Waiblingen - Die Kreisbaugruppe ist ihrem Ziel, 500 neue bezahlbare Wohnungen zu schaffen, auch in Pandemiezeiten näher gekommen. Bis zum Jahr 2024, so die Einschätzung des Geschäftsführers Dirk Braune, werde man es erreicht haben. Der Landkreis schießt seiner Tochtergesellschaft dafür insgesamt zehn Millionen Euro zu, den Rest, rund 15 Millionen Euro, muss das Unternehmen mit genossenschaftlichen Wurzeln selbst erwirtschaften.
Die Durchschnittsmiete liegt bei 7,59 Euro
Mehr als 33 Millionen Euro hat die Kreisbau allein im vergangenen Jahr in den Wohnungsbau investiert. Zum Jahresende zählten zum Bestand 853 Einheiten mit rund 51 000 Quadratmeter Fläche. Die Durchschnittsmiete wird mit 7,59 Euro pro Quadratmeter angegeben.
In elf Städten und Gemeinden ist die Kreisbau als Vermieter vergleichsweise preisgünstiger Wohnungen vertreten. Der Schwerpunkt der Aktivitäten liegt im Remstal. Das sei zum einen historisch bedingt, andererseits aber auch darin begründet, dass die Nachfrage an und jenseits der Murr bisher kaum vorhanden gewesen sei. Doch künftig wolle man verstärkt auch den Norden des Kreises in den Blick nehmen, sagt der Landrat Richard Sigel als Vertreter des Hauptgesellschafters. Denn auch weiter vom Speckgürtel Stuttgarts entfernte Kommunen scheinen – auch durch den Einfluss von Corona – als Wohnorte attraktiver geworden zu sein. Neu entdeckte Arbeitsformen wie Homeoffice oder Telearbeit machten es plötzlich ungleich leichter, im Ballungsraum zu arbeiten und im ländlichen Raum zu leben, sagt Dirk Braune. Dadurch ergäben sich große Wachstumschancen für einen ländlich geprägten Raum wie den Rems-Murr-Kreis.
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Auch in Backnang wird die Kreisbau Waiblingen erstmals in ihrer Geschichte Wohnungen bauen. 48 Einheiten sollen auf dem Parkdeck des ehemaligen Krankenhausareals entstehen. Der Kreis übernimmt die Sanierung des Parkhauses, das danach unterirdisch rund 200 Stellplätze bieten soll, quasi als Altlast der Wiedergutmachung für die örtliche Klinikschließung und muss dafür schätzungsweise vier Millionen Euro zuschießen. „Wir salben dort die letzte Krankenhauswunde“, sagt Richard Sigel.
Unabhängig davon will man sich in seinem Kerngeschäft anders ausrichten: Größere Quartiere zu entwickeln und bewirtschaften sei wirtschaftlicher als der klassische Sechs-bis-acht-Familien-Häuserbestand, sagt Dirk Braune. Außerdem sei in Anbetracht der allgemeinen Wohnungsknappheit angesagt, kompakter zu bauen. Das ehemalige Klinikareal in Waiblingen sei in dieser Hinsicht ein Paradebeispiel: Zu den insgesamt kleineren Wohneinheiten würden Gemeinschaftsräume eingeplant, die für Familienfeiern oder Übernachtungen von Gästen genutzt werden könnten. Hier, aber auch zur Realisierung anderer Projekte, werde man künftig mit „strategischen Kooperationspartnern“ zusammenarbeiten, die vom Grundsatz her ähnliche Ziele verfolgten. Entsprechende Absichtserklärungen sind beispielsweise mit dem Bau- und Wohnungsverein Stuttgart sowie der Landesbau-Genossenschaft Württemberg bereits unterzeichnet worden.
Von Immobilienmanagement bis Fotovoltaik
Denn neben dem privaten Wohnungsbau sei die Kreisbaugruppe noch mit vielen anderen Aufgaben betraut, sagt der Landrat und meint damit nicht nur die beiden eigenen Verwaltungsneubauten in der Rötestraße und am Alten Postplatz in Waiblingen. In Winnenden und Schorndorf werden für rund zehn Millionen Euro Wohneinheiten für Mitarbeiter der Kliniken erstellt. Eine eigene Gesellschaft ist im Bereich des Immobilienmanagements – unter anderem auch von 120 Gewerbeimmobilien – tätig. Eine andere kümmert sich um die medizinische, pflegerische und therapeutische Infrastruktur im Landkreis. Auch der Klimaschutz nehme bei der Kreisbaugruppe einen immer größeren Stellenwert ein, sagt Dirk Braune. Das beginne bei der Art des Planens und Bauens, betreffe energieeffiziente Sanierungen, aber auch aktive Investitionen in regenerative Energien. Im Herbst will der Landrat in dieser Hinsicht mit einem Vorschlag für eine neue Fotovoltaikstrategie bei den Kreisräten vorstellig werden.
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Unter dem Strich haben alle Aktivitäten bei der Kreisbaugruppe im vergangenen Jahr zu einer Bilanzsumme von 293,9 Millionen Euro und damit einer Steigerung gegenüber dem Vorjahr von vier Prozent geführt. 212,6 Millionen davon sind Anlagevermögen. Mit den Gesellschaftern, so Dirk Braune, sei vereinbart, dass alle Gewinne im Unternehmen verbleiben und für neue Projekte investiert werden können.
Die Kreisbaugruppe
Historie
Die Kreisbaugruppe ist aus der Kreisbaugesellschaft Waiblingen entstanden, die vor 70 Jahren von der Stadt Waiblingen zusammen mit einigen privaten Unternehmen gegründet wurde. Das Ziel war, der Wohnungsnot nach dem Zweiten Weltkrieg entgegen zu wirken.
Heute
Seit 2011 sind unter dem Dach der Kreisbaugruppe drei Gesellschaften zusammengefasst: Neben der Kreisbaugesellschaft Waiblingen mbH die Rems-Murr-Kreis-Immobilien-Management GmbH und die Rems-Murr-Gesundheits GmbH & Co. KG. Mit 94,9 Prozent ist der Landkreis der mit Abstand größte Gesellschafter.