Der Gewerbepark Eichwald soll kräftig wachsen. Das geht nicht nur Landwirten gegen den Strich. Inzwischen hat sogar das Landratsamt sein Veto eingelegt, weil für das Gebiet ein Naturdenkmal geopfert werden soll.

Ludwigsburg: Markus Klohr (mk)

Kreis Ludwigsburg - Der Kreis der Eingeweihten ist klein. Nur der Sachsenheimer Bürgermeister und Vorsitzende des Zweckverbands Eichwald, Horst Fiedler, sowie „ganz wenige enge Mitarbeiter“ wissen, welcher mysteriöse Großinvestor sich in dem Gewerbepark ansiedeln will. Der Name der Firma, für die der Zweckverband den Gewerbepark bei Großsachsenheim auf die Ackerflächen jenseits der Umgehungsstraße erweitern will, unterliege strengster Geheimhaltung. „Die Interessenten haben gesagt, wenn ihr Name bekannt wird, dann zögen sie sich zurück“, sagt Horst Fiedler.

In der Nachbargemeinde Sersheim, neben Sachsenheim, Bietigheim-Bissingen und Oberriexingen viertes Mitglied im Zweckverband, empfindet man das als Zumutung. Einerseits solle man im Eilverfahren der Ausdehnung des Gebiets auf dem Ex-Militärgelände zustimmen. Andererseits habe niemand eine Ahnung, wer der ominöse Investor sei. Man wolle nicht länger, „am Nasenring durch die Manege geführt werden“, hieß es im Gemeinderat. Per Antrag erbittet die Gemeinde, eingeweiht zuwerden, immerhin wurde den von der Expansion betroffenen Landwirten schon auf Ende Oktober die Pacht gekündigt.

Landwirten droht das Aus

Mit ihrem Unmut reihen die Sersheimer sich ein in eine bunte Truppe Betroffener, die unter dem enormen Flächenhunger – die Rede ist von zusätzlichen 22, womöglich sogar mehr als 30 Hektar – mehr oder weniger stark zu leiden haben. Schon vor der Sommerpause hatten die Hundesportler erfahren, dass der Sachsenheimring, eine Hunderennbahn, die ihresgleichen sucht, der Erweiterung des Gewerbeareals zum Opfer fällt. Inzwischen befürchten sogar einige Sachsenheimer Landwirte, dass ihr Hof dasselbe Schicksal erleide. „Es gibt Landwirte, die auf dem Eichwaldgelände mehr als zehn Hektar Ackerfläche bewirtschaften“, sagt Karl Willig. Der stellvertretende Bürgermeister von Sachsenheim und CDU-Stadtrat ist Landwirt und gilt als geistiger Vater eines kritischen Antrags, der am Donnerstag im Sachsenheimer Gemeinderat angenommen wurde. Ein unabhängiger Beirat, in dem auch Mediatoren sitzen, soll die Belange der Bauern berücksichtigen. Wenn der Zweckverband so rücksichtslos agiere wie beim ersten Bauabschnitt mit rund 60 Hektar nördlich der Umgehungsstraße, „dann müssten einige Kollegen womöglich ihren Hof aufgeben“, sagt Willig. Der Zweckverbandsvorsitzende sagt schon jetzt, dass er den Landwirten nicht viel anbieten könne. Ersatzflächen gebe es nicht. Allerdings würden alle Landwirte, die freiwillig auf das erneute Pachten der städtischen Grundstücke verzichten, mit 1800 Euro entschädigt. Mehr könne man nicht tun, „es geht schließlich um viele Arbeitsplätze“, sagt Horst Fiedler. Mit derselben Begründung wischt Fiedler auch die Kritik der Hundefreunde und der Sersheimer Verbandskollegen vom Tisch.

„Großes Interesse an Gewerbebsteuer“

Selbst die Tatsache, dass sich inzwischen sogar das Landratsamt Ludwigsburg kritisch zu den Erweiterungsplänen geäußert hat, ficht Fiedler nicht an. Schon früh hatte die dort angesiedelte Naturschutzbehörde deutlich gemacht, dass die ehemalige Landebahn für den Gewerbepark tabu sei. Das Areal wurde bis 1945 von der Wehrmacht genutzt und nach dem Krieg sich selbst überlassen. Seit 1993 ist es ein Naturdenkmal, in dem es eine hochwertige Flora und Fauna gebe. Die Behörde erbat sich zudem einen gebührenden Mindestabstand zu den Erweiterungsflächen.

Der Zweckverband ließ sich davon nicht beeindrucken. Er plante bis an die Grenze der Landebahn – und sah auf dem Gelände selbst sogar eine „Optionsfläche“ vor. Das Landratsamt sei sicher verhandlungsbereit, sagt Horst Fiedler auf Anfrage. Immerhin habe der Kreis „ein großes Interesse an der Erweiterung und den damit verbundenen Gewerbesteuern“. Zudem habe der Landrat ihm „seine persönliche Unterstützung zugesagt“, betont Fiedler.

Das stimme zwar, erwidert der Landrat Rainer Haas. Jedoch habe diese Zusage nie für die Landebahn gegolten, sie dürfe nicht bebaut werden. Wenn wirklich ein namhafter Investor komme, dann gebe es allenfalls die Möglichkeit, dafür neue Flächen im Regionalplan auszuweisen. „Das geht allerdings nur, wenn nachweislich Bedarf besteht – und nicht mal eben auf Zuruf.“

Kommentar: Wie die Axt im Walde

Wie die Axt im Walde

Eichwald: Arbeitsplätze und Wirtschaftsentwicklung sind hohe Güter. Sie rechtfertigen jedoch nicht die Überheblichkeit, mit der der Zweckverband agiert.

Es ist schon bemerkenswert, mit welcher Chuzpe der Zweckverband Eichwald praktisch alle betroffenen der Süderweiterung des Industrieparks auf einmal verprellt. Mit wenigen Worten des Bedauerns werden die Hundesportler abgespeist, die für ihren renommierten Sachsenheimring wohl niemals einen Ersatz finden werden. Die Juniorpartner aus Sersheim werden abgewatscht wie neugierige Schulbuben. Und die Interessen der Landwirte, von denen einigen eine Existenzkrise droht, kommen nur auf den Tisch, weil ihre Lobby in der Sachsenheimer CDU-Fraktion stark genug war. Doch außer einer mageren Abfindung haben wohl auch sie nichts vom Zweckverband zu erwarten. Mit ähnlicher Überheblichkeit agiert die Verbandsspitze gegenüber dem Landratsamt. Obwohl die Naturschutzbehörde längst deutlich gemacht hat, dass die ökologisch wertvolle Landebahn für die Erweiterung tabu ist, wird das Gebiet als „Optionsfläche“ eingeplant. Dabei war das einstige Flugfeld, als der Gewerbepark Eichwald geplant wurde, längst ein Naturdenkmal.

Wohlgemerkt: der Zweckverband setzt sich hier für Jobs und die Wirtschaft ein. Das sind bedeutende Ziele. Doch sie zu erreichen, sind nicht alle Mittel heilig. Dass die Verbandsspitze sich beim Landratsamt jetzt eine blutige Nase geholt hat, mag sie erzürnen. Doch die Botschaft ist klar: Selbst für ein noch so großes Wirtschaftswachstum dürfen die Belange der Natur nicht völlig außer Acht gelassen werden