Der Einzelhandel in der Stadt Ludwigsburg lockt viele Menschen an – wenig überraschend. Doch auch zwei eher beschauliche Örtchen im Landkreis erweisen sich als echte Einkaufs-Hotspots.

Im Einzelhandel im Landkreis Ludwigsburg wurden allein in diesem Jahr gut 3,4 Milliarden Euro umgesetzt – davon gehen mehr als eine Milliarde Euro auf das Konto der Stadt Ludwigsburg. Hier wird mehr Geld in den Geschäften ausgegeben als in jeder anderen Kommune im Landkreis – und auch im bundesweiten Vergleich steht die Stadt sehr gut da. Aber wie sieht es im Rest des Landkreises aus?

 

Die Zahlen dazu gehen aus der Übersicht „Einzelhandelskennzahlen 2025“ der IHK-Bezirkskammer Ludwigsburg hervor. Demnach wird auch in Bietigheim-Bissingen mit knapp 402 Millionen Euro eine Menge Geld im Einzelhandel umgesetzt, gefolgt von Kornwestheim mit gut 233 Millionen Euro. Gemessen an der Einwohnerzahl tun sich aber zwei eher beschauliche Örtchen überraschend hervor: Steinheim an der Murr und Kirchheim am Neckar.

Kleine Gemeinden haben es oft schwer

Die Statistik zu den Einzelhandelskennzahlen gibt im Wesentlichen Aufschluss über zwei Dinge: Wie hoch ist die Kaufkraft einer Gemeinde, also wie viel Geld haben die Menschen für den Handel vor Ort oder online zur Verfügung, und wie hoch sind die tatsächlichen Umsätze bei den Händlern vor Ort? Beides fließt in die sogenannte Zentralitätskennziffer ein, erklärt Reiner Boucsein, stellvertretender Geschäftsführer der IHK-Bezirkskammer Ludwigsburg. Werte über 100 liegen über dem bundesweiten Durchschnitt und zeigen, dass auch Menschen von außerhalb gerne dort shoppen gehen.

Der wenig überraschende Spitzenreiter im Landkreis ist natürlich Ludwigsburg selbst mit einer Zentralitätskennziffer von 153 – allerdings direkt gefolgt von Kirchheim mit seinen nicht mal 6000 Einwohnern (Kennziffer: 142) und Steinheim. Hier wurden 63 Millionen beziehungsweise 121 Millionen Euro umgesetzt. „Zum hohen Kaufkraftzufluss tragen die dezentralen Verkaufsflächen erheblich bei“, erklärt Reiner Boucsein. Erst auf dem vierten Platz folgt Bietigheim-Bissingen.

Ganz schlecht sieht es für kleinere Gemeinden wie Sersheim, Oberriexingen oder Erdmannhausen aus. Das Schlusslicht im Kreis bildet Hessigheim mit einer Zentralitätskennziffer von lediglich 17,6.

Eine Sache fällt beim bundesweiten Vergleich direkt auf: Obwohl der gesamte Landkreis Ludwigsburg eine relativ hohe Kaufkraft hat, sprich, die Menschen im Schnitt mehr Geld für Einkäufe übrig haben als der bundesweite Durchschnitt, liegt der Umsatz im Einzelhandel deutlich darunter. Das heißt: Die Menschen verdienen zwar mehr Geld, geben es aber lieber woanders aus, zum Beispiel online – oder gar nicht. So liegt die Zentralitätskennziffer mit 86 weit unter dem Bundesdurchschnitt. Zum Vergleich: Die Stadt Stuttgart hat einen Wert von 110.

„Kaufkraftkrösus ist Gerlingen“

Aber wie viel haben die Einwohner im Kreis nun eigentlich fürs Shoppen zur Verfügung? Nach den Erhebungen der IHK liegt die Kaufkraft pro Kopf durchschnittlich bei etwa 8500 Euro. Zum Vergleich: Der Bundesdurchschnitt liegt bei etwa 7850 Euro, die Region Stuttgart bei 8420. „Kaufkraftkrösus ist Gerlingen mit 10.319 Euro“, so Boucsein.

„Wir hoffen, dass sich die gesamtwirtschaftliche Unsicherheit nach und nach verringert, zugunsten einer klaren Wachstumsperspektive“, ergänzt der Ludwigsburger IHK-Präsident Axel Kunkel mit Blick auf die derzeitige Konsumzurückhaltung. „Das würde auch für mehr Kauflaune und weniger Vorsichtssparen sorgen.“