Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen Vor 175 Jahren gab’s vier Prozent Sparzinsen

Auszahlung zwischen Gewürzen und Zigarren: Der erste Standort der Sparkasse war das Geschäft von Kaufmann Nestel in der heutigen Nürtinger Marktstraße. Foto: Stadtarchiv Nürtingen

Die Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen kann in diesem Jahr ein rundes Jubiläum feiern. Ihr Gründungszweck von einst ist heute noch aktuell. Wie sie wurde, was sie jetzt ist.

Als Anna Sautter am 25. Januar 1848 die „Hilfsleihkasse für die Stadt Nürtingen und Sparkasse für den Oberamtsbezirk“ betrat, war diese nicht mehr als eine Ecke im Spezerei-, Tabak- und Cigarrengeschäft Carl-Friedrich Nestel in der heutigen Marktstraße. Zwölf Gulden zahlte sie auf ein Sparbüchlein ein – und war damit die erste Kundin der heutigen Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen, die in diesem Jahr auf eine 175-jährige Geschichte blicken kann.

 

Vermutlich war Anna Sautter Dienstbotin. Für kleine Leute wie sie war – nach den Hungerjahren 1846 und 1847 – die „Hilfsleihkasse“ gegründet worden. Sie ging maßgeblich auf Theodor Eisenlohr, Direktor des Lehrerseminars Nürtingen und Vorsitzender des Bezirkswohltätigkeitsvereins, zurück. Ihr Zweck: „Den minder vermöglichen Mittel- insbesondere Handwerkerstand für kürzere Zeit zu unterstützen“, aber auch anderen Bürgern „in augenblicklicher Geldverlegenheit“ Geld zu leihen. Außerdem sollten sie „kleinere Ersparnisse in kürzeren Zwischenräumen nutzbringend anlegen“ können.

Das Spargeschäft in Nürtingen aber begann zäh. Das Oberamt musste anfangs Geld zuschießen und um Kunden intensiv buhlen. Auf Einlagen gab es immerhin vier Prozent Sparzinsen. Davon profitierte Anna Sautter: Als sie sich 1859 ihre Ersparnisse ausbezahlen ließ, betrug ihr Vermögen 18 Gulden und 51 Kreuzer.

Anfang des Jahres 1849 wurde dann auch in Esslingen die „Oberamts-Leih- und Sparkasse“ gegründet, die sich an „Dienstboten, Handwerks- und Fabrikgehilfen sowie überhaupt ärmere Personen“ richtete. Attraktiv war für diesen Personenkreis vor allem, dass für Darlehen fünf Prozent Zinsen verlangt wurden. Das war günstig, litten doch damals viele unter den Wucherzinsen privater Geldverleiher. Entsprechend begehrt waren die Kredite. Die monatlich veröffentlichten Bilanzen zeigen eine lebhafte Entwicklung. 1875 standen Einlagen von rund 134 000 Mark in den Büchern des Instituts, das 1861 in „Oberamtssparkasse Esslingen am Neckar“ umbenannt worden war. Das Personal – Vorstand, Kassier und Kontrolleur – arbeitete zunächst nebenamtlich. Den ersten angestellten Kassier gab es erst 1895.

Hervorgegangen aus Fusionen

In Kirchheim reagierte man auf den Erlass des württembergischen Innenministeriums, das im Februar 1851 verfügte: Die Oberämter mögen doch bitte Sparkassen einrichten. Nach längerer Beratungs- und Vorbereitungszeit wurde am 2. Januar 1854 die „Spar-Kasse für den Oberamtsbezirk Kirchheim“ eröffnet. Ein- und ausbezahlt wurde in der Wohnung des Oberamtspflegers Hirzel in der Schlierbacher Straße. An 44 Amtsorten nahmen sogenannte Sparpfleger die Spargroschen an.

Die heutige Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen ist im Wesentlichen ein Zusammenschluss dieser drei Sparkassen. 1938 verschmolzen die Sparkassen Nürtingen und Kirchheim, am 1. Januar 1974 folgte die Fusion der Kreissparkassen Esslingen und Nürtingen aufgrund des Zusammenschlusses der beiden Landkreise im Jahr zuvor. Was erklärt, warum das Firmenjubiläum eng mit dem 50. Geburtstag des Landkreises in Verbindung steht. Er ist Träger der Kreissparkasse als Anstalt des öffentlichen Rechts.

Die Satzungsziele von einst seien noch immer aktuell, betont Burkhard Wittmacher, der Vorstandsvorsitzende der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen. „Zu unseren Aufgaben gehört die angemessene und ausreichende Versorgung aller Bevölkerungskreise, der Wirtschaft und der öffentlichen Hand mit Finanzdienstleistungen auch in der Fläche.“ Die Kenntnis der örtlichen Gegebenheiten, langfristige persönliche Beziehungen zu den Kunden und die räumliche Nähe zu ihnen „sind unser Trumpf“, beschreibt Wittmacher die Stärken des Kreditinstitutes.

Auch heute noch sei die Sparkasse laut ihrer Satzung dazu verpflichtet, den Sparsinn und die Vermögensbildung breiter Bevölkerungskreise zu fördern. „Gerade Sparen und Vorsorgen ist wichtiger denn je“, sagt Wittmacher. „Viele Menschen müssen in den kommenden Jahren noch sehr viel genauer auf ihre Ausgaben achten, als das bisher der Fall war.“ Die Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen unterstütze ihre Kunden dabei, mit ihrem Einkommen auszukommen und auch in Krisenzeiten Rücklagen zu schaffen.

Keine Sorgen um die Zukunft

Um die Zukunft des Kreditinstitutes mache er sich keine Sorgen, beteuert der Vorstandsvorsitzende. „Seit 175 Jahren stellen wir immer wieder unter Beweis, dass wir erfolgreich mit Herausforderungen umgehen können, ohne dabei die Präsenz vor Ort aufzugeben oder die Nähe zu unseren Kunden zu vernachlässigen. Finanzdienstleistungen werden immer benötigt werden.“ Die Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen, sagt Wittmacher im Brustton der Überzeugung, „wird es auch in 100 Jahren noch geben“.

Die Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen

Unternehmen
 Die Kreissparkasse gehört mit rund 1380 Mitarbeitenden zu den großen Arbeitgebern im Landkreis Esslingen und ist einer der größten Steuerzahler. Sie unterhält 94 Filialen und Selbstbedienungsstandorte. Betreut werden mehr als 200 000 Privatkunden und über 12 000 Mittelständler.

Geschäftsbericht
Die Kreissparkasse wies im Geschäftsjahr 2021 (neuere Zahlen liegen noch nicht vor) eine Bilanzsumme von 11,7 Milliarden Euro aus. Das Kundengeschäftsvolumen, also die Summe aus Krediten, Einlagen und Depotbeständen ihrer Kunden, betrug zum Ende des Jahres 2021 fast 19 Milliarden Euro.

Engagement
Das Geschäftsmodell der Kreissparkasse ist nicht allein darauf ausgerichtet, Profit zu erwirtschaften: Pro Jahr gibt die KSK mit ihren Stiftungen rund 1,8 Millionen Euro ihrer Erträge in Form von Spenden und Sponsoring zurück an die Menschen, Vereine und Institutionen im Kreis.

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