Kreis Ludwigsburg Überraschender Beschluss: Marbach bekommt neues Hallenbad – in abgespeckter Form

Das alte Bad wird durch ein Neues ersetzt. Das ist nun ausgemachte Sache. Foto: Archiv (Avanti/Ralf Poller)

Der Gemeinderat der Stadt Marbach (Kreis Ludwigsburg) hat überraschenderweise schon am Donnerstagabend entschieden, eine Sportstätte zu bauen – allerdings nur mit einem Becken. Die große Lösung mit zwei Becken ist vom Tisch.

Es hatte fast etwas Handstreichartiges, wie der Gemeinderat am Donnerstagabend entschieden hat, ein neues Hallenbad mit einem Becken zu bauen. Denn ursprünglich sollte in der Sitzung lediglich der Grundsatzbeschluss gefasst werden, überhaupt Ersatz für das seit zweieinhalb Jahren geschlossene und zum Abriss freigegebene Hermann-Zanker-Bad zu schaffen. Erst später, wenn Klarheit über den Umfang der Fördermittel herrscht, wollte man darüber befinden, ob die Sportstätte über ein oder doch besser zwei Becken verfügen sollte. Die CDU drückte jedoch aufs Gaspedal, zauberte den Antrag aus dem Ärmel, gleich die Dimensionen festzulegen – um keine weitere Zeit zu verlieren.

 

Und tatsächlich fand sich für diesen Vorschlag eine Mehrheit. Anschließend machte die Runde dann Nägel mit Köpfen und gab grünes Licht, die kleine Lösung zu forcieren und daran auch das Architektensuchverfahren auszurichten.

Die CDU-Chefin Heike Breitenbücher hatte den Vorstoß ihrer Fraktion zuvor damit begründet, dass man gefühlt mit dem Projekt so weit sei wie vor zwei Jahren. Wenn man nun keinen Beschluss herbeiführe, werde das Thema abermals auf unbestimmte Zeit vertagt. „Wir sollten politisch entscheiden, jetzt und heute. Jeder Monat Wartezeit erhöht die Baukosten“, erklärte sie. Sie gab zudem zu bedenken, dass man selbst mit der Ein-Becken-Lösung die Bedingungen verbessere, weil Schulen und Vereine damit künftig in immerhin vier Bahnen schwimmen könnten. Im alten Bad standen nur drei zur Verfügung.

Kleine Lösung in Marbach um 3,5 Millionen Euro günstiger

Ausschlaggebend für das Votum zugunsten der kleineren Variante dürften allerdings vor allem die geringeren Kosten gewesen sein. Für ein Bad mit jeweils separaten Becken für Nichtschwimmer und Fortgeschrittene hätte die klamme Kommune rund 14,5 Millionen Euro in die Hand nehmen müssen. 3,5 Millionen Euro weniger werden nun für die Version fällig, bei der man wie in der alten Sportstätte in einem Teil des Beckens stehen kann, im anderen nicht. Eine Lösung, für die sich letztlich auch der Bürgermeister Jan Trost angesichts des engen finanziellen Korsetts der Kommune starkgemacht hatte. Bei einer Entscheidung jetzt wisse man nicht, ob man bei den Zuschussprogrammen zum Zuge komme. Und gehe man leer aus, müsse man die Differenz von 3,5 Millionen Euro an anderer Stelle einsparen. „Dann müssen wir anderen wehtun“, betonte er.

Wie im alten Hermann-Zanker-Bad wird es auch im neuen Bad nur ein Becken geben. Foto: Avanti//Ralf Poller

Gleichwohl brachen Räte wie Heinz Reichert (SPD) eine Lanze für die große Lösung. „Marbach braucht auf jeden Fall ein Hallenbad“, konstatierte er zunächst. Es kämen bestimmt wieder wirtschaftlich bessere Zeiten, fügte er hinzu. Und in einem größerem Bad ließen sich mehr Besucher unterbringen. „Das ist auch für die Schulen wesentlich sinnvoller“, meinte Reichert. Man baue eine Sportstätte für die nächsten 60 Jahre. Da wäre es ein Schildbürgerstreich, ein Gebäude zu erstellen, das nicht zukunftsweisend sei.

Hallenbad-Neubau: Kritische Stimmen warnen, dass Stadt sich übernimmt

Es gab aber auch Stimmen, die vor der hohen finanziellen Belastung warnten und einem Bau zum jetzigen Zeitpunkt kritisch gegenüberstanden – egal in welchen Dimensionen. Er bezweifle, dass sich die wirtschaftliche Situation schnell wieder einrenke, sagte beispielsweise Jens Knittel (Freie Wähler). „Wir können uns das jetzt schönrechnen“, meinte er. Aber in Anbetracht der anstehenden Sanierung anderer Sporthallen und der Gartenschau im Jahr 2033 vor der Brust, bei der die Kosten womöglich ebenfalls davongaloppierten, könne man sich ein solches Vorhaben in seinen Augen gerade nicht leisten. Andernfalls drohe vielleicht sogar, das Bad irgendwann stillzulegen, weil man die Betriebskosten nicht mehr stemmen könne.

Trotz solcher Unkenrufe machte der Gemeinderat am Ende mehrheitlich den Weg für einen Neubau im Gebiet Lauerbäumle in der Nähe der Grundschule frei. Die Stadt will sich in einem nächsten Schritt um Zuschüsse bemühen und zugleich nach einem geeigneten Architekturbüro Ausschau halten.

„Jetzt hat jeder Klarheit, jetzt geht es auch schnell voran“, fasste Jan Trost am Tag nach der Sitzung die Situation zusammen. Andernfalls hätte man mit einem Votum erst nach der Sommerpause rechnen können, sodass sich das Projekt weiter verzögert hätte. Der Bürgermeister macht aber keinen Hehl daraus, dass „es für viele nicht die Wunschlösung ist, insbesondere nicht für den Schwimmverein“. Dafür gebe es nun eine konkrete Perspektive, dass in absehbarer Zeit wieder ein Training vor Ort möglich sei. Wenn nichts dazwischenkomme, könne das neue Bad im Jahr 2028 seine Pforten öffnen.

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