Kreisimpfstützpunkt in Sindelfingen schließt Bestehende Stellen können Bedarf an Impfungen gut abdecken

Das war’s: Der KIZ im Stern-Center wird nicht mehr benötigt und wird nun geräumt. Foto: Eibner-Pressefoto/Alessandro Marcigliano

Der Kreisimpfstützpunkt im Sindelfinger Stern-Center hat jetzt dicht gemacht. Die Impfangebote in den Testzentren bleiben aber bestehen.

Rund 70 000 Nadelstiche wurden im Kreisimpfstützpunkt (KIS) seit dem Start vor einem Jahr gesetzt. Da die Nachfrage zuletzt aber sank, hatte die Stelle im Stern-Center am Freitag letztmals geöffnet. „Impfen bleibt dennoch wichtig“, betont der Holzgerlinger Apotheker Björn Schittenhelm, der den KIS mitbetreut hat, „in den Testzentren wird weiter geimpft und natürlich bei den Ärzten und Apothekern – diese Kapazitäten reichen aus.“

 

Die Impfskepsis ist groß

Im Oktober, als der neue Corona-Impfstoff herauskam, hatte es zum letzten Mal regen Zulauf gegeben. Bis zu 300 Impfungen am Tag wurden über einen Zeitraum von etwa vier Wochen im KIS gezählt. Dann flaute der Bedarf ab. „Zuletzt hatten wir täglich zwischen 40 und 100 Besuchern“, erläutert KIS-Leiter Matthias Fuchs beim Pressegespräch am Freitagnachmittag. Etwa zwei Drittel kamen für den Corona-Wirkstoff, etwa ein Drittel für die Grippe-Impfung. „Wobei wir häufig erlebt haben, dass die Menschen zwar den Corona-Schutz wollten, die Grippe-Impfung aber abgelehnt haben“, berichtet Björn Schittenhelm. Als Ursache sieht er die nach wie vor starke Impfskepsis speziell in Süddeutschland. „In anderen Teilen Deutschlands, vor allem im Osten, sind die Quoten viel höher.“

Dabei, so betont Björn Schittenhelm, sei das Impfen nach wie vor eine der größten medizinischen Errungenschaften überhaupt und in diesen Tagen ein Schutz gerade vor der Grippe ratsam. „Wir haben derzeit neun Millionen Menschen in Deutschland, die mit Erkältung im Bett liegen“, weiß der Apotheker, „das müsste nicht sein.“

Berühmte Böblinger Impfstrategie

Gleichzeitig verliere die Corona-Impfung allmählich an Bedeutung – aber nur, weil eben bereits viel geimpft worden sei. „In China gibt es jetzt neue Ansteckungswellen, weil die Menschen dort viel schlechter geschützt sind“, so Schittenhelm. Ob von Asien womöglich neue Mutanten nach Europa schwappen könnten, weiß niemand, der Holzgerlinger Apotheker geht davon aber nicht aus. Der Landkreis Böblingen hatte durch seine Corona-Test- und Impfstrategie bundesweit Aufsehen erregt. Die Behörden stellten die Rahmenbedingungen, die Apotheker und Ärzte waren die Ausführenden – diese Aufgabenteilung funktionierte hervorragend und brachte die Testzentren in Holzgerlingen, Böblingen, Sindelfingen, Herrenberg und Leonberg zutage, wo längst auch geimpft wird.

Gleichzeitig hatte im Februar 2021 das Kreisimpfzentrum (KIZ) in der Sindelfinger Messehalle eröffnet, wurde aber im September 2021 bereits wieder geschlossen. Was überhaupt kein gutes Timing war, weil in dieser Zeit die Booster-Kampagne über das Land rollte. Ersatzweise entstand im Dezember 2021 der KIS, erst in der Messehalle, ab März 2022 schließlich im Stern-Center. In diesen verschiedenen Zentren und bei den Impfmarathons im Kreis Böblingen wurde insgesamt rund 225 000-mal Wirkstoff verabreicht – eine stolze Zahl. „Da sind wir als Landkreis spitze“, betont Schittenhelm.

Jetzt wird der KIS offenbar nicht mehr benötigt, die Infrastruktur abgebaut. Matthias Fuchs muss sich einen neuen Job suchen. „Ich gehe erst mal in den Urlaub“, sagt er. Um seine berufliche Zukunft muss er sich keine Sorgen machen. „Ich bin Gesundheitsmanager.“ Und die sind heutzutage enorm gefragt.

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