Kreistagswahl im Enzkreis Millionen gehen in die Kliniken

Von Norbert Kollros 

Im Enzkreis warten auf die künftigen Kreis­räte große Herausforderungen.

In der Pforzheimer Nordstadt will der Enzkreis seine ausgelagerten Dienststellen zusammenführen. Foto: Norbert Kollros mediko@web.de
In der Pforzheimer Nordstadt will der Enzkreis seine ausgelagerten Dienststellen zusammenführen. Foto: Norbert Kollros mediko@web.de

Kreistagswahl - Blickt man auf die zu Ende gehende Legislaturperiode zurück, so gelangt man rasch zu der Einschätzung, dass diese fünf Jahre im Enzkreis eine überaus bewegte Phase darstellten. Die Schulen und die Kliniken waren die großen Baustellen – und werden es auch bleiben – und die herausragende Personalie war der Wechsel an der Amtsspitze: Bastian Rosenau trat im Februar vorigen Jahres die Nachfolge des bisherigen Landrats Karl Röckinger an, der in den Ruhestand getreten war.

Es war aber auch jener Zeitraum, in dem ein großer Flüchtlingszustrom die Kreisverwaltung zu akribischem Handeln zwang. Im Jahr 2016, als der Höchststand des Zustroms erreicht war, hatte der Enzkreis rund 3400 Unterbringungsplätze geschaffen – teils in Container-Siedlungen, teils aber auch in Hallen, wie der Sporthalle der Berufsschulen in Mühlacker oder sogar in Zelten, wie etwa in Maulbronn.

Im zurückliegenden Jahr waren es noch rund 180 Geflüchtete, die in den Enzkreis gekommen waren. Mehr als 3000 Menschen aus Kriegs- und Krisen­regionen leben heute in den 28 Städten und Gemeinden, und während die Unterbringung für den Kreis kein großes Thema mehr ist, ist die Integration eine neue Herausforderung. An dieser Aufgabe arbeiten mittlerweile mehr als 20 Integrationsmanager, angestellt bei den Sozialorganisationen „Miteinanderleben“ und Internationaler Bund. Erklärte Zielsetzung: Die Geflüchteten beim Aufbau einer eigenen und eigenverantworteten Existenz zu unterstützen.

Was an baulichen Projekten in den kommenden Jahren auf die Kreispolitiker wartet, liegt in einer mittlerweile dreistelligen Millionen-Summe. Allein für die Kliniken in Mühlacker und Neuenbürg sind es etwa 40 Millionen Euro. In Mühlacker steht ein neuer OP-Bereich samt neuer Intensivstation auf der Agenda sowie die Verlegung der Kreißsäle, in Neuenbürg der zweite Neubautrakt als Ersatz für den rund 150 Jahre alten Altbau mit seiner typischen Schindelverkleidung („Schwarzwaldklinik“).

Einrichtung für Kurzzeitpflege geplant

Mit privatwirtschaftlichen Partnern im Boot soll die große Herausforderung eines Gesundheitscampus auf dem Gelände des Krankenhauses in Mühlacker geschultert werden. Zum einen soll eine Einrichtung für Kurzzeitpflege mit etwa 35 Plätzen entstehen, möglicherweise auch mit zusätzlichen Plätzen für Langzeitpflege. In die Kurzzeitpflege könnten auch aus der Klinik entlassene Patienten aufgenommen werden, die noch einen gewissen Pflegebedarf hätten. Auch ein Ärztehaus als Teil eines angestrebten medizinischen Versorgungszentrums oben auf dem Lindach ist in den Überlegungen.

Apropos Kliniken: In der neuen Legislaturperiode könnte die Frage einer Enzkreis-Beteiligung am Kinderzentrum Maulbronn auf der Agenda stehen. Vor­gespräche fanden statt, und laut unseren Recherchen stehen die Fraktionen dem Ansinnen durchaus aufgeschlossen gegenüber.

Schon seit etlichen Jahren nimmt der Kreisstraßenbau eine untergeordnete Rolle im Investitionsprogramm ein. In der zu Ende gehenden Legislaturperiode war es etwa die Westtangente in Illingen oder die Kreisel oberhalb von Mühlhausen und in Öschelbronn Richtung Wurmberg. In den kommenden Jahren stehen unter anderem der Ausbau der Kreisstraße von Niefern in Richtung Hagenschieß samt neuer Autobahnbrücke an sowie die geplante Teilortsumgehung von Wurmberg.

Im Berufsschulzentrum in Mühlacker sind die ganz großen Aufgaben im Wesentlichen abgeschlossen. Seit 2008 wurden die beiden Schulen – die ältere Ferdinand-von-Steinbeis-Schule stammte aus den 50er Jahren – in mehreren Bauabschnitten auf den aktuellen Zustand gebracht. Dabei investierte der Landkreis bis 2017 rund 20 Millionen Euro. Mittlerweile ist ein ganz anderes Schulgebäude zum Sorgenkind geworden: Mitte 2017 musste quasi Hals über Kopf die Gustav-Heinemann-Schule (GHS) in der Pforzheimer Nordstadt – eine Bildungseinrichtung für geistig und körperlich behinderte Kinder – wegen eklatanter Brandschutzmängel geschlossen und der Schulbetrieb verlegt werden.

Sanierung des Landratsamts­ steht bevor

Die Schüler wurden teilweise in eine Container-Anlage in Bauschlott ausge­lagert, die ursprünglich für Flüchtlinge errichtet wurde. Auf dem Pforzheimer Buckenberg entsteht derzeit für fünf Millionen Euro ein neues Provisorium für die Schüler in Modulbauweise – also auch nicht für Jahrzehnte bestimmt. Aus der Mitte des Kreistags heraus bildete sich eine Arbeitsgruppe zur Zukunft der GHS. Ein zentrales Ergebnis war, wie aus dem Landratsamt zu erfahren war, dass es ein neues Stammhaus geben soll.

Des Weiteren werden die kommenden Kreisbudgets durch Vorhaben belastet, wie die Sanierung des Landratsamts­gebäudes, die Erneuerung der Kantine sowie Ersatzbauten für abgewirtschaftete Hallen im Bereich der Straßenmeiste­reien. Beim mittlerweile gut 25 Jahre alt gewordenen Verwaltungshauptgebäude muss der Brandschutz optimiert und die Haustechnik samt Datenleitungen aufgerüstet werden. In Kürze soll ein Fachingenieur mit der Bestandsaufnahme beauftragt werden.

Noch völlig offen sind die zu erwartenden Belastungen durch einen zusätzlichen Neubau im Enzkreis-Carree an der Bahnlinie in Pforzheim. Gerodet ist das Grundstück zur Ebersteinstraße hin schon mal. In dem Erweiterungsbau, der möglicherweise von einer Immobiliengesellschaft der Sparkasse errichtet und vom Landkreis angemietet würde, sollen ausgelagerte Dienststellen etwa aus der Pforzheimer Oststadt oder der Wilferdinger Höhe zurückgeführt werden.

Ebenfalls mit noch vielen Fragezeichnen behaftet ist eine Außenstelle des Landratsamts in Mühlacker. Auch hier ist die Investorenfrage noch nicht geklärt. Ein Wunsch ist, dort die Fahrzeugzulassungsstelle, das Jobcenter und die Familienberatungsstelle zu zentralisieren.