Manchmal gilt es, durchzuhalten, bis man den Lohn für seine Arbeit einstreichen kann. Noch vor zwei Jahren sah es für Marcel Leuze und sein Cateringunternehmen Freetime Events gar nicht gut aus. Zu dieser Zeit wütete die Corona-Pandemie ordentlich. Seine neue Eventlocation, das Winkelwerk in Benningen, stand monatelang leer. Die Auftragsbücher waren blank. „Ohne staatliche Hilfen wäre da der Ofen aus gewesen“, sagt der Murrer, der sich unter anderem mit einem Genuss-Online-Shop über Wasser zu halten versuchte. Nun, zwei Jahre später, hat sich die Lage bei einem der führenden Caterer im Kreis Stuttgart komplett gedreht. Das Winkelwerk ist dauergebucht, die Cateringaufträge auf Dauer-Hoch. Im abgelaufenen Jahr konnte er seinen Umsatz mit drei Millionen Euro mehr als verdreifachen und die Mitarbeiterzahl auf mehr als 100 verdoppeln. Die Prognosen für 2023 versprechen eine erneute Steigerung. Woran das liegt? Da sind sich die großen Player im Catering-Kreis einig.
Viele kleinere Caterer sind vom Markt verschwunden
„Viele kleine Caterer sind im vergangenen Jahr vom Markt verschwunden und dann bei uns gelandet“, sagt Andreas Müller, Geschäftsführer von Better Taste, der mit rund 700 Mitarbeitern das größte Cateringunternehmen im Kreis Ludwigsburg betreibt. Ebenso wie Marcel Leuze kann Müller sich teilweise vor Anfragen gar nicht retten. „In bestimmten Monaten müssen wir derzeit gleich sagen: Wir können nichts mehr annehmen“, so Müller. Von April bis September müsse er beispielsweise jegliche Hochzeit ablehnen. Außerdem sei er aktuell dabei, sich auf weniger Locations zu beschränken, für die er das Catering übernimmt. Dies wiederum kommt Marcel Leuze und seiner Freetime Events GmbH zugute.
Leuze wird voraussichtlich unter anderem das Catering im Steinbachhof, eine der gefragtesten Locations für Hochzeiten, mit übernehmen. Auch die neue Eventlocation Bergwerk in Aspach wird er künftig exklusiv mit seinem Team kulinarisch bespielen. „Wir können dementsprechend rosig in die Zukunft schauen“, sagt der Murrer. Auch weil er im Gegensatz zu vielen anderen Betrieben in der Gastronomiebranche keine Probleme hat, Mitarbeiter zu bekommen. Das hat jedoch Gründe, sagt er selbst.
Früher gab es fast in jedem Ort einen Metzger mit Partyservice
„Wir zahlen unseren Leute abartig gute Gehälter und bieten unseren Köchen interessante Arbeitszeitmodelle“, so Leuze. Im Soll ist die personelle Lage auch bei Better Taste. „Wir bekommen die Leute, die wir benötigen“, sagt Andreas Müller. Er weiß aber auch, dass dies nicht selbstverständlich ist und viele kleine Caterer ihren Dienst genau aus diesem Grund einstellen mussten. Ebenso wie Metzgereien. „Früher hatte fast jeder Ort einen Metzger mit Cateringservice. Heute nicht mehr“, bestätigt Marcel Leuze. Freetime Events und Better Taste sind zwar nicht unbedingt die Caterer, die bei dieser Art von Feiern einspringen, den ein oder anderen Auftrag übernimmt Leuze aber dennoch.
Einer, für den mehr abfällt weil andere Metzgereien oder kleinere Caterer verschwunden sind oder einfach sonntags keine Aufträge mehr annehmen, ist Jürgen Sommer von der Metzgerei Sommer in Kleinbottwar. Vor allem am Wochenende wird er seit einem Vierteljahr vermehrt angefragt. „Alleine diesen Sonntag hatten wir drei Aufträge mit unserem Partyservice“, berichtet er. Während Corona sei sein Partyservice quasi tot gewesen, danach hätten sich die Aufträge gestapelt. Nun sei alles wieder im normalen Fluss. Außer sonntags eben. Solange er die Anfragen mit seinem Team stemmen könne, sage er zu. Bislang sei das gut machbar.
Der Murrer Marcel Leuze will mit seiner Firma Freetime Events expandieren
Um mehr Aufträge annehmen zu können, möchte Marcel Leuze derweil mit seiner Firma Freetime Events expandieren. „Nicht exorbitant, aber wir wollen investieren“, sagt er. In naher Zukunft soll es deshalb ein Gespräch mit Benningens Bürgermeister Klaus Warthon geben. „Wir suchen ein Gelände, auf dem wir erweitern können“, erklärt der Murrer, der rund 60 Prozent seines Umsatzes mit Privatkunden und 40 Prozent mit Firmenkunden erwirtschaftet. Ein ganz anderes Verhältnis als bei Better Taste etwa, bei dem das Privatkundengeschäft gerade einmal zehn Prozent ausmacht, wie Geschäftsführer Andreas Müller erklärt. Der Rest komme über das Eventcatering zustande. Und hier können er und sein Team dankbar über Kunden sein, die dem Unternehmen auch während Corona die Treue gehalten haben.
Better Taste, der große Player, hat Corona ganz gut überstanden
„Wir hatten den Vorteil, dass wir viele langfristige Aufträge hatten, zum Beispiel in der Automobilbranche“, sagt Andreas Müller. 2020, also während der Corona-Hochphase, hätten sich die Umsätze deshalb auch „nur“ halbiert und auch 2022 sei die Umsatzsteigerung mit 105 Prozent im Vergleich zum Jahr 2019 weniger krass ausgefallen aus als etwa bei Marcel Leuze. Doch bei dessen Unternehmen stand schließlich auch eine Weile fast alles still.
Was ist Catering?
Darunter versteht man die professionelle Bereitstellung von Speisen und Getränken an einem beliebigen Ort. Die Leistung reicht von der Anlieferung vorproduzierter Speisen bis hin zum Aufbau temporärer Gastronomiebetriebe. 2019 erwirtschaftete die deutsche Catering-Branche einen Umsatz von rund 9,9 Milliarden Euro, im Jahr 2020 waren es 6,9 Milliarden Euro und im Jahr 2021 rund 7 Milliarden Euro. Für das Jahr 2022 gibt es noch keine Erhebungen.
Unterschied zum Partyservice
Catering umfasst meistens auch die Miete von Geschirr und weiterem Equipment sowie das Bereitstellen von Servicepersonal. Der Partyservice beschränkt sich dagegen meist auf die Lieferung von Speisen.