Der Restmüll verlässt komplett den Landkreis Ludwigsburg und wandert zum Großteil nach Stuttgart. Foto: picture alliance / Julian Strate
Auf den Deponien des Kreises Ludwigsburg landet viel Abfall aus der ganzen Region. Dass der Kreis aber keineswegs die „Müllhalde der Region“ ist, belegen nun Zahlen aus den letzten Jahren. Die meisten anderen Abfallarten werden nämlich nicht hier verwertet.
„Bei der Diskussion um einen neuen Deponiestandort wurde teilweise der Eindruck erweckt, nur der Kreis Ludwigsburg nehme Abfall aus der Region auf“, sagt Joachim Kölz von der CDU. Deshalb wolle man angesichts der aktuellen Deponiestandortsuche klar analysieren, wie die Verflechtungen in der Region beim Thema Müll aussehen. Das hat die AVL – die Abfallverwertungsgesellschaft des Landkreises – nun getan. Auf dieser Grundlage sei die Lastenverteilung in der Region deutlich geworden. „Es ist eben nicht so, dass der Kreis nur Abfall aufnimmt, sondern viel wird auch aus von uns in andere Kreise der Region und teilweise darüber hinaus verbracht“, sagt Kölz.
Die Zahlen, die die AVL im Ausschuss für Umwelt und Technik des Kreistags am Freitag präsentieren will, zeigten, so Kölz, dass es enge Verflechtungen beim Thema Müll und Abfall in der Region gibt.
Hauptgegenstand der Diskussion waren bislang die schon bestehenden Deponien im Landkreis Ludwigsburg. Am Froschgraben in Schwieberdingen und bei der Deponie Burghof in Vaihingen an der Enz wird an zwei Orten derzeit Bodenaushub aus dem Kreis Ludwigsburg sowie im Auftrag des Verbands Region Stuttgart (VRS) auch aus der gesamten Region aufgenommnen.
Hintergrund ist, dass der VRS zuständig ist für Bodenaushub der Deponieklasse 1 sowie Mineralische Abfälle der Klasse 2. Da der Verband selbst noch keine Deponie betreibt, hat man einen Vertrag mit dem Landkreis geschlossen wonach diese Abfälle hier entsorgt werden.
Auf der Deponie Am Froschgraben in Schwieberdingen landen viele Abfälle aus der Region. Foto: Werner Kuhnle
Von 2019 bis 2023 sind durch diese Regelung etwa 806 000 Tonnen Aushub und Abfälle aus der Region auf die beiden Deponien im Landkreis gebracht worden. Dem stehen in der gleichen Zeit etwa insgesamt 1,1 Millionen Tonnen Abfälle aus dem Landkreis gegenüber, die in den beiden Deponien eingebaut worden sind und aus verschiedenen Gründen (als Pflicht, ohne Pflicht oder zur internen Verwendung) dort landeten. „Hauptsächlich wegen der schwächelnden Baukonjunktur sind die Anlieferungen aus der Region aber in letzter Zeit dramatisch eingebrochen“, sagt Kölz.
Ein Grund für einen Rückgang in jüngster Vergangenheit sehen CDU und AVL auch in dem Bemühungen der AVL die Abfälle stärker zu recyceln und für andere Zwecke zu nutzen.
Restmüll verlässt den Kreis komplett
„Wichtig für die weitere Diskussion war uns auch, dass man sich bei der Betrachtung nicht nur auf Deponien fokussiert“, sagt Kölz. Die AVL lieferte deshalb auch Zahlen etwa zum Restmüll. Fast 323 000 Tonnen sind da im Kreis von 2019 bis 2023 angefallen. Zu 70 Prozent gingen diese in das Müllheizkraftwerk nach Stuttgart und zu 30 Prozent nach Mannheim.
Papier und Pappe mit langen Wegen
Knapp 180 000 Tonnen an Papier, Pappe und Karton wurden in den Jahren 2019 bis 2023 im Kreis Ludwigsburg weggeworfen. Bis Ende 2021 wurde die Abfälle im Enzkreis und in Benningen sortiert und deutschlandweit in Papierfabriken verwertet. Seit 2022 wird in Waiblingen und Ulm sortiert und weiterhin deutschlandweit verwertet.
Mit 162 000 Tonnen liegt der Biomüll auf der Abfallrangliste der Jahre 2019 bis 2023 auf Platz 3. Das meiste davon – etwa 70 Prozent – verlässt Baden-Württemberg und wird in Westheim in Rheinland-Pfalz in der Vergärungsanlage verwertet. 25 Prozent landen in Bad Rappenau und fünf Prozent in Sinsheim. Ein ähnliches Bild zeigen die Zahlen der AVL für Altglas, Restsperrmüll oder Altmetall. Einzig Baum-/Hecken- und Laub-Abfälle bleiben komplett im Kreis Ludwigsburg und werden in Kornwestheim verwertet.
Die Lehren für die weitere Diskussion
Laut Kölz zeigten die Daten der AVL, dass der Kreis Ludwigsburg mitnichten einfach nur die Müllhalde der Region ist. Vielmehr gelte es alle Verflechtungen genau zu betrachten. Vor dem Hintergrund der Deponiestandort-Suche des VRS will Kölz dies aber nicht als Zeichen für eine neue Deponie im Kreis Ludwigsburg verstanden wissen. Es solle die Diskussion nur auf eine datenbasierte Grundlage heben. „Irgendwann sind alle Deponien verfüllt. Das geht zwar langsamer als bislang vielleicht vermutet, aber auch für diese Zeit muss man sich wappnen“, sagt der CDU-Sprecher im Ausschuss für Umwelt und Technik.
Der Vorschlag von Verwaltung und AVL, den Druck auf den VRS mit einer Verlängerung des Vertrags zu Deponieabfällen nur um drei statt fünf Jahre finde nichtsdestotrotz Unterstützung bei der CDU, sagt Kölz. Nur müsse die Suche der VRS eben offen gestaltet werden.
So sucht die Region nach einem Deponie-Standort
Bürgerbeteiligung Bei der Suche nach einem Standort für eine neue Deponie will der Verband Region Stuttgart Bürger beteiligen. Dazu wurden schon Interessenverbände, die Abfallwirtschaft, Naturschutzverbände, Kommunen, politische Vertreter sowie die Fraktionen der Regionalversammlung angehört. In der zweiten Stufe folgte eine Online-Beteiligung. Die dritte Stufe startet nun mit einem Bürgerforum. 50 zufällig ausgewählte Bürger aus 21 Kommunen hören dabei Experten und erstellen einen Kriterienkatalog für die Suche.
Ende Etwa zehn Jahre vergehen laut Experten von Planungsstart bis zur Inbetriebnahme einer Deponie. Die Pflicht, Abfälle der Region anzunehmen endet für den Kreis Ludwigsburg aber Ende 2024. Die Kreisverwaltung spricht sich für eine Verlängerung der Übernahmeverpflichtung aus, allerdings nicht, wie bislang für fünf sondern nur für drei Jahre, um Druck auf die Region zu machen.