich mehr zu entdecken. Foto: Simon Granville
Sieben Museen auf rund 15.000 Einwohner, das könne keine andere Stadt Deutschlands toppen. Darunter ist auch das Tobias-Mayer-Museum, das vom Tobias-Mayer-Verein betrieben wird. Der wiederum veranstaltet dieses Jahr in Kooperation mit der Stadt Marbach erstmals einen Science Slam. Dabei präsentieren fünf Nachwuchswissenschaftler in unterhaltsamen Kurzvorträgen das Neuste aus Ihrer Forschung – ehe das Publikum entscheidet, wer den besten Vortrag geliefert hat. Das Ganze findet am 20. Februar ab 20 Uhr in der Stadthalle statt.
Wein-Wanderung als Highlight beim 3B-Tourismus
Gäbe es eine Prämierung des schönsten Standes, derjenige von 3B-Tourismus hätte gute Chancen auf die Auszeichnung. Neben der optisch ansprechenden Dekoration mit beeindruckenden Bildern von Fachwerk und Steillagen lockt auch eine kostenlose Weinverkostung, an manchen Tagen auch Schnaps vom Schwäbischen Schnapsmuseum in Bönnigheim. „Das kommt natürlich gut an“, sagt Ina Klein, Pressesprecherin der Stadt Bietigheim-Bissingen.
Was Alkohol betrifft, haben die Städte Bietigheim-Bissingen, Besigheim und Bönnigheim, die zusammen 3B bilden, einiges zu bieten. Das Wein-Genuss-Wandern findet dieses Jahr am 9. August statt, die Route führt über Bietigheim, Ingersheim und Besigheim. „Die Beliebtheit ist den letzten Jahren weiter gestiegen“, sagt Klein. Auch die Lauschtouren – Stadtführungen per Audioguide auf dem eigenen Smartphone – würden weiter gut angenommen. Die meisten Interessenten an ihrem Stand seien Tagestouristen, häufig auch ältere Menschen. „Und sie kommen eigentlich alle aus der Region“, sagt Klein.
Deutlich unscheinbarer ist der Stand von Vaihingen an der Enz. Susanne Prochaska wirbt dort für die Stocherkahnfahrten auf der Enz. Die kann man entweder als Teil einer öffentlichen Gruppe machen – oder man bucht gleich einen ganzen Kahn. Auch Weinführungen bietet Vaihingen an, schließlich sei man auch eine Weinregion, betont Dagmar Widmaier von der Touristinformation.
Vaihingen an der Enz ist den Menschen vor allem durch den Enztal-Radweg ein Begriff. Foto: Simon Granville
Noch relativ unbekannt sind die Escape-Touren – interaktive Rätseltouren durch die Innenstadt –, die es seit mehr als fünf Jahren gibt. „Das wissen die wenigsten, selbst alteingesessene Vaihinger nicht“, sagt Widmaier. Mit dem Besucherandrang am Stand ist sie „sehr zufrieden“. Gäste kommen vor allem aus dem Großraum Stuttgart bis hin zum Bodensee. Von weiter weg komme dagegen kaum jemand zu ihnen. „Manche kennen Vaihingen durch den Enztal-Radweg, der sehr bekannt ist“, meint Prochaska. Die zugehörige Streckenkarte gehe „weg wie warme Semmeln.“
Neuer Jubiläumsradweg rund um den kompletten Landkreis
Apropos Radwege: Am Stand des Landkreises werden vor allem die touristischen Radwege beworben, die über die Grenzen einzelner Tourismus-Organisationen hinausgehen. Neu ist der Jubiläumsradweg anlässlich des 50-jährigen Bestehens des Landkreises, der zwar schon seit 2024 besteht, aber erst vor kurzem beschildert wurde. Auf rund 162 Kilometer führt der Radweg einmal rund um den kompletten Landkreis und durch 22 Kommunen – mit Start und Ziel in Ludwigsburg.
Der Landkreis Ludwigsburg wirbt mit seinem neuen Jubiläumsradweg durch 22 Kommunen. Foto: Simon Granville
„Der wird auch am stärksten nachgefragt“, sagt Sabine Schönberger, Leiterin des Geschäftsteils Tourismus des Landratsamts. Der Andrang an ihrem Stand sei „ganz okay“, wobei eher Besucher aus dem Südwesten kämen. Andererseits: Für die meisten Kommunen – Ludwigsburg mal ausgenommen – dürfte das als Zielgruppe ausreichen. Das sieht zumindest Susanne Prochaska aus Vaihingen an der Enz so: „Warum muss man so weit weg? Das Gute liegt doch so nah.“