Nach wie vor platzen die Gemeinschaftsschulen im Landkreis Ludwigsburg aus allen Nähten – eine Entlastung ist jedoch nicht in Sicht.

Ludwigsburg: Melanie Braun (meb)

Ludwigsburg - Gemeinschaftsschulen stehen nach wie vor hoch im Kurs. Inzwischen gibt es schon 15 Standorte im Kreis Ludwigsburg – doch die reichen hinten und vorne nicht. Insbesondere die Schulen in Möglingen und Schwieberdingen platzen aus allen Nähten. Abhilfe könnte eine Gemeinschaftsschule in Markgröningen schaffen. Doch eine solche will man in der Schäferlaufstadt nicht einrichten – obwohl das Schulzentrum am Benzberg, das derzeit für rund 27 Millionen Euro saniert wird, noch nicht ausgelastet ist.

Für die Stadt Markgröningen ist die Sache klar: Eine Gemeinschaftsschule ist hier weder möglich noch gewünscht. „Wir setzen ganz bewusst weiter auf die Realschule“, sagt Frank Blessing, der Leiter des Fachbereichs Externer Service. Denn diese werde sehr gut angenommen, es kämen sogar immer mehr Schüler. Laut Blessing liegt das auch daran, dass es künftig möglich ist, dort einen Hauptschulabschluss zu machen.

Aber auch die Schülerzahl des Hans-Grüninger-Gymnasiums am Benzberg soll weiter wachsen: Künftig sei dort Platz für 700 Schüler, sagt Blessing. Derzeit besuchen rund 550 Jugendliche die Schule. Das frisch sanierte Gymnasium – die Realschule wird noch gerichtet – für eine Gemeinschaftsschule zu nutzen, hält man bei der Stadt aber für unmöglich.

Markgröningen will Neuplanung vermeiden

Der Fachbereichsleiter ärgert sich über die mancherorts angestellten Berechnungen, nach denen das sanierte Gymnasium Platz für 1000 Schüler bieten müsse, weil dies vor dem Umbau auch der Fall war. „Die Anforderungen an die Schulen haben sich doch völlig geändert“, sagt er. Angesichts der Mensa und vieler weiterer Fach- und Nutzräume reiche die Fläche längst nicht mehr für 1000 Schüler. Zudem benötige eine Gemeinschaftsschule ein ganz anderes Raumprogramm – und mitten im Bau wolle man die Planungen nun keinesfalls mehr ändern. Nicht zuletzt, weil das die ohnehin horrenden Kosten wohl weiter in die Höhe treiben würde.

In Möglingen und Schwieberdingen wünscht man sich jedoch dringend Entlastung. „Bei uns wurde die Situation jetzt noch verschärft“, klagt Thomas Schäfer, der Bürgermeister von Hemmingen. Seine Gemeinde ist zusammen mit der Nachbarkommune Träger der Glemstalschule in Schwieberdingen. Im Sommer hatte das Land nach einem langen Zwist zwischen den Trägergemeinden entschieden, dass in diesem Schuljahr fünf neue Klassen an der Gemeinschaftsschule entstehen, obwohl diese nur auf vier Parallelklassen ausgelegt ist. Nun hätten die Realschüler, die ebenfalls an dem Standort unterrichtet werden, das Nachsehen, kritisiert Schäfer: „Sie haben kaum feste Klassenzimmer, sondern müssen ständig wandern.“ Auch sonst platze das Schulzentrum aus allen Nähten: Gegessen werde inzwischen in Containern auf dem Schulhof.

Hanfbachschule wird nur zweizügig neu gebaut

In Möglingen wird die Hanfbachschule derzeit zwar für fast 20 Millionen Euro ganz neu gebaut – allerdings nur zweizügig, obwohl die Gemeinschaftsschule seit drei Jahren dreizügig läuft. Der Antrag, den Neubau auf Dreizügigkeit auszurichten, sei vom Land abgelehnt worden, berichtet die Bürgermeisterin Rebecca Schwaderer. Für sie – ebenso wie für die Verantwortlichen der Schwieberdinger Schule – ist eine Entlastung nur durch eine weitere Gemeinschaftsschule in der Nähe denkbar.

In Ludwigsburg sieht es ähnlich aus. Die in diesem Schuljahr eröffnete Gemeinschaftsschule wurde von Anfang überrannt. Nun ist man mit Hochdruck dabei, einen zweiten Standort zu suchen, zur Auswahl stehen die Hirschbergschule in Eglosheim und die Schulen am Berliner Platz in der Oststadt. Wer das Rennen macht, ist allerdings noch unklar.

Standorte im Landkreis

Umwandlung
Im Kreis Ludwigsburg gibt es inzwischen 15 Gemeinschaftsschulen. Davon wurden 14 an bereits bestehenden Schulen eingerichtet. Den Anfang machten im Schuljahr 2013/2014 Ditzingen, Freiberg, Möglingen, Remseck und Schwieberdingen (in Kooperation mit Hemmingen). Im Jahr darauf folgten Besigheim, Kornwestheim, Marbach/ Neckar, Sachsenheim und Vaihingen/Enz mit eigenen Gemeinschaftsschulen. Inzwischen sind auch die Standorte in Kirchheim/Neckar und Steinheim/Murr in Betrieb, ebenso zwei Schulen in Bietigheim-Bissingen.

Neugründung
Am Standort in der Ludwigsburger Innenstadt befindet sich seit diesem Schuljahr die einzige neu gegründete Gemeinschaftsschule im Landkreis.

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