Kreismedienzentrum Göppingen „Es fallen dann eben Angebote weg“
Das Kreismedienzentrum Göppingen ist für viele Schulen Anlaufstelle, wenn es um medienpädagogische Angebote geht. Doch einige davon könnten Sparplänen zum Opfer fallen
Das Kreismedienzentrum Göppingen ist für viele Schulen Anlaufstelle, wenn es um medienpädagogische Angebote geht. Doch einige davon könnten Sparplänen zum Opfer fallen
Wenn Stefan Raaf durch die Räumlichkeiten des Kreismedienzentrums (KMZ) in Göppingen geht, fällt immer wieder der Satz „Das könnten wir uns dann nicht mehr leisten“. Raaf leitet seit Oktober 2024 das Kreismedienzentrum und ist zudem Schulnetzberater. Auch er macht sich über die vorgeschlagenen Sparmaßnahmen von Landrat Markus Möller Gedanken.
Mehr als 50.000 Euro sollen durch die Einschränkung der Angebote des KMZ eingespart werden. Das KMZ verleiht nicht nur Geräte wie Tablets oder Beamer an Schulen, vielmehr verstehe man sich als Innovativ- und Kreativzentrum und vor allem als Bildungseinrichtung, sagt Raaf. Denn die Beratung und Schulung von Lehrkräften in Schulen oder anderen Bildungseinrichtungen im Medienbereich macht einen großen Teil der Arbeit des KMZ aus.
„Es fallen dann eben Angebote weg“, fasst Raaf die möglichen Folgen durch die Kürzungen zusammen. Gewisse Geräte würden häufig verliehen und müssten entsprechend verlässlich bleiben. Als Beispiel nennt er die Lebensmitteldrucker in der Kreativwerkstatt des KMZ. Diese würden häufig genutzt, da sie leicht und praktisch sind im Vergleich zu anderen Geräten. Sollten die Mittel gekürzt werden, wäre es nicht mehr möglich, ein kaputtes Gerät zu ersetzen. Auch Themenboxen, die im MINT-Bereich häufig eingesetzt werden, gibt es im Kreismedienzentrum. Die Anschaffung neuer Boxen wäre ebenso nicht mehr möglich, erläutert Raaf. Das KMZ verhindere laut Raaf auch Fehlinvestitionen: Es beschaffe Geräte und neue Technologien und könne sie vorher testen. So müssten Bildungseinrichtungen nicht selbst investieren, nur um dann gegebenenfalls festzustellen, dass die Technik nichts taugt. Die Anschaffung neuer Produkte für alle Schulen im Kreis über das KMZ sei zudem effizienter und günstiger.
Das KMZ ist eine Einrichtung des Landratsamts und ist in das Dezernat drei für Finanzen, Schulen und Beteiligungen eingegliedert. Die Räumlichkeiten stellt das Landratsamt zur Verfügung. Dabei handelt es sich um ein Gebäude, das früher einmal zum Kreiskrankenhaus gehört hat. Im Untergeschoss befinden sich die Studios des Vereins Freies Radio Göppingen (Radio Fips), das mit dem KMZ kooperiert. Raaf ist froh, dass er diese Räume zur Verfügung hat. Sie sind an die jeweilige Nutzung angepasst: Im Erdgeschoss hat es jeweils einen größeren Raum, um Schulungen, Fortbildungen und Workshops sowohl für Kinder als auch Erwachsene anzubieten. Diese Räume sind beispielsweise mit Tablets oder kindgerechtem Mobiliar ausgestattet. Auch auf die Farben und die Akustik in den jeweiligen Räumen habe man Wert gelegt, erläutert Raaf. Im Eingangsbereich können Kinder Augmented-Reality-Brillen, also Brillen, die virtuell die Realität erweitern, testen.
Der sogenannte Maker Space des KMZ soll unter anderem Schulklassen einen Kreativ- und Lernraum bieten, in dem neue Technologien erlebbar werden: Es gibt eine Holzwerkstatt, einen Raum mit 3D-Druckern und Scannern, eine Kreativwerkstatt und einen Bereich für naturwissenschaftliche Themen, das sogenannte MINT-Lab. Die Kreativwerkstatt im Untergeschoss möchte man umgestalten, doch auch dafür würde dann künftig das Geld fehlen. Ebenfalls im Untergeschoss gibt es einen Musikraum, in dem beispielsweise Schulbands ihre Stücke aufnehmen könnten. „Noch ist das ein kostenfreies Angebot“, sagt Raaf über den Aufnahmeraum.
Trotz Geld vom Landratsamt ist das KMZ finanziell sowie personell auf seine Kooperationspartner angewiesen. Denn diese werden durch Stiftungen finanziell unterstützt, wodurch auch das KMZ das Geld für Materialien, Personal und das Umsetzen von Angeboten hat. Zu den Kooperationspartnern gehören neben Radio Fips das NwT-Bildungshaus, die Bildungsregion Landkreis Göppingen, der Verein Filstal Online, die Büchereien in Göppingen und Geislingen und die Stiftung Kinder forschen. Stefan Raaf betont, dass das KMZ „zur Sparpolitik beitragen möchte, aber nicht in diesem Umfang“. Eine Halbierung der angedachten Streichsumme würde ausreichen.