Kreis Ludwigsburg Nahversorgung in der Krise?

I Foto: factum/ Granville
I Foto: factum/ Granville

Am Rand von Neckarweihingen eröffnet ein großer Lebensmittelmarkt. Die Ortsmitte wird das nicht beleben. Andernorts sieht es ganz düster aus: In Freudental etwa gibt es seit Langem gar keinen Discounter mehr. Eine Bestandsaufnahme.

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Hilke Lorenz (ilo)
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Kreis Ludwigsburg - Irgendwann wird jeder Bürgermeister zum Einkaufsexperten. Spätestens, wenn der letzte Lebensmittelladen in seiner Kommune schließt oder ein Teilort ohne Versorgung ist. Erst ab 4000 Einwohnern rechne sich ein Lebensmittelladen, so die Faustregel der Branche. Die Lage an einer überörtlichen Verbindungsstraße gilt ebenfalls als Muss. Viele kleine Orte im Kreis Ludwigsburg gehen unter diesen Vorzeichen deshalb leer aus. Discounter winken nur ab, wenn der Schultes einer kleinen Kommune bei ihnen anklopft.

Neubau in Neckarweihingen

Solche Sorgen kennt der Ludwigsburger Oberbürgermeister Werner Spec nicht. Und wenn, dann in anderer Form. Im Teilort Neckarweihingen eröffnet in dieser Woche ein Edeka-Markt mit einer Verkaufsfläche von knapp 1300 Quadrat­metern. Er liegt an der Landesstraße nach Marbach, am Rand des Neubaugebiets Neckarterrassen. „Wir freuen uns, dass dieser Markt aufmacht“, sagt Spec. Er verhehlt aber nicht, dass er einen Markt in der Ortsmitte für besser gehalten hätte. Ein Lebensmittelmarkt dort hätte als Frequenzbringer auch einen positiven Effekt auf die kleinen Geschäfte entlang der Hauptstraße haben können, so Specs Hoffnung. Vor drei Jahren hatten die Bewohner in einer Bürgerbefragung jedoch gegen eine solche Lösung – damals als Kombinationsbau mit der Friedrich-von-Keller-Schule – in der Schwarzwalstraße gestimmt. Randlagen seien für die Ortsstruktur immer kontraproduktiv, ist Specs Überzeugung.

Der Supermarkt belebt Neckarweihingens Ortsmitte nicht

Auch Roland Schmierer, der als Mitglied des Stadtteilausschusses und als Vorsitzender des Neckarweihinger Bürgervereins aus Überzeugung mitten im Ortskern in seinem Elternhaus wohnt, ist nicht hundertprozentig glücklich über den Standort des neuen Edeka-Marktes. Er erinnert sich an Aktionen wie „Lauf nicht fort, kauf am Ort“, mit denen man auf den Zusammenhang zwischen Angebot und Nachfrage hingewiesen habe. „Der Ortskern ist wichtig“, sagt Schmierer. Es gehe um Begegnungsmöglichkeiten, um den Stadtteil zu beleben. Die Sanierung der Hauptstraße sei 20 Jahre zu spät gekommen, um den Prozess der Verödung aufzuhalten.

Kein Laden in Freudental




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