Kreistag Ludwigsburg gibt Startschuss Neuer Anlauf für die Bottwartalbahn

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Seit 1990 fährt kein Zug mehr auf der Bottwartal-Bahnstrecke. Nun wollen die Kommunen, zwei Landkreise und die Region sie reaktivieren. Doch es sind noch viele Hindernisse zu überwinden.

So sah es 1960 aus, als die Bottwartalbahn im Marbacher Bahnhof einfuhr. Bis 1990 gab es das Bähnle. Foto: Bürgeraktion Bottwartal
So sah es 1960 aus, als die Bottwartalbahn im Marbacher Bahnhof einfuhr. Bis 1990 gab es das Bähnle. Foto: Bürgeraktion Bottwartal

Marbach - Für Hans-Joachim Knupfer ist es ein Freudentag. Der Gründer der Bürgeraktion Bottwartalbahn, im Hauptberuf bei den Stuttgarter Straßenbahnen SSB beschäftigt, kämpft seit vielen Jahren für die Bahnstrecke von Marbach über Beilstein nach Heilbronn. Nun gibt es positive Signale: Der künftige Nahverkehrsplan der Region räumt dem Projekt eine hohe Priorität an. Noch wichtiger: Die Bürgermeister der Kommunen an der Strecke und die Landräte von Ludwigsburg und Heilbronn ziehen an einem Strang.

Zwei Varianten sollen nun untersucht werden, wie am Freitag im Kreistagsausschuss für Umwelt und Technik besprochen wurde. Eine kurze von Marbach bis Beilstein, und eine lange, die bis nach Heilbronn reicht. „Damit könnte man auf dem Netz der Heilbronner Stadtbahn bis ins Zentrum fahren“, schwärmt Knupfer. Allerdings müsste die Strecke im Kreis Heilbronn dafür anders gelegt werden. Allein der erste Abschnitt bis Beilstein könnte 75 Millionen Euro kosten. Für Pendler aus dem Bottwar- und dem Schozachtal wäre die Bahn ein großer Fortschritt, aber auch für Schüler, die etwa nach Beilstein aufs Gymnasium gehen. „Wir müssen alles tun, um den Nahverkehr zu stärken“, sagt der Ludwigsburger Landrat Rainer Haas.

Keine Einigkeit in der Vergangenheit

Bislang war das Projekt an verschiedenen Hemmnissen gescheitert. Lange Zeit gab es keinen politischen Konsens, die Kommunen Oberstenfeld und Murr waren skeptisch, weil sie wenig Nutzen sahen. Nach einem Bürgermeistertreffen im Mai gab es überraschend grünes Licht. Das zweite Problem war die Wirtschaftlichkeit. Zuletzt wurde diese 2004 untersucht. Elektrozüge hatten einen Kosten-Nutzen-Faktor von 0,89, Dieselzüge 1,03. Nur wenn der Wert über 1,0 liegt, rentiert sich der Zug. Damals hielt man das für zu riskant.

Doch inzwischen sind viele Neubaugebiete dazu gekommen, der Verkehr hat dramatisch zugenommen. „Die Untersuchung von 2004 kann nicht mehr herangezogen werden“, sagt Rainer Haas. Auch der Technische Direktor des Regionalverbandes, Thomas Kiwitt, klingt positiv: „Wir begrüßen den Beschluss des Kreistages.“ Man habe im Regionalplan dafür gesorgt, dass die Trasse frei bleibe. „Die Autobahn 81 und die Straßen sind am Limit, der meiste Zuzug kommt von Norden in die Region“, sagt er. Genau das werde die Bahn auffangen.

Der Kreistag hat das Büro VWI in Stuttgart beauftragt, die Wirtschaftlichkeit zu untersuchen. Mit einem Ergebnis wird Mitte 2018 gerechnet. Gleichzeitig wird untersucht, ob und wie die Busverbindungen beschleunigt werden könnten.