Der Druck auf den Wohnungsmarkt ist riesig, wie eine Studie, die die Kreisverwaltung in Auftrag gegeben hat, zeigt. Sie macht auch deutlich, wie groß der Bedarf an bezahlbarem Wohnraum ist und wie viele Haushalte jeden Euro zweimal umdrehen müssen.

Dass zu wenig gebaut wird, ist gemeinhin bekannt. Für den Landkreis Ludwigsburg belegt dies nun auch eine Untersuchung eindrucksvoll, die das Öandratsamt beim Pestel-Institut in Hannover in Auftrag gegeben hatte.

Demnach fehlen in den 39 Städten und Gemeinden zwischen 6000 und 7000 Wohnungen, was einem mittelgroßen Dorf entspricht. Zur Veranschaulichung: Die Gemeinde Pleidelsheim hat ungefähr 6300 Einwohner. Die viel zu geringe Bautätigkeit hatte zuletzt mehrere Ursachen: Mangel an Rohstoffen und Fachkräften, zu lange Verfahren – und die wirtschaftliche Entwicklung mit Inflation und steigenden Zinsen führt inzwischen gar dazu, dass Bauträger Projekte wieder stornieren.

Laut dem Verfasser der Studie, Matthias Günther, habe der Angriffskrieg auf die Ukraine und der Flüchtlingsströme – auch im Kreis Ludwigsburg – die Situation zusätzlich verschärft. Die Studie geht von 3500 Flüchtlingen aus, die der Kreis im ersten Halbjahr aufnehmen musste.

Kreis wächst deutlich mehr als der Rest der Region

Auf lange Sicht hatten die Experten damit gerechnet, dass die Bevölkerung im Kreis eher abnimmt. Mit der Prognose lagen sie – die kurzfristigen Effekte durch Flüchtlinge außen vor gelassen – ordentlich daneben. Seit dem Jahr 1995 wuchs die Bevölkerung im Landkreis um 12,8 Prozent auf knapp 545 000 Einwohner – und damit im Landesvergleich (2,3 Prozent) weit überdurchschnittlich.

Besonders groß waren die Zuwächse in den vergangenen zehn Jahren beispielsweise in Remseck, Benningen und Hemmingen sowie im nördlichen Landkreis. Hier wuchs Kirchheim/Neckar (Plus 19 Prozent) am stärksten. Lediglich Affalterbach ist laut dem statistischen Landesamt als einzige Kommune nicht größer geworden. Insgesamt sei das Bild „sehr heterogen“, heißt es in der Studie.

Die Entwicklung lässt sich auf – neben der steigenden Zahl Geflüchteter – auf zwei weitere Dinge zurückführen: zum einen ist die Geburtenrate rund um Ludwigsburg nach wie vor deutlich höher als die Sterberate. Der zweite Faktor: die Region ist nach wie vor ein attraktiver Wirtschaftsstandort, der viele Menschen anzieht. Für die Lage am Wohnungsmarkt ist dabei unerheblich, dass längst nicht alle Menschen, die hier wohnen auch hier arbeiten. Alles in allem kommt der Bericht zu dem Ergebnis, dass die zuletzt durchschnittlich 1600 neuen Wohnungen pro Jahr, die im Kreis neu entstanden, deutlich zu wenig sind.

Immer mehr Menschen brauchen einen zweiten Job

Besonders schwierig ist die Wohnsituation – wenig überraschend – für Menschen mit niedrigem Einkommen. Und davon gibt es im Landkreis deutlich mehr, als man vielleicht denken könnte. Matthias Günther geht von mindestens 30 000 Haushalten aus, die ohnehin stark belastet sind und die bisherigen Mietsteigerungen kaum mehr verkraften können.

Wie gravierend die Situation ist, zeigt ein weiterer Befund der Studie: 25 000 Beschäftigten reicht ein Arbeitsplatz zum Leben nicht mehr, sie haben daneben noch einen Minijob. „Bei diesen Menschen muss tendenziell von einem eher niedrigen Einkommen ausgegangen werden, durch das ihre Zahlungsfähigkeit fürs Wohnen beschränkt ist. Das heißt, diese Personengruppe ist weit überwiegend auf ,bezahlbares Wohnen‘ angewiesen“, heißt es in dem Bericht.

Keine Besserung in Sicht

Landrat Dietmar Allgaier kennt das Problem. „Die Schaffung von mehr bezahlbarem Wohnraum hat für die Kreisverwaltung eine hohe Priorität“, sagt er und verweist auf verschiedene Anstrengungen seitens der Kreisverwaltung. Zuvorderst die neue Bürgergenossenschaft Wohnen und das Bündnis für bezahlbaren Wohnraum im Landkreis Ludwigsburg. Künftig werden weitere Anstrengungen der öffentlichen Hand nötig sein, darauf verweist auch der Bericht. Absehbar werde sich die Situation nicht ändern.

Wer beim Wohnen sparen will, der kann das laut Landratsamt eigentlich nur tun, indem er in eine kleinere Wohnung zieht. Allerdings dürfte das gerade bei Haushalten mit schmalen Geldbeutel kaum möglich sein, da bereits 2020 insgesamt 8,5 Millionen Haushalte in Deutschland in überbelegten Wohnungen lebten. In der Praxis scheitert ein solcher Schritt auch oft daran, dass die Mieten bei Neuvermietung deutlich erhöht werden. Und: auch im Kreis Ludwigsburg muss viel energetisch saniert werden, was die Preise voraussichtlich weiter steigen lassen wird.

Nachdem die Kommunen des in der Vergangenheit vor allem über Neubaugebiete den Wohnungsbau gesteuert hätten, werde künftig das Bauen im Bestand erheblich an Bedeutung gewinnen, so Günther. Darüber hinaus empfiehlt er den Bau kleinerer Wohnungen.